1. Zahl der Toten nimmt nicht ab

    Radfahrer wünschen sich mehr Sicherheit / Politik will besseres Netzwerk

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    LANDKREIS (mk). Fahrradfahren ist gesund, macht Spaß und schont die Umwelt. Doch Fahrradfahren kann auch gefährlich werden, denn die Verkehrsteilnehmer sind ohne Knautschzone und Airbags unterwegs. Selbst mit Helm sind gerade bei Unfällen mit Fahrzeugen schwere beziehungsweise tödliche Verletzungen die Folge. Auch die Statistik der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg zeigt, dass die Unfallzahl in den letzten zehn Jahren kaum verändert hat - 175 in 2008 und 161 in 2018. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Kommt es zu einem Unfall mit einem Radler, dann geht dieser meist nicht ohne Blessuren aus. 1247 Leichtverletzte, 249 Schwerverletzte und elf Tote waren in den Jahren 2008 bis 2018 zu beklagen, auch hier zeichnet sich über die Jahre ein verhältnismäßig konstantes Niveau ab. Nicht fahrradfreundlich Zum Thema "Fahrradfreundlicher Landkreis Schaumburg" macht Felix Wells, Verkehrspolitischer Ansprechpartner des ADFC Schaumburg deutlich, dass zwar Verbesserungen durchaus zu erkennen seien, der Ausbau von Radwegen oder die Entschärfung von Kreuzungsbereichen nur sehr schleppend vorankomme. "Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass der Landkreis Schaumburg und seine Kommunen nicht sehr fahrradfreundlich sind." Jahrzehntelang habe sich die Stadt- und Verkehrsplanung an den Bedürfnissen der Autofahrer orientiert, doch nur mit einer entsprechend vorhandenen Infrastruktur, würden mehr auf das Fahrrad umsteigen. Risikobereiche sieht Wells viele im Landkreis. Beispielhaft benennt er die Weserbrücke und den Kreisel an der Konrad-Adenauer-Straße in Rinteln, die unübersichtliche Einmündung der Extertalstraße in die Seetorstraße in Rinteln, die uneinheitliche Verkehrsführung in der Enzer Straße in Stadthagen, entlang der Bundesstraße 65 Bückeburg Richtung Stadthagen sowie die fehlende Radwegverbindung entlang der B 83 zwischen "Am Bruch" und "Eilser Straße" in Heeßen. Der ADFC wünscht sich, dass das Thema Radverkehr und seine Potenziale ernster genommen werden. Obwohl es gute Ansätze in Bückeburg, teils, in Stadthagen und aktuell in Rinteln gibt (Stichwort geplantes Radverkehrskonzept), "besonders ernsthafte erfolgsorientierte Bemühungen zur deutlichen Förderung des Radverkehrs kann ich leider in keiner Kommune erkennen." Diese Tendenz ist laut Wells in ländlich geprägten, kleinen Kommunen noch deutlicher ausgeprägt, da die meist längeren Strecken oftmals mit dem Auto zurückgelegt werden. Hier könnte der Umstieg auf ein E-Bike oder Pedelec gelingen, würde es geeignete Radwege geben. Der ADFC wünscht sich von den politischen Entscheidungsträgern, dass sie verkrustete Denkstrukturen durchbrechen und den Mut haben, den Autoverkehr zugunsten anderer Verkehrsteilnehmer in einigen Bereichen auch mal einzuschränken. Zudem müssten ausreichende Haushaltsmittel bereitgestellt werden. Die Forderungen des ADFC sind deutlich: Anlegung geeigneter Radwege, klare Verkehrsführungen, Tempo 30 auf Straßen ohne eigene Radwege, mehr und bessere Abstellanlagen sowie eine verbesserte Aufklärungsarbeit zum Thema Verkehrsregeln. Die Einführung einer Helmpflicht ist nach Meinung des ADFC nicht notwendig, insbesondere wenn sich die Bedingungen für Radfahrer verbessern und somit das allgemeine Unfallrisiko sinken würde. "Die Niederländer und die Dänen haben auch keine, dafür eine fahrradfreundliche Infrastruktur", so Wells. Sowohl von Auto- als auch von Radfahrern wünscht sich der ADFC bessere Kenntnisse der Verkehrsregeln sowie deren Einhaltung, mehr Rücksicht und Akzeptanz untereinander aber auch für die Fußgänger. Verschiedene Risikobereiche Auch die PI Nienburg/Schaumburg bestätigt, dass es trotz verschiedener Maßnahmen zu keinem signifikanten Rückgang im Bereich der Unfallzahlen kommt. Besonders häufig zu Zwischenfällen kommt es in Kreuzungsbereichen, bei Abbiegesituationen, sowie in Kreiseln. Die vom ADFC genannten Risikobereiche sind sicherlich aus verschiedenen Gründen für Radfahrer problematisch. Schlechte Radwege oder Unübersichtlichkeiten führen jedoch manchmal im Speziellen zu erhöhter Aufmerksamkeit, so dass sich die Problematik im Unfallgeschehen nicht zwingend wiederspiegelt. Gleichwohl sind die dicht besiedelten Städte Bückeburg, Stadthagen, Rinteln stark mit Radfahrerunfällen belastet. Das gleiche gilt für Obernkirchen, Bad Nenndorf, Rodenberg. Die vom ADFC angesprochenen Risikobereiche bewertet die Polizei wie folgt: Weserbrücke Rinteln: Die Brücke selbst ist nicht stark unfallbelastet, aber die Weserstraße/Bahnhofstraße durchaus: Circa 25 Unfälle mit Personenschaden in drei Jahren (2016-2018). Hier ist auch die Einmündung Dankerser Straße zu nennen. Kreisel Konrad-Adenauer-Straße, Rinteln: Am Kreisel gibt es keine Häufung von Unfällen mit Radfahrern, zwei Unfälle mit Personenschaden in drei Jahren. Hartler Straße Richtung Steinanger, Rinteln: Hier keine Unfallbelastung. Seetorstraße im Bereich Friedhof und Einmündung Extertalstraße, Rinteln: Die Unfälle entlang der Seetorstraße stehen immer in Verbindung mit Ab- oder Einbiegevorgängen. Das ist auch an der Einmündung Extertalstraße so. Diese Einmündung wurde in den vergangenen Jahren auch als Unfallhäufungsstelle besprochen, erfüllt aktuell aber nicht die Kriterien als UHS. Enzer Straße, Stadthagen: Gerade in dem genannten Bereich gibt es erstaunlich wenige Unfälle, weiter nördlich auf der Breslauer Straße sieht es schon anders aus. Entlang der Bundesstraße 65, Bückeburg Richtung Stadthagen: Eher keine Radfahrerproblematik. Entlang der B 83 zwischen Am Bruch bis Eilser Straße (Heeßen): Überhaupt kein Unfall in den letzten drei Jahren. Zusätzlich als Schwerpunkte sind festzuhalten: In Bückeburg sind die Einmündung Petzer Straße/Friedrich-Bach-Straße sowie der Kreisel Scheier Straße/Ulmenalle/Jetenburger Straße stark unfallbelastet. In Stadthagen ist neben der oben genannten Örtlichkeit der Kreisel Habichhorster Straße/Oberntorstraße im Blickpunkt. Klare Forderungen Die Politik ist sich verhältnismäßig einig in Punkto Fahrradfreundlichkeit: Bis auf die CDU, die den Landkreis als "sehr fahrradfreundlich" bezeichnet, sehen hier alle dringenden Handlungsbedarf. So wird unter anderem der Aus- und Neubau des Radwegenetzes sowie der Bau von speziellen Fahrradschnellwegen gefordert. Lückenschlüsse, die Beseitigung von Risikobereichen und die bessere Abstimmung des Individualverkehrs gehören ebenfalls dazu. Der Vorschlag, des ADVC, nach mehr Fachpersonal in den Verwaltungen wird durchweg als gut bewertet, allerdings seien die hiermit verbundenen Kosten für die einzelnen Kommunen nicht tragbar. Die Linken fordern darüber hinaus eine gesetzliche Verankerung eines Mindestabstandes zu Fahrradfahrern von 1,50 Meter, um den Schutz der Radfahrer zu erhöhen, und eine Erhöhung der Bußgelder beispielsweise für das Parken in zweiter Reihe. Foto: Archiv

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