1. Leserbrief Von Matthias Floria...

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    Leserbrief Von Matthias Florian Wehrung aus Rinteln zum Artikel: 
"Starkes "Schaufenster" dank guter Kooperation" vom 6. März Unglaublich! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Da lassen sich im Jahr 2021 Kreisforstamtsleiter und Revierförster für die heimische Presse ablichten, um öffentlich und nicht ohne Stolz zu verkünden, dass eine rund 200 Jahre alte Eiche mit 4.631 Euro plus Mehrwertsteuer den höchsten Preis der Holzsubmission erzielt habe. Wahrlich ein Stück aus dem Tollhaus: Eine mächtige alte Eiche, die seit Anfang des 19. Jahrhunderts Zeitzeuge des Vormärz, der Märzrevolution, der Einigungskriege, des Kaiserreiches, des Ersten Weltkrieges, der Weimarer Republik, der Hitlerdiktatur, des Zweiten Weltkrieges, der Nachkriegszeit, des Kalten Krieges und der Wiedervereinigung ist, gehört nicht gefällt, sondern geschützt. Da mögen rund 5.000 Euro am Markt ein gutes Gebot sein, den ökologischen, historischen, ästhetischen, ideellen und unwiederbringlichen Wert eines solchen Baumes vermögen sie doch bei weitem nicht aufzuwiegen. Wann werden hier endlich die Zeichen der Zeit erkannt? Trockenjahre, Borkenkäfer, Sturmschäden, sich jährlich verschlechternde Waldzustandsberichte - und wir haben nichts anderes zu tun, als das Tafelsilber unserer Wälder zu verkloppen? Wie wollen wir eigentlich im Globalen glaubhaft dafür eintreten, dass Regenwälder bewahrt bleiben müssen, wenn wir nicht einmal lokal damit anfangen, unseren (ur)alten Baumbestand zu erhalten? Dass eine Bewirtschaftung großer Teile unserer Wälder notwendig und Holz ein nachwachsender Rohstoff ist, steht außer Frage, aber doch bitte nicht so. Das sogenannte nachhaltige Wirtschaften sollte nicht nur eine wohlfeile Floskel bleiben, sondern auch hier vor Ort in die Tat umgesetzt werden: Bäume aus dem 19. Jahrhundert sind aus der Bewirtschaftung herauszunehmen und 200 Jahre alte Bäume als Naturdenkmale unter Schutz zu stellen. Bereits im Jahr 2007 hat die Bundesregierung ihre nationale Biodiversitätsstrategie verkündet: Bis zum Jahr 2020 sollten ganze zwei Prozent der Landesfläche aus der Bewirtschaftung herausgenommen und damit "Wildnis" sein, wobei Wildnisgebiete als "ausreichend große, (weitgehend) unzerschnittene, nutzungsfreie Gebiete" definiert werden. Tatsächlich liegt Deutschland zur Zeit bei 0,6 Prozent, Niedersachsen bei 0,55 Prozent und das grün regierte Baden-Württemberg sogar nur bei 0,22 Prozent. Das Umsetzungsdefizit ist also mehr als offenkundig. Hier darf es nicht bei wohlfeilen Ankündigungen bleiben: Auch bei uns im Weserbergland sind weitere Waldgebiete aus der Bewirtschaftung herauszunehmen, und die längst überfällige Novellierung des Bundeswaldgesetzes muss dringend auf den Weg gebracht werden, damit Bäume aus dem 19. Jahrhundert bzw. mit einem entsprechenden, baumartspezifischen Stammumfang zukünftig erhalten bleiben. Maik Beermann, übernehmen Sie.

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