1. "Wir sind kein Streichelzoo, das ist knallharte Arbeit"

    Problemhunde und uneinsichtiges Verhalten machen dem Tierschutz zu schaffen

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    BAD NENNDORF (jl). Die hiesigen Tierschützer befinden sich in einem Zwiespalt. Da wäre zunächst die Zahl der Problemhunde, die weiter zunimmt. "Umliegende große Tierheime sind dicht mit solchen Hunden, die Zahl ist überdimensional", weiß Jutta Schneider, Vorsitzende des Tierschutzvereins Rodenberg/Bad Nenndorf. Allein die hiesige kleine Tierauffangstation beherberge zurzeit sechs Hunde, demnächst sieben, die überwiegend sehr schwierig im Umgang seien. Einer, Aramis, ist sogar von Amts wegen als gefährlich eingestuft. Heißt: Für ihn gelten besondere Auflagen. Wer zum Beispiel mit ihm spaziere gehen möchte, muss den praktischen Sachkundenachweis mit ihm ableisten. "Mindestens ein- bis zweimal pro Woche habe ich eine Anfrage, ob wir einen Hund aufnehmen können, weil die Besitzer ihn nicht mehr handeln können", seufzt Schneider. Astrid Galka, Tierärztin aus Garbsen und eine von zwei zertifizierten Hundetrainerinnen, mit denen der Verein schon seit einigen Jahren eng zusammenarbeitet, pflichtet ihr bei. Sie sagt: "Ich habe das Gefühl, dass es immer mehr wird, dass sich Leute Hunde anschaffen und nicht wissen, worauf sie sich einlassen." Gerade wegen dieser Herausforderung ist der Tierschutzverein auf die Unterstützung von Ehrenamtlichen mehr denn je angewiesen. Er hat jedoch immer wieder mit uneinsichtigem Verhalten einiger Helfer zu kämpfen: Sie dürfen den Zwinger nicht betreten - und machen es dennoch. Sie sollen den Hund ignorieren - und tätscheln seinen Kopf. Sie leinen unerlaubt den Vierbeiner ab, nehmen ihn sogar mit nach Hause und halten sich nicht an Verhaltensregeln. "Es geht nicht an, dass sich über die Anweisungen hinweggesetzt wird", findet Schneider deutliche Worte. Und weiter: "Wir sind kein Streichelzoo, das ist knallharte Arbeit, die wir hier leisten." Für den Vorstand, die Tierheimleitung und die Hundetrainerinnen ist dies regelrecht ein Dilemma, das den ohnehin schon kräftezehrenden Alltag erschwert. Die Konsequenz: Verschärfte Kriterien und Sicherheitsvorkehrungen. "Wir sind froh über jeden einzelnen ehrenamtlichen Helfer und Gassigänger", sagt Schneider. Die Strukturen müssten dabei aber gewahrt und zahlreiche Auflagen seitens der Behörden, des Gesetzes und auch des Tierheims eingehalten werden. "Wir müssen an die Sicherheit der Mitarbeiter, Gassigänger und Öffentlichkeit denken", betont Schneider. "Wir bitten da einfach um Verständnis, dass nicht jeder mit jedem Hund spazieren gehen kann." Die Haftung liege beim Verein. Zudem soll jeder Vierbeiner für die Gassirunden nur zwei Bezugspersonen haben. Bei dem Altdeutschen Schäferhund Aramis, der im März des Vorjahres von Amtswegen sichergestellt und als gefährlich eingestuft worden war, dauerte es fast ein Jahr, bis er freigegeben wurde. Ebenso lange brauchten die engsten Mitarbeiter, um Vertrauen zu dem neunjährigen Rüden aufzubauen. Anfangs habe er in Narkose gelegt werden müssen, um ihn zu handeln, so Schneider. Falsche Einschätzungen und Fehlverhalten der Helfer, weil klare Anweisungen missachtet werden, bärgen nicht nur eine Gefahr. Sie könnten auch die mühselige Arbeit zunichtemachen. Ein Problemfall bleibt der unter Hüftdysplasie leidende Schäferhund dennoch. Und das würden viele unterschätzen, "weil er so erstmal ganz nett ist, solange man nichts von ihm will, was er nicht will", erklärt Hundetrainerin Galka. "Nicht jeder schwanzwedelnde Hund ist nett." Künftig sollen sämtliche Gassigänger eine schriftliche Belehrung und Anweisung unterschreiben müssen. Anders weiß sich der Verein nicht mehr zu helfen. Zudem sind Schulungen im Backhaus Aktiv in Rodenberg geplant, an denen nicht nur die Ehrenamtlichen, sondern alle interessierten Hundehalter teilnehmen können. Das Gros der Helfer, betont Schneider, sei aber vorbildlich bei der Sache und halte sich an die Absprachen. Durch deren engagierten Einsatz sei es bereits gelungen, Vierbeiner, die als Problemhunde kamen, erfolgreich zu vermitteln. Foto: jl

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