RINTELN (ste). Gründe, warum Menschen Hilfe brauchen, gibt es viele: Ob existentielle Ängste, Familienprobleme, Eheprobleme, Trennungsberatung aber auch Menschen, die bei der Partnersuche scheitern, suchen oft Rat und Hilfe im Familienbüro der Stadt Rinteln. Besonders hilfebedürftig sind jetzt aber auch Menschen, die einsam sind. Mal schnell zum Telefon greifen, um sich mit anderen auszutauschen, geht häufig nicht, weil da einfach niemand ist, den sie anrufen könnten. Einsamkeit macht krank. Sie greift nicht nur die Psyche mit depressiven Symtomen an, sondern soll auch körperliche Symtome hervorrufen können. Durch die Corona Pandemie verstärkt sich das Gefühl der Einsamkeit häufig nocheinmal bei denen, die ohnehin schon dieses Notgefühl haben. Alleinsein ist nur dann schön, wenn man sich dazu auch allein entscheiden kann. Vor der Pandemie gab es zahlreiche Treffen und Aktionen, um Gleichgesinnten zu begegnen und so der Einsamkeit zu entrinnen. Im Mehrgenerationenhaus ist es Christel Grannemann-Bülte, die sich um die Generation 50+ kümmert und Vorträge, Strickaktionen, Wandertreffen und vieles mehr ins Leben ruft. Hier gibt es zahlreiche Angebote und vorallem Beratungsstunden für die "Erste Hilfe" im Notgefühl. 28 bis 32 Beratungen waren es vor der Pandemie bei der Psychodrama-Leiterin im Monat, jetzt sind es 64 bis 68 Beratungen; plus diverse telefonische Beratungen. Aber auch da gibt es manchmal Pobleme, die man sich in der heutigen Zeit fast gar nicht mehr vorstellen kann. "Bei einer älteren Person wollte ich eine Beratung kontaktlos aber mit Sichtkontakt durchführen. Die Person am Fenster im Haus und ich davor. Doch das kabelgebundene Telefon reichte nicht bis ans Fenster", so Christel Grannemann-Bülte. Mit dem privaten und dem dienstlichen Handy (natürlich desinfiziert und kontaktlos übergeben) klappte es dann doch. Ideen muss man nur haben. Und davon hat die dynamische Koordinatorin wieder einige in petto. Telefonpaten werden gesucht, um mit einsamen Mitbürgern zu reden oder eine Geschichte vorzulesen. Wolle und Stricknaden sollen ausgegeben werden, damit gemeinsam eine große Patchworkdecke entstehen kann. Unter dem Motto "Rinteln wärmt" werden Menschen gesucht, die Mützen, Schals oder Socken stricken für Bedürftige und für ein online Kochbuch unter den Namen "Rintelner Weserbisse" werden schöne Rezepte gesucht. "Wer noch zündende Ideen hat, kann sich gerne bei mir melden", so die Koordinatorin. "Das Wichtigste in der jetzigen Situation ist aber das positive Denken. Wir müssen mit Humor viel Herzenswärme geben unter dem Motto "Humor statt Umarmung", so Christel Grannemann-Bülte. Auch sollte die Solitarität jetzt eine besonders große Rolle spielen. "Einen liebevollen Blick auf die Nachbarn werfen und Hilfsangebote anbieten können hier schon viel bewirken." Erste Hilfe gibt es bei der Familienberaterin und Koordinatorin 50+, Christel Grannemann-Bülte, sowie bei ihren beiden Kolleginnen Elke Held und Karin Weeke unter der Telefonnummer 05751/403965 sowie unter der Mobilnummer 01525/6323606. Als Ansprechpartner stehen aber auch Wilfried Althof vom Seniorenbeirat (05751/41241) und Cornelia Budde von der Stiftung für Rinteln (05751/403304) zur Verfügung. Übrigens muss man schon weit suchen, um eine Stadt zu finden, die eine Koordinatorin 50+ mit Familienberatung in einer vollen Stelle zum Wohle der Mitbürgerinnen und Mitbürger besetzt.Foto: ste
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Besonders die Einsamen bleiben auf der Strecke
Christel Grannemann-Bülte erzählt von Einsamkeit während der Coronapandemie / Hilfe per Telefon
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