1. "Wir brennen für unsere Tradition"

    Zwei Brauchtumswärter aus Lügde erzählen

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    REGION (nh). Warum bleiben manche Traditionen lebendig? Wer dieser Frage nachgehen möchte, sollte zur Osterzeit das ostwestfälischen Lügde besuchen. Dort "brennen" junge und alte Menschen für die Tradition ihrer Stadt: Am Abend des Ostersonntags rasen mannshohe Räder als Feuerbälle vom Lügder Hausberg ins Tal der Emmer. Martin Blome ist 57 Jahre alt. Eindrücke vom Osterräderlauf gehören zu seinen frühesten Erinnerungen. "Als Kinder liefen wir neben den brennenden Riesen ins Tal". Wo damals kleine Jungs den Berg hinabtollten, sorgen heute breite Laufwege und Absperrungen für die Sicherheit der vielen Tausend Besucher, die das Spektakel Jahr für Jahr bestaunen. Der Osterräderlauf war nie eine "einfache" Tradition. Über die Jahrhunderte mussten die Dechen immer wieder um ihren Brauch kämpfen. In den dreißiger Jahren wollten die Nationalsozialisten ihn zu einer germanischen Kultveranstaltung umdeuten. Unter Einsatz ihres Lebens bereiteten die Dechen die Räder heimlich für einen alternativen Lauf vor: Sie stellten ein 10 Meter hohes Holzkreuz am dem Osterberg auf. Geschichten über den selbstlosen Einsatz von Dechen kennen alle. Dem gemeinsamen Tun gibt das eine große Verbindlichkeit. Das spürt auch Martin Blomes Sohn Sebastian. "Mit meinen Brüdern und meiner Schwester war ich immer beim Lauf und seinen Vorbereitungen dabei." Als Erwachsener freut er sich über die Gemeinschaft im Verein. "Wir halten zusammen und unterstützen uns gegenseitig." Die Tradition des Osterräderlaufs ist auch deshalb quicklebendig, weil jedes Mitglied seine Fähigkeiten einbringen kann. Der gelernte Maschinenbauer Sebastian Blome liebt es, die alten Landmaschinen auf Vordermann zu bringen. Mit ihnen wird auf traditionelle Art das Roggenstroh geerntet und gedroschen, das die Dechen am Ostersonntag als Brennmaterial in die Räder stopfen. Andere reparieren die ehrwürdigen Holzriesen, beschneiden die Hecken, richten die Absperrungszäume auf oder organisieren den komplexen Ablauf des Festes. "Als Deche ist man das ganz Jahr über beschäftigt", erzählt Martin Blome. Der Respekt der Lügder ist den Dechen sicher. Schließlich ist es ihnen zu verdanken, dass der Ort seit 2012 ganz offiziell den Titel "Stadt der Osterräder" trägt. Foto: privat

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