1. Mountainbiker sehen aufgeheizte Diskussion

    "Eigentlich gutes Miteinander im Wald" / Idee Trailcenter

    Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    In den letzten Wochen wird das Thema von illegalen Mountainbiketrails in den Medien hochgehalten. Aus diesem Grund hat unser Redakteur die öffentlich schwer getadelten Sportler zu ihrer Sichtweise der Dinge befragt. Für das Interview stellte sich der Rodenberger Christian Hoffmann zur Verfügung, Mitglied im Mountainbikeclub Deisterride. SW: Herr Hoffmann, aktuell findet eine sehr negative Berichterstattung über den Mountainbikesport im Deister statt. Entspricht der kommunizierte Tenor ihrer Ansicht nach der Realität? CH: Gott sei Dank wird in der Öffentlichkeit aktuell ein sehr unrealistisches und pauschal völlig verzerrtes Bild des Mountainbikesports sowie des generellen Waldlebens im Deister kolportiert. "99% der Waldnutzer kommen bestens miteinander aus" SW: Wie sieht das realistische Bild im Deister ihrer Meinung nach aus? CH: 99% der Waldnutzer kommen bestens miteinander aus. Man begegnet sich mit Respekt, grüßt sich und hält ab und an ein Pläuschchen, um sich auf netter Ebene auszutauschen. Das sind alles positive Begegnungen von Menschen, die Freude an der Bewegung in der Natur haben. Leider gibt es auf Seiten aller Waldnutzer ausnahmslos einen Anteil von, salopp formuliert, "1 % Quotenidioten". Die einen bauen in sensiblen Zonen mit schwerem Gerät illegale Trails. Die anderen bauen auf Waldwegen lebensgefährliche Natodraht-Fallen für Mountainbiker. Und wieder andere machen populistische Stimmung im Wald. "Waldbesitzer und solche, die für und mit der Landesforst arbeiten, sind in unseren Reihen" SW: Kennen sie Mountainbiker, die sie ihrer Auffassung nach zu den "1% Quotenidoten" zählen würden, die zum Beispiel in sensiblen Bereichen mit großem Aufwand und schwerem Gerät illegale Trails anlegen? CH: Nein, ich kenne niemanden. Die passen auch nicht zur Philosophie unseres Mountainbikeclubs. Wir haben Waldbesitzer und solche, die für und mit der Landesforst arbeiten in unseren Reihen. Super Typen mit gesundem Menschenverstand, durch die wir auch seitens der Forst ein reales Bild erhalten. Deshalb haben wir die Hand in Sachen Stimmungs- und vor allem Wahrheitslage immer am Puls des Deisters. SW: Sind die "1 % Quotenidioten" ein Deister-Phänomen? CH: Nein. Die "1 %er" wird es immer und überall geben, in jeder Lebenslage. Nur sollten wir in Sachen Deister aufhören, diese als repräsentative Masse medial ins Schaufenster zu stellen. Wir müssen aus dem destruktiven Reden raus, hin zum konstruktiven Machen. Darum stelle ich den Nutzen dieser aktuell sehr offensiv und mit Halbwahrheiten angefeuerten Berichterstattung infrage. Dieser sich permanent wiederholende mediale Weg ist seit über 10 Jahren völlig erfolglos. Wenn ich zehn Mal vor die Wand gerannt bin, sollte ich beim elften Mal vielleicht selbst die Tür finden oder fremde Hilfe annehmen. Es hilft nur ein zeitgemäßes und integratives Konzept, um möglichst viele Akteure hinter einem Ziel zu vereinen. Das baue ich behutsam mit zunächst nicht-öffentlichem Networking auf. Dabei sollte Effektivität Priorität genießen und das inflationäre Veröffentlichen von mit der Abrissbirne verfassten Pressemitteilungen keine Rolle spielen. Dann hätte die personifizierte Erfolglosigkeit auch keine Gesichter mehr. SW: Es ist Fakt, dass es in den letzten Jahren immer mehr Mountainbiker im Deister geworden sind, aber auch in