1. Frauenhäuser stoßen stetig an ihre Grenzen

    2.600 Mal mussten Frauen in Niedersachsen abgewiesen werden / Der Stau im Wohnungsmarkt ist ein Hauptgrund

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    "Besonders in den vergangenen Herbstmonaten mussten wir vermehrt Frauen abweisen", erklärt Weide. "Dabei schauen wir uns bei den im Umkreis liegenden Frauenhäusern um, ob wir die Frauen dorthin schicken können - immer in der Hoffnung, dass es woanders einen Platz für sie gibt. Doch in letzter Zeit erweist sich das als immer schwieriger, eine freie Platzwahl gibt es schon längst nicht mehr. Da können sich die Frauen glücklich schätzen, wenn sie überhaupt einen Platz finden!" Im hiesigen Frauenhaus werden insgesamt acht Plätze für Frauen mit deren Kindern angeboten. Im vergangenen Jahr wurden 48 Frauen und 61 Kinder aufgenommen, davon elf Frauen unter 21 Jahren. Jedoch waren die Frauenplätze zu etwa 94 Prozent immer belegt. Das zeigt, dass es ab und an freie Plätze gibt, grundsätzlich stößt das Frauenhaus aber immer an seine Grenzen. Doris Weide fällt für diesen Trend sofort ein Grund ein: Der Stau im Wohnungsmarkt. "Es gibt derzeit einfach zu wenig bezahlbaren Wohnraum. Den Frauen fällt es dann besonders schwer, schnell eine Wohnung zu finden, da sie häufig auf Sