BAD NENNDORF (jl). Diskutiert wurde viel, beschlossen aber letztlich nichts: Der Bad Nenndorfer Bauausschuss hat eine Empfehlung zur Ausweisung potenzieller Flächen für die Wohnbauentwicklung in der Kurstadt zurückgestellt. Noch vor dem entsprechenden Tagesordnungspunkt, der mehr als 80 Zuhörer in den Raum Hofrat Schröter gelockt hatte, regte Bernd Zimmermann (WGN) an, das Thema wegen der Brisanz und neuer Aspekte zurück in die Fraktionen zu geben. Dem konnte auch Bernd Reese (Grüne) beipflichten, im Interesse der Bevölkerung sollte jedoch der Vorschlag präsentiert werden. Stadtdirektor Mike Schmidt warf ein, dass selbst mit einem Pro-Votum nichts festgesetzt würde. Die konkrete Anzahl und Größe der Flächen sowie die Machbarkeit würden erst auf Samtgemeindeebene im Änderungsverfahren des Flächennutzungsplans eruiert. Das bekräftigte auch Bauamtsleiterin Annette Stang: "Wie wir dabei hinterher rauskommen, wissen wir noch nicht." Zudem erklärte sie, dass der bei einigen entstandene Eindruck eines planlosen Vorgehens nicht korrekt sei. Dem Wohnraumversorgungskonzept, so der sperrige Name, liege das regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises zugrunde. Dieses schreibt beispielsweise Bad Nenndorf als Mittelzentrum die Aufgabe zu, Wohn- und Arbeitsstätten zu sichern und zu entwickeln. Kleinere Gemeinden hingegen sollen nur für den Eigenbedarf wachsen. Und um Fördermittel dafür zu generieren, brauche es ein solches Papier. Im ersten Schritt geht es zunächst nur darum, aufzuzeigen, wo die Stadt Potenzial für Wohnraum sieht. Das größte Wachstum bietet sich den Plänen zufolge, wie erwartet, im Westen Bad Nenndorfs auf den Ackerflächen Westlich Hohefeld und Westlich Peser an. Allerdings hat sich der Abstand von Letzterem zu Horsten vergrößert. Beide Gebiete sind in zwei Abschnitte unterteilt, von denen je zwei gleichzeitig ab 2021 bebaut werden sollen, die übrigen ab frühestens 2026. Abzuklären wäre, wie sich die dortige Entwicklung auf Schulen und Kitas auswirkt. Gegebenenfalls müsste es noch eine zeitliche Verschiebung geben. Dass Stang die Ansiedlung eines Discounters im Bereich Hohefeld/Peser ins Spiel brachte, nahmen einige Zuhörer ablehnend auf. Ein Bürger sprach mit Blick auf die Nähe zum Horster Friedhof gar von Pietätlosigkeit: "Die Toten müssen nicht mehr einkaufen." Das Entwicklungspotenzial auch mehr im Osten Bad Nenndorfs zu sehen, regte Zuhörer Jens Hattendorf an. Ein "schönes Gebiet" für Wohnraum aus Politiksicht wäre das ehemalige Harms-Gelände an der Bundesstraße, das steht jedoch nicht zur Verfügung. Unterm Strich summieren sich die möglichen Wohnbauflächen in der Kernstadt und ihren Ortsteilen (siehe nebenstehenden Kasten) auf 34 Hektar, was einige Zuhörer anprangerten. Laut Konzeptpapier werden samtgemeindeweit zwischen 26 und 32 Hektar benötigt. Wenn Bad Nenndorf wie die Nordgemeinden grünes Licht gibt für das Flächenmanagement, soll ein Planungsbüro das Zielkonzept erarbeiten. Die Vorgaben macht die Samtgemeindepolitik. Bis es soweit ist, wollen sich die städtischen Fraktionen zunächst intern beraten, ehe das Thema noch einmal öffentlich auf den Tisch im hiesigen Bauausschuss kommt. Dafür votierte das Gremium mehrheitlich ohne das CDU-Lager. Foto: jl
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Wohnflächen in spe: Viel Wirbel und keine Beschlüsse
Bauausschuss vertagt Entscheidung zur Ausweisung von Potenzialflächen / Großes Bürgerinteresse an Entwicklung
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