BAD NENNDORF (tr). Aktuelle politische Themen wie einen möglichen Handelskrieg, den bevorstehenden Brexit und nationalistische Tendenzen haben Schüler des Gymnasiums Bad Nenndorf mit Burkhard Balz diskutiert. Die Politik-Leistungskursler des elften Jahrgangs stellten dem Schaumburger CDU-Europaabgeordneten tiefgehende und detaillierte Fragen. "Es macht keinen Sinn, dass man untereinander gegenseitig Hürden aufbaut, die am Ende allen schaden", antwortete Balz zum Beispiel mit Blick auf einen sich unter Umständen anbahnenden Handelskrieg mit den USA. Die "America first"-Politik Donald Trumps sei eine "Gefahr für die internationale Zusammenarbeit". Dennoch habe dies auch eine positive Auswirkung: Angesichts dessen, aber auch als Folge des bevorstehenden Brexit seien die EU-Staaten zuletzt nämlich enger zusammengerückt. "Man muss in vielen Bereichen aber noch viel enger zusammenarbeiten. Finanz- und Umweltthemen halten sich nicht an Grenzen", so Balz. Darum müssten die Staaten nationale Kompetenzen an die EU abtreten. "Es geht aber nicht darum, dass dabei am Ende die 'Vereinigten Staaten von Europa' herauskommen sollen. Eine der größten Stärken Europas ist und wird weiterhin sein, dass wir eine große Vielfalt haben." Die rechten und populistischen Tendenzen in vielen europäischen Ländern bezeichnete Balz als erschreckend. "Im konkreten politischen Bereich spielen sie aber kaum ein Rolle", sagte er. Die Entwicklung in diese Richtung sei oft eine Folge von Angst -"darum müssen wir den Menschen besser erklären, was wir machen. Das wurde in den letzten Jahren zu wenig getan." Vor den GBN-Schüler tat Balz dies: "EU-Politik ist immer das Produkt eines Kompromisses", berichtete er aus seinem parlamentarischen Alltag - anders sei die Arbeit mit 751 Abgeordneten für über 500 Millionen Menschen auch nicht möglich. "Zudem spielen Finanzen leider eine immer wichtigere Rolle", sagte der Stadthäger, der im Europäischen Parlament unter anderem dem Ausschuss für Wirtschaft und Währung angehört. Zwischen Staatsschulden, Steuer-, Banken- und Versicherungsfragen seien viele Bereiche seiner täglichen Arbeit "nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig". Balz' derzeitige Besuchsrunde in den Schulen ist die letzte, die er als Europaabgeordneter absolviert. Zum 1. September wechselt er in den Vorstand der Bundesbank. "Ich wäre gerne im EU-Parlament geblieben, freue mich aber auch auf meine neue Aufgabe", sagte er. Durch die Arbeit im EU-Finanzausschuss habe er einen "guten Draht" zu den europäischen Zentralbanken und sei auf viele der anstehenden Themen gut vorbereitet. Foto: tr
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Auf Augenhöhe mit dem Europapolitiker
Politik-Leistungskurse diskutieren mit Abgeordneten
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