1. "Koch verarbeitet bewegende Briefe"

    "Wenn ich meine Mutter besser verstehe, verstehe ich auch mich besser"

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    STADTHAGEN (pp). Ein Stapel Feldpostbriefe hat den in Stadthagen und Umgebung aufgewachsenen Lehrer und Schulleiter Dieter Koch veranlasst, sich mit dem Leben seiner Mutter zu beschäftigen und damit auch mehr über sich selbst herauszufinden. "Eine Nachbarin meiner Mutter hat mir die Briefe nach deren Tod im Jahr 1997 gegeben. Nachdem ich sie gesichtet hatte, war mir klar, dass ich sie darüber schreiben muss", berichtete Koch bei seiner Lesung aus dem daraus entstandenen Buch "Meine Jahrhundertmutter und ich" im Museum Amtspforte.Die Vorgeschichte des Buches war durchaus lang. "Auch nach meiner Pensionierung 2014 habe ich mich nicht gleich an die Arbeit gemacht. 2017 habe ich die Briefe dann noch einmal durchgeschaut und gesagt: "Jetzt oder nie!" Bei der Arbeit, so Koch, habe er viel über seine Mutter als junge Frau erfahren und gleichzeitig festgestellt, dass ihr Leben für unzählige Frauenschicksale im 20. Jahrhundert steht. "Außerdem habe ich mir gedacht, dass ich, wenn ich meine Mutter besser verstehe, auch mich selbst besser verstehe." Entstanden ist ein emotionales Werk, dass eine bewegende Geschichte erzählt. Ihre erste große Liebe verlor die Mutter, Martha Bolte, noch vor der Hochzeit. Wilhelm Behling, so der Name des Geliebten, musste in den Krieg und schrieb aus Russland sehnsuchtsvolle Briefe in die Heimat, in denen er sich auch kritisch mit den Ereignissen im Osten auseinandersetzte. Das harte Leben an der Front wechselte in seinen Briefen und den Antworten Marthas mit den Ereignissen des täglichen Lebens sowie Sehnsüchten und kleinen Wünschen, die in diesen Zeiten doch groß waren. Die erste Tragik in Marthas Leben war dann der Tod Wilhelms in russischer Kriegsgefangenschaft. "Einen Mann wie den Glücksfall Wilhelm könne es in ihrem Leben nicht mehr geben, war Martha überzeugt - und traf Jahre später doch eine zweite Liebe. Friedrich, der Vater des Autors, hieß der Prinz, der da daher kam und mit dem der Sohn als Erfüllung des Lebensglücks gezeugt wurde. Dann schlug, nur zwei Jahre nach der Geburt, das Schicksal erneut gnadenlos zu. Unter dramatischen Umständen starb Friedrich im Krankenhaus Martha stand vor einem Scherbenhaufen. Nun wurde Dieter zum Lebensinhalt seiner Mutter. Es entstand das Gefühl, wir sind alleine auf der Welt und müssen zusammenhalten. Du bist als Kind ohne Vater defizitär und musst artig sein. "Was Papa wohl dazu sagen würde", wurde ein einprägsamer Satz für den jungen Dieter Koch, der über weitere einschneidende Erlebnisse, den Wechsel auf das Gymnasium oder der erste Fernseher als Fenster zur Welt Mitte der 60er, selbstbewusster wird und sich am Ende nach dem Ersatzdienst, den er noch in Schaumburg absolviert, durch sein Lehramtsstudium und der beruflichen Orientierung von der "Jahrhundertmutter" löst und bei dieser ein Gefühl des Stolzes auf den Sohn entstehen lässt. Foto: pp

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