1. Mit einer "Ausschulungstüte" geht es in den Ruhestand

    Land, Kreis, Stadt und Schule verabschieden Direktorin Irmtraud Gratza-Lüthen / In 23 Jahren sehr viel erreicht

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    BAD NENNDORF (jl). Tango tanzende Schüler, eine singende Elternratsvorsitzende und ein eigenes "Gratza-Lüthen-Lied": Mit großem Bahnhof ist die Schulleiterin des Gymnasiums Bad Nenndorf Irmtraud Gratza-Lüthen in den Ruhestand verabschiedet und auch gleich "ausgeschult" worden. Dezernent Andreas Blasche-Hesse überbrachte dabei mehr als nur den Dank und die Urkunde des Landes Niedersachsen. Er trug launig Passagen aus dienstlichen Beurteilungen der scheidenden Oberstudiendirektorin vor, die vor allem eines verdeutlichten: Das Engagement einer besonders umsichtigen, selbstbewussten, konsequenten und wenn erforderlich auch bestimmenden Lehrerin, die schon als Vertretungskraft mit einem Elf-Stunden-Vertrag Spitzenleistungen erbracht habe. Ihre heutige Stellvertreterin Christiane Freers-Jung erinnerte an das Ankommen am 15. August 1996 am GBN, in einer "Männerwelt", deren Herausforderung Gratza-Lüthen mit Ehrgeiz und Kreativität zu nehmen wusste. Besonders habe sie sich dafür eingesetzt, die schulischen Kontakte ins Ausland zu intensivieren. Mehr noch: "Du bist eine Schulleiterin, die sich mitten ins Geschehen gestellt hat", rief sie etwa deren Hilfseinsatz mit einem Oberstufenkurs beim Elbehochwasser 2002 in Erinnerung. Dabei habe sie auch immer ein "Ohr für individuelle Probleme gehabt". Nur ungern Tschüss sagte Jörg Farr. Per Ritterschlag von den Schülern am GBN begrüßt, habe Gratza-Lüthen in fast 23 Jahren viel für die Schule getan. Der Landrat betonte: "Vieles hier trägt ihre Handschrift." Beiträge aus dem Kollegium zeigten - mal humorvoll und mal ganz nüchtern orientiert am Grundgesetz -, wie geschätzt die Pensionärin in spe ist und wie sie das Motto "Immer in Bewegung, immer was bewegt" gelebt habe, von der Einführung der Bläserklasse bis hin zum jüngsten Anbau. Bestnoten erhielt die Noch-Schulleiterin auch von der Schülervertretung, die ihr attestierte alle Aufgaben mit Bravour gemeistert zu haben. Dafür gab es eine "Ausschulungstüte"- gefüllt mit Kompass, Reiseberichten und Energieriegeln, die den Aufbruch zu neuen Ufern erleichtern sollen. "Gut beschirmt" wollten Vertreter des Bündnisses "Bad Nenndorf ist bunt" die 65-Jährige in Pension gehen sehen. In Anerkennung der geleisteten Unterstützung des GBN gegen die Nazi-Aufmärsche schenkten sie ihr einen bunten Regenschirm. Auch Stadtdirektor Mike Schmidt lobte: "Sie haben den demokratischen Europagedanken gelebt und in den Ort getrieben." Mit einem Tango, zu dem sogar die Turniertänzer Svea und Torge August durch das Forum fegten, erfüllte die Big Band ihrer Direktorin einen lang gehegten Wunsch. Der Unterstufenchor hatte eingangs gleich ein eigenes "Alles Gute"-Lied für Gratza-Lüthen vorgetragen. Auch von der Elternratsvorsitzenden Hannah Haußmann gab es ein Ständchen - und viele kleine Schmetterlinge auf Leinwand, die die Individualität der Schüler symbolisieren ("Sie sahen es als Berufung, aus kleinen Puppen wunderschöne Schmetterlinge zu machen"). Der Gehenden selbst blieb am Ende nur allen Wegbegleitern Danke zu sagen. "Hier haben sehr viele Köche gut zusammengearbeitet", betonte sie. Die Zutaten hätten zwar manchmal besser aufeinander abgestimmt sein können, aber letztlich habe man als Team doch immer wieder richtig gute "Gala-Menüs" gekocht. Geistig verhungert sei niemand, auch sie selbst nicht: "Die Schule hat mich innerlich jung gehalten." Foto: jl

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