allen anderen Bereichen der freizeitlichen Waldnutzung. Wie kann man die verschiedenen Interessen ihrer Meinung nach steuern? CH: Sachlich. Ausschließlich mit Menschen, die auf Basis von Fakten, wie zum Beispiel Studien und Marktforschung, an einer sachlichen und konstruktiven Lösung mit Nachhaltigkeit interessiert sind und andere Interessen respektieren können. Dieser Rolle werden Politik und Verwaltung gerecht werden. SW: Glauben sie, dass sich Mountainbiker an eine Zonierung halten würden? CH: Was ich glaube ist unwichtig. Zahlen, Daten und Fakten sind entscheidend. Die Aufgaben im Deister, ich will sie nicht Probleme nennen, sind doch überall sehr ähnlich und wurden anderenorts mit konstant gutem Ergebnis für alle Waldnutzer gelöst. "Dem Deister und den Deistergemeinden ist das große touristische Potenzial eines Trailcenters zu gönnen" SW: Wie sieht so eine Erfolgsformel aus? CH: Dazu bedarf es einer Lagefeststellung explizit für den Deister. In Sachen Mountainbike ist Fakt, dass sich mit den Deisterfreunden einer der größten Mountainbikeclubs Deutschlands im Deister etabliert hat, der exzellente Arbeit macht. Neben deren über 900 Mitgliedern, kommen noch viele andere tausend Mountainbiker als Waldnutzer hinzu, die nicht in regionalen Vereinen organisiert sind, sondern den Deister als freizeittouristische Mountainbike-Destination nutzen. Der Deister ist als Mountainbikespot mittlerweile ein natürlicher Gigant. Er zählt zu den Top-Locations in Europa, die nahezu ganzjährig befahren werden können und entsprechend international frequentiert sind. Es wird also keine Erfolgsformel geben, in der der Faktor Mountainbikesport keine wesentliche Rolle spielt. Gleiches gilt für alle anderen Waldnutzer. Gucken wir nun nach einer seit Jahrzehnten nachhaltig bewährten Lösung, kommen wir zur Lenkung des Mountainbikens an der Installation eines Trailcenters nicht vorbei. Dabei handelt es sich um ein vor allem in Europa sehr erfolgreiches touristisches Nutzungskonzept, bei dem es nur Gewinner gibt. Dem Deister und den Deistergemeinden ist das große touristische Potenzial eines Trailcenters zu gönnen. SW: Das hört sich sehr mountainbikelastig an? CH: Nein, das ist es nicht. Ein Trailcenter ist nur ein Teil eines ganzheitlichen Nutzungskonzeptes, bei dem alle Interessen berücksichtigt werden. "Nur 0,2 % der Fläche des Deisters für ein Trailcenter notwendig" SW: Letzte Frage: Wie geht es im Deister weiter? CH: Die Verantwortlichen von Politik und Verwaltung erhalten in der Machbarkeitsstudie zum Naturpark Deister eine bereits in anderen Regionen erfolgreich umgesetzte touristische Empfehlung einer zonierten Nutzung des Deisters. Für den Mountainbikesport steht im Ergebnis ein gut ausgebautes Trailcenter, welches sich mit 60 Trails und einer Weltcup-Stecke auf 0,2 % der Fläche des Deisters zusammenhängend um den gesamten Deister erstreckt. Vorbild wird die Umsetzung des Trailcenters "Singletrek pod Smrkem" in Tschechien. Mit der rund um den Deister herausragenden Infrastruktur der Verkehrsanbindung, inklusive des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, begrüßen wir neben allen anderen Waldnutzern jährlich 100.000 Mountainbiker im Trailcenter Deister, die alle gemeinsam auf naturnahen Campingplätzen oder in guten Hotels rund um den Deister übernachten. Ganz wichtig ist auch die Schnittstelle Gastronomie, um sich mit den 99% der positiven Waldnutzer nett austauschen zu können.

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an