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    "Fleckensheriff" hat er sich einmal selbst genannt, wobei dieser Begriff Wenthes engen Bezug zu Lauenau nicht besser hätte verdeutlichen können. Sogar das Ortswappen trug er regelmäßig an der Jacke gleich unter seinem Namensschild. Die Arbeit direkt vor Ort und der Kontakt mit den hier lebenden Menschen waren ihm stets wichtiger als der aufreibende Einsatz- und Streifendienst im Schichtbetrieb. Letzteres hat er 25 Jahre am Polizeikommissariat Bad Nenndorf selbst erlebt. 1980 war der gebürtige Bakeder gleich nach seiner Ausbildung in die Kurstadt gekommen. Die Nähe zu seinem Wohnort war ein Grund, dass er sich hier schnell wohlfühlte. Der zweite: Dienst im ländlichen Bereich ist für ihn weitaus attraktiver als zum Beispiel in städtischen Revieren und dort vielleicht sogar noch an sozialen Brennpunkten. Jederzeit würde er wieder in den Polizeidienst gehen - und auch auf dem Land eingesetzt werden wollen. So nutzte er die Gelegenheit, im Jahr 2005 an die Polizeistation Rodenberg versetzt zu werden. Vier Jahre später folgte die Vor-Ort-Funktion in Lauenau, zuletzt mit seiner Kollegin Claudia Peuckert, die hier auch weiterhin tätig sein wird. Sein Büro im ehemaligen Casala-Verwaltungsgebäude im Gewerbepark hätte keinen besseren Platz haben können. An zentralster Stelle im Ort befinden sich hier zwei Räume im Erdgeschoss. Gleich vor der Tür steht der Dienstwagen in der Garage. Aber eigentlich sollte er sich wegen der nach Stellenplan gewünschten Bürgernähe häufiger zu Fuß auf den Weg machen sowie Kontakte zu Kindergärten und Grundschule suchen. Doch letztlich überwog die Büroarbeit an Computer, Telefon und bei Vernehmungen: "Das waren mindestens 80 Prozent meiner Tätigkeit." Wenn am Ende der Sommerferien die "gelben Füße" als Symbol eines sicheren Fußwegs für Schulanfänger auf den Bürgersteig gepinselt werden sollten, "habe ich mir das schon aus der Arbeitszeit heraus leiern müssen". Was ihn vorwiegend Zeit kostet, sind Anzeigen betrogener Einwohner: "Die Cyberkriminalität hat zugenommen", weiß er über eine ständig wachsende Zahl von Ebay-Geschädigten. Auch der Kredit- und Girokartenmissbrauch sei gestiegen. Dagegen habe in der jüngeren Vergangenheit die Menge der Autoaufbrüche und Einbruchsversuche nachgelassen. Vielleicht könnte das eine Folge der Corona-Pandemie sein, weil die Menschen doch mehr zu Hause sind. Eine Zunahme verzeichnete er bei Umweltdelikten. Zahl und Menge des illegal in der Feldmark und am Straßenrand abgelegten Mülls seien schlimm geworden, findet Wenthe, der sich stets gern als "Polizist zum Anfassen" fühlte. Folglich hat er auch in Lauenau etliche Freunde und Bekannte gewonnen, ohne dass er damit seine Dienstpflichten vernachlässigt sehen wollte. Auf die Frage, welches Ereignis ihn in seinen elf Lauenauer Jahren besonders beeindruckt habe, fällt sein Blick sofort aus dem Fenster auf das große Villenanwesen an der nächsten Straßenecke: "Dass ich gerade hier zu dem Zeitpunkt gesessen habe, wo dort ein Mord geschah", macht ihn heute noch nachdenklich. Im Mai 2015 war vermutlich bald nach 12 Uhr Bewohnerin Ines K. unter bis heute ungeklärten Umständen getötet worden. Um 13 Uhr hatte Wenthe das Büro verlassen. Nur kurze Zeit später wurde die Tat entdeckt - gefolgt von einem großen Polizei- und Medienaufgebot. In Feggendorf wurde er dagegen Ohrenzeuge eines Vorfalls. Während einer Feier im Garten eines Kollegen schallten unverhofft Martinshörner durch den kleinen Ort. Bei einer Familienstreitigkeit hatten sich Schüsse gelöst. Und noch etwas blieb ihm in heftiger Erinnerung. Ein Täter hatte 2013 mehr als 270 Autoreifen in Lauenau zerstochen, bis er überführt, verhaftet und ins Gefängnis gesteckt wurde. Nun hat er mehr Zeit für seine fünf Enkelkinder, kann neben Haus und Hof seinen Fischteich pflegen und auf Reisen vorwiegend in südliche Gefilde gehen. Schon bisher ist er entweder mit dem Fahrrad oder dem Motorrad zum Dienst gefahren; nun werden die Stahlesel den Spritztouren rund um Deister und Süntel dienen - natürlich mit gelegentlichen Abstechern nach Lauenau. Gewiss trifft der ortsbekannte Mann dann weiterhin auf viele Bekannte. Wie zum Beispiel einen früheren Jugendlichen, dessen zweifelhafte Aktivitäten im früher viel Arbeit beschert hatten. Dass dieser nun ein verantwortungsbewusster junger Familienvater geworden ist, "hat mich doch sehr gefreut". Foto: al

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