1. Bei vielen Betrieben geht es

    Herausforderungen im Fleischer- und Bäckerhandwerk / Nachwuchs- und

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    LANDKREIS (nh). Gute, solide Arbeit im Lebensmittelhandwerk nach Tradition wird vielerorts noch gelebt im Landkreis Schaumburg. Zahlreiche Fleischer- und Bäckerbetriebe sind bereits seit Generationen fester Bestandteil der dörflichen oder städtischen Infrastruktur und nicht nur ein Ort zum Einkaufen, sondern oft auch zum Austauschen und ins Gespräch kommen. Doch die klassischen kleinen und mittleren Bäcker- und Fleischerbetriebe stehen vor wachsenden Herausforderungen in der heutigen Zeit. Preisaggressive Supermärkte und Discounter sowie Franchise-Unternehmen sorgen für ein sogenanntes "Preisdumping". Hinzu kommen Probleme, geeignetes Fachpersonal oder aber Auszubildende in diesem Handwerk zu finden. Unter anderem die Arbeitszeiten und Gehälter machen diese Berufe für junge Menschen oft unattraktiv, für die Unternehmen ergeben sich hieraus zusätzlich Nachfolge-Probleme. Betriebe schwinden In der Bäcker- und Fleischer-Innung der Kreishandwerkerschaft Schaumburg sind derzeit elf Bäckereien und sechs Fleischereien eingetragen, dieses sind ausschließlich Meistergeführte Betriebe von drei bis 50 Mitarbeitern im Bereich Fleischerei, Bäckerei und Partyservice, informiert Fritz Pape, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Schaumburg. Diese bilden nicht die Gesamtheit der Betriebe im Landkreis ab - zahlreiche kleinere Bäckereien und Fleischereien sind hier nicht Mitglied. Grundlage der Eintragungen in der Handwerksrolle ist eine freiwillige Mitgliedschaft. Darüber hinaus betreut die Bäcker- und Fleischer-Innung Schaumburg auch zehn Bäcker-Azubis, 23 Auszubildende zum Fachverkäufer im Bäcker-Handwerk, zehn Fleischer-Lehrlinge und zwei Auszubildende zum Fleischerverkäufer, so Pape weiter. Die Anzahl der Betriebe im Nahrungsmittelhandwerk seien in den vergangenen 30 Jahren zunehmend weniger geworden. So seien vor 30 Jahren noch rund 90 Bäckerbetriebe und 40 Fleischerbetriebe verzeichnet worden. Insbesondere altersbedingt hätten viele Unternehmer aufhören müssen, insbesondere weil sich in vielen Fällen kein Nachfolger habe finden lassen. Mangel an Personal und bürokratische Hürden Die Suche nach geeigneten Fachkräften und Auszubildenden gestalte sich schwierig, bestätigt Fleischermeister Veit Rauch aus Rinteln. Die Fleischerei Rauch besteht seit 1881 und wird in der fünften Generation durch die Familie Rauch geführt. "Generell gehen heutzutage weniger Menschen ins Handwerk und machen dort eine Ausbildung. Viele streben das Abitur und ein Studium an. Die Menschen, die sich noch für das Handwerk interessieren, werden weniger, somit ist die Zahl der potentiellen Bewerber verschwindend gering", so Rauch. Dieses Problem trage ebenfalls dazu bei, dass viele Betriebe sich umsehen müssten und zahlreiche vom Markt verschwinden. Weiter erschwerend kommen große bürokratische Herausforderungen hinzu: Von der täglichen Dokumentationspflicht über Umweltbestimmungen bis hin zu Produktionserhebungen gebe es zahlreiche Hürden, die den täglichen Betrieb nicht einfacher und attraktiver machen würden. "Es ist einfach zuviel geworden. Wir wollen ein ordentliches handwerkliches Produkt für die Kunden herstellen, doch die großen bürokratischen Aufgaben führen dazu, dass viele, besonders kleine Betriebe, vom Markt verschwinden", stellt