1. Auszeit für mein Handy

    Experiment gegen das ständige Daddeln und Erreichbarsein

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    Jana Grube Es nervt mich selbst. Der erste Blick morgens nach dem Aufwachen ist meinem ständigen Begleiter gewidmet: dem Smartphone. Der Wecker klingelt, ich muss ihn deaktivieren oder zumindest das eine oder andere Mal in den "Schlummermodus" versetzen. Und wo ich das Ding schon einmal in der Hand habe, kann ich mich ja auch gleich bei Facebook durchklicken, WhatsApp-Nachrichten beantworten und erste E-Mails lesen. Wie oft ich das am Tag mache, habe ich nie gezählt. Vermutlich will ich es auch gar nicht so genau wissen. In jedem Fall ist es zu häufig. Selbst beim Essen greife ich des Öfteren zum Handy, neben dem Teller liegt es eigentlich immer. Furchtbar, oder? So schlimm, dass ich im Kreise von Freunden auf das Display starre und mich lieber digital unterhalte, obgleich mir ein persönlicher Gesprächspartner gegenüber sitzt, ist es noch nicht. Das Phänomen beobachtet man aber zuhauf. Und dann habe ich vor wenigen Wochen, wenn auch in einem völlig anderen Zusammenhang, diese Überschrift in der Zeitung gelesen: "Ein Monat ohne Telefon". Mein erster Gedanke: Hilfe, wie haben die das geschafft? Mein zweiter Gedanke: Davon geht die Welt auch nicht unter - ich will es selbst austesten! Weil es mich im Berufsalltag aller Wahrscheinlichkeit nach aber selbst überfordern würde, entschied ich mich für meinen Oster-Urlaub als Experimentzeitraum. Heute Nacht, wenn ich schlafen gehe, wird sich auch mein smartes Telefon eine einwöchige Auszeit nehmen und zwar gänzlich abgeschaltet. Damit sich niemand Sorgen macht, warum er mich auf diesem Wege nicht mehr erreicht, gibt es eine kurze Nachricht an den engsten Kreis. Dann hat das Daddeln aber wirklich ein Ende, zumindest für sieben Tage. Es ist ja nicht so, dass ich dadurch nicht mehr erreichbar bin. Ich habe einen Laptop mit E-Mail-Programm, ich habe einen Festnetz-Anschluss und ich habe eine Klingel, die funktioniert. Ja, ich freue ich mich regelrecht darauf, dass Handy in die Schublade zu verfrachten, statt es den ganzen Tag mit mir herumzuschleppen. Dass Auszeiten wirklich Auszeiten werden, die kein Klingelton und kein Drang, auf den Bildschirm zu blicken, jäh stören. Dass die Dauererreichbarkeit einfach mal Pause macht. Jetzt muss ich nur noch einen Wecker auftreiben, damit ich Ostern nicht verschlafe… mehr in anderthalb Wochen.

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