1. 33 Jahre Kulturforum Bad Nenndorf:

    Mutige Struwwelpeter Junk-Oper überzeugt und begeistert im Kurtheater

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    "Selbstverständlich kenne ich die Bildergeschichte vom Struwwelpeter", bestätigt die Zuschauerin Evelyn Hornbauer auf Nachfrage. Mit dieser Erfahrung im Hintergrund besuchten offenbar die meisten Zuschauer die vom Theater für Niedersachsen aufgeführte Junk-Oper "Shockheaded Peter - der Struwwelpeter", im Kurtheater Bad Nenndorf. Eine Veranstaltung vom Kulturforum Bad Nenndorf, das in diesem Jahr auf sein 33-jähriges Bestehen blicken kann. Die meisten wussten sicherlich nicht, was sie erwartete. Mit dem Programmheft nahmen die Gäste auch eine Vorwarnung des Ensembles entgegen: "Seht! Staunt! Und vor allem: Nehmt euch in acht!". Und nicht nur das. Eine fettgedruckte Altersbegrenzung der Zuschauer ließ aufhorchen: "Achtung! Diese Vorstellung ist für Zuschauer unter vierzehn Jahren nicht geeignet. Es kommt zur Darstellung von physischer, psychischer und Waffen-Gewalt und deren Folgen." Die Besucher werden bereits vor Beginn der Aufführung von einem riesigen Storch empfangen, der nervös seine Runden auf der Bühne dreht. Er trägt kein weißes, sondern ein schwarzes Federkleid. Eher unbemerkt wird er eine unbemerkte Hauptrolle spielen. Schnell erkennt jeder Kenner des Bilderbuches, dass sich die Inszenierung - mit rockig, poppiger Musik einer Liveband - rasch von der ursprünglichen Erzählung entfernt und mit einer neuen, aktuellen Struwwelpeter-Geschichte dem Zuschauer vorstellt. Der schwarze Klapperstorch bringt einem Paar das ersehnte Baby. Sie leben in einem Raum, der einem Kühlhaus gleicht. Das niedliche Bündel entwickelt sich nicht nach Wunsch. Die wütenden und hilflosen Eltern verlieren die Kontrolle. So sind auch die weiteren vorgeführten Kinder: unartig, ungezogen, unangepasst - meinen die Eltern und können es so nicht ertragen. Ihr Kind haben sie sich ganz anders vorgestellt. Das Verhalten des Kindes hat Konsequenzen. Alle Kinder ereilt der Tod. Der Storch bringt sie nicht nur, sondern trägt sie auch hinüber ins Totenreich. Ein Stück mit ganz realen Eltern-Ängsten gegenüber unangepasster Jugendlicher, mit viel Humor charmant verpackt, bei dem die Zielgruppe die Eltern mit ihrem eigenen Verhalten sind, denen der Spiegel vorgehalten wird. Eine mutige Aufführung für Bad Nenndorf, könnte man meinen. Das sieht Hannelore Krage, Vorsitzende vom Kulturforum Bad Nenndorf, nicht so. "Unsere Programmauswahl basiert darauf, dass wir von jeder Sparte, sowohl Komödie, Schauspiel oder auch Modernes unterschiedlicher Genre etwas zeigen möchten." Ein Auswahlkreis treffe die Auswahl aus einem vielfältigen Angebot von Aufführungen aus ganz Deutschland. "Ein Kreis, der die Gesellschaft und sicherlich auch die Theaterbesucher wiederspiegelt", sagt Krage. Ein Stück mit Altersbegrenzung ist sicherlich eher ein Novum, räumt sie ein. "Aber es passt gut zu uns, auch etwas Mutiges mit Schwung zu zeigen. In einem Verein, der 33 Jahre alt ist und viele meinen, er sei ein verstaubtes Kulturforum." Der langanhaltende Beifall belohnte letztlich nicht nur die Darsteller, sondern auch das Kulturforum für diese besondere und gelungene Auswahl.

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