1. Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2021 für den Landkreis Schaumburg

    Teil 2 – Straftatenaufkommen nach Deliktsform, spezielle Deliktsformen, Ausblick auf 2022

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    Fast genau 50 % der im Jahr 2021 von der Polizei in den Landkreisen Schaumburg und Nienburg registrierten Straftaten waren Vermögens- und Fälschungsdelikte (25 %) sowie Beleidigungen, Sachbeschädigungen und eine kleinere Zahl weiterer Delikte, die unter dem Begriff "Sonstige Straftaten" (24 %) zusammengefasst wurden. Die verbleibenden 51 % verteilen sich auf Rohheitsdelikte (16 %), Diebstahl ohne erschwerende Umstände (13 %), Diebstahl unter erschwerenden Umständen - dahinter verstecken sich unter anderem Wohnungseinbrüche- mit 8 %, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (3 %). Verbleibende 11 % verteilten sich auf strafrechtliche Nebengesetze (alle außer dem Strafgesetzbuch) und umfassen Verstöße nach dem Betäubungsmittelgesetz, dem Straßenverkehrsgesetz (Fahrten unter Drogen- oder erheblicher Alkohlbeeinflussung), dem Waffengesetz und anderen gesetzlichen Bestimmungen. "Weniger Straftaten unter Nutzung von Waffen"! Entgegen einem von vielen Menschen gefühlten Anstieg solcher Taten, sind die polizeilich registrierten Zahlen in den vergangenen 10 Jahren immer weiter zurückgegangen. In 39 Fällen war eine Schusswaffe im Einsatz (auch Schreckschusswaffen werden gezählt), im Jahr 2020 waren es noch 51. Taten unter Verwendung eines Messers wurden 48 mal gezählt, 2020 waren es noch 70. Dazu der Leiter der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg:"…Jede Waffe in der Öffentlichkeit ist zu viel und jeder Fall verunsichert die Bevölkerung. Waffen - echte wie unechte - sollten nur von Menschen getragen werden, deren gesetzlicher Auftrag der Schutz anderer ist - also von Sicherheitskräften wie der Polizei!" Das Thema "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung" hat bei der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg einen sehr hohen Stellenwert. 2021 wurden insgesamt 421 Sexualdelikte gezählt, beinahe eine Verdoppelung gegenüber 2020. In über 93 % konnten die Taten aufgeklärt werden. "Dramatischer Anstieg der sexualisierten Gewalt gegen Kinder" "Andreas Tschirner, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der PI:"… Wir bekämpfen diese verabscheuungswürdigen Taten mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln!" Lesen Sie dazu mehr im Interview mit dem Kriminaldirektor in dieser Ausgabe. 2021 erlebten 745 Personen in den beiden Landkreisen der Inspektion Häusliche Gewalt und zeigten diese an. Insgesamt geht die Polizei von einer hohen Dunkelziffer aus. Angst, Scham, Schuldgefühle und Abhängigkeitssituationen halten die Opfer oftmals von einer Anzeigeerstattung ab. "Gewalt darf nicht im Dunkeln bleiben - schon gar nicht hinter den heimischen, verschlossenen Türen, wo man sich eigentlich besonders sicher fühlen soll!" Mathias Schröder zu dem Deliktsfeld Häusliche Gewalt. Präventionsarbeit sowie die Vernetzung mit Hilfsorganisationen stehen dabei im Fokus der Beamten. Die Präventionsarbeit der Polizei hat sich laut Kriminalstatistik offenbar auch in einem anderen Bereich ausgezahlt - den Straftaten zum Nachteil älterer Menschen, allgemein auch unter dem Sammelbegriff "Enkeltrick" bekannt - sind von 820 (2020) auf 647 in 2021 zurückgegangen. Besonders erfreulich ist dabei der Rückgang der vollendeten Taten. Nachdem die Erfolgsquote der Betrüger im Jahr 2020 noch bei 85,98 % lag, gelang ihnen der Erfolg im vergangenen Jahr lediglich in 13,6 % der Taten. Mathias Schröder:" In nur zwei Jahren haben wir eine Trendwende erreicht. Unser enormer Aufwand hat sich im wahrsten Sinne bezahlt gemacht für die, die nicht Opfer geworden sind, weil sie informiert waren." Pressemeldungen, die auch in unserem Blatt wiederkehrend veröffentlicht wurden, sowie die Zusammenarbeit mit den Geldinstituten und sogar Taxiunternehmen haben die Menschen offenbar sensibilisiert. Die Zahl der Wohnungseinbrüche hat sich von 2020 zum Vorjahr fast halbiert. Lediglich 78 Einbrüche wurden registriert, von denen 43 im Versuchsstadium steckenblieben. In der Bewertung der Polizei für den Rückgang spielt die pandemiebedingte häufige Anwesenheit der Bewohner neben Sonderstreifen in den Landkreisen und zahlreichen Präventionsveranstaltungen, bei denen die Bevölkerung weiter sensibilisiert wurde, eine entscheidende Rolle. Die Steigerung der Aufklärungsquote führt der Leiter der PI auf Fortschritte bei der Spurensuche und -auswertung zurück. Dass digitale Angebote auch bei der Polizei zunehmend eine größere Rolle spielen, zeigt sich in der Zahl der Onlineanzeigen. In den Jahren 2020 und 2021 gingen 5.548 Onlineanzeigen bei der PI ein, 65 % aller Onlineanzeigen der letzten 10 Jahre. Mit mehreren Twitter-Kanälen und seit diesem Jahr einem Facebook-Auftritt folgt die Behörde dem Trend zur digitalen Präsenz. Zum Ausblick auf das Jahr 2022 einige Zitate vom Inspektionsleiter Mathias Schröder:" Wir haben im vergangenen Jahr mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln für Ihre Sicherheit gesorgt und in vielen Bereichen hervorragende Ergebnisse erzielt! … unser Ziel ist weiterhin, das besondere Sicherheitsniveau im Landkreis Schaumburg zu halten und nach Möglichkeit noch weiter zu steigern. … denn der Schutz der Kinder steht bei uns an oberster Stelle!"

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