1. Knochentrockener Sommer belastet heimische Landwirte

    Schaumburg mit weniger Verlusten als andernorts / Direkte Hilfe benötigt

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    LANDKREIS (bb). Dass der heiße, knochentrockene Sommer dieses Jahres ein Extremwetter-Ereignis ist, wird wohl niemand bestreiten. Während das Verdorren fast jeden Gartenrasens für die Besitzer lediglich ein Ärgernis ist, führen die Wetterverhältnisse für die Landwirte zu handfesten wirtschaftlichen Einbußen. Wobei die Mehrzahl der Betriebe im Landkreis Schaumburg gegenüber manch anderer Region nicht ganz so schwer betroffen ist. Die Folgen der außergewöhnlichen Hitze und vor allem der lange Periode ohne ergiebigen Regen sind unübersehbar. Fußball- und Spielplätze weisen oftmals nur noch einen ausgedünnten, braunen Rasen auf, der Boden staubt an vielen Stellen und ist knochentrocken. Der Präsident des Landvolkes Niedersachsen Albert Schulte to Brinke hebt denn auch in einer Pressemitteilung hervor, dass er für die Bauernschaft "enorme Verluste erwarte, die einzelne Landwirte sogar in der Existenz gefährden könnten". Dabei sei zu beachten, dass der deutlich zu nasse Spätsommer und Winter 2017/2018 bereits zu besonderen Belastungen geführt habe, die ab Mitte April von anhaltender Trockenheit verbunden mit sehr hohen Temperaturen abgelöst wurden. "Die völlig gegensätzlichen Witterungsextreme der Jahre 2017 und 2018 stellen für uns Landwirte eine außergewöhnliche Herausforderung dar", betont Albert Schulte to Brinke. Was für die Landwirte in Niedersachsen und ganz Deutschland zutrifft, macht natürlich auch den Betrieben im Landkreis Schaumburg zu schaffen. Unter diesen Bedingungen sei eine Getreideernte mit Erträgen unter denen des Vorjahres zu erwarten, wie Christian Schweer, Landwirt aus Probsthagen, festhält. Es ist jedoch die Bodenbeschaffenheit in Schaumburg und ähnlich gearteten Regionen, welche die Folgen der extremen Witterung im Gegensatz zu anderen Gegenden ein Stück weit dämpft. Der Raum Schaumburg verfügt über schwere Böden mit sehr guter Wasserhaltefähigkeit. Deshalb komme Schaumburg "oft noch mit einem blauen Auge davon", so Christian Schweer. Während andere Regionen mit leichteren Böden teilweise von Totalverlusten bedroht seien. Zweifellos sei die derzeitige Trockenheit jedoch sehr extrem, ebenso wie die große Nässe in Herbst und Winter. Halte die Trockenheit weiter an, drohe sich dies beispielsweise auch auf die nahende Aussaat des Rapses negativ auszuwirken. Das Landvolk rechnet für Gesamtniedersachsen mit einem Rückgang der Getreideernte von rund einem Drittel gegenüber dem Vorjahr. Hohe Verluste seien auch bei Kartoffeln und Zuckerrüben zu erwarten. Besonders große Sorge bereite die Lage auf den Grünlandflächen, so Albert Schulte to Brinke. Auf Weiden und Wiesen wachse seit Anfang Juni wegen der Trockenheit praktisch kein Gras mehr, der zweite Schnitt sei enttäuschend ausgefallen. "Wenn keine ergiebigen Niederschläge mehr fallen und damit im August noch einmal eine Grasernte ermöglichen, sind 60 bis 70 Prozent Verlust beim Grünland zu erwarten", so der Landvolkpräsident. Damit werde das Futter für die viehhaltenden Betriebe knapp, zum Teil müssten diese bereits auf die Wintervorräte zugreifen. Ein solches Extremwetter sei von den Landwirten nicht allein zu bewältigen, von der Politik seien schnelle und direkte Hilfen erforderlich. Weitere Maßnahmen seien nötig, wie beispielsweise die Erlaubnis zur Nutzung von Flächen zum Winterfutteranbau, die nach EU-Recht in Normaljahren mit nicht nutzbaren Zwischenfrüchten begrünt werden müssen. Foto: bb

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