Veit Rauch fest. Viele Herausforderungen Nicht nur die oft erfolglose Suche nach einer geeigneten Nachfolge bereite Sorgen. Der rigorose Preiskampf sowie der erhebliche Zuwachs und Konkurrenz durch Supermärkte, Discounter und Franchise-Unternehmen habe zudem dazu geführt, dass viele Betriebe mangels Kunden hätten aufgeben müssen. "Natürlich spüren auch wir den Preiskampf. Kunden möchten gerne kleine Einheiten und Regionalität, doch noch immer geht ein großer Teil der Kaufentscheidung über den Preis", bestätigt Fleisher Rauch. Weiter ließe sich aber feststellen, dass viele der verbliebenen Betriebe sich zunehmend weiteren Dienstleistungen zugewendet hätten. So seien bei zahlreichen Betrieben Leistungen wie Partyservice und Catering sowie gute Küchenleistungen in den Bereichen warme und kalte Speisen das sogenannte zweite Standbein geworden. "Insofern konnten die Mitarbeiterzahlen zwar naturgemäß durch weniger Betriebe nicht gehalten werden. Jedoch ist der Rückgang bei den Mitarbeiterzahlen lange nicht so dramatisch wie es der Rückgang an Betrieben vermuten lassen", erklärt Fritz Pape. So hätten nicht wenige Betriebe durch die Erweiterung ihres Angebots auch mehr Mitarbeiter einstellen können. Das Gleiche gelte auch für die vorhandenen Ausbildungsverträge. Die Fleischerei Rauch hat beispielsweise bereits vor zehn Jahren ihr Angebot um den Mittagstisch erweitert. Inzwischen arbeiten auch zwei Köche im Betrieb. "Das hat Wachstumspotential, aber verändert natürlich auch Arbeitszeiten und Betriebsabläufe. Doch inzwischen macht das Mittagsgeschäft einen erheblichen Teil aus - sonst gäbe es uns warscheinlich auch nicht mehr", erklärt Veit Rauch. Der Stellenwert von Lebensmitteln Ebenso würden viele der verbliebenen Betriebe dafür sorgen, das insbesondere die Versorgung von älteren, in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen auf dem Land durch sogenannte Fahrgeschäfte mit Lebensmitteln versorgt würden. Ein Beispiel hierfür ist gerade in Meinsen/Bückeburg angelaufen: Zu der Schließung der Bäckerei Helmke nach über 50 Jahren drohte die Lebensmittelversorgung der älteren, weniger mobilen Bevölkerung Meinsen-Warbers wegzubrechen. Hier hatten sich Ortsratsmitglieder dafür eingesetzt, dass das verbleibende Lebensmittelangebot der Fleischerei Straßberger zumindest am Wochenende durch einen sogenannten Fahrbetrieb der Bäckerei Rippin aus Dankersen ergänzt wird. Hoffnung hätten die Betriebe, dass die Diskussion über Lebensmittel weiter anhalte und diese künftig den Stellenwert einnehmen würden, den sie verdienen. "Das Verramschen der Lebensmittel muss aufhören", stellt Fritz Pape fest. Eine Tendenz dorthin sei zumindest allmählich erkennbar und werde die Grundlage bilden für die weitere Existenz oder sogar den Ausbau der bestehenden Betriebe, so Pape abschließend. Veit Rauch sieht Verbesserungspotential an mehreren Stellen: "Es muss sich politisch was ändern - den Betrieben dürfen nicht von oben unzumutbare bürokratische Hürden auferlegt werden. Aber auch die Betriebe sind in der Pflicht, mehr Transparenz zu liefern und Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, warum ein Produkt mehr kostet als ein anderes. Schließlich muss auch bei den Kunden ein Umdenken stattfinden: wenn wir für materielle Dinge wie Auto, Urlaub und Co. viel Geld ausgeben, sollten auch gute Lebensmittel ihr Geld wert sein!" Foto:footolia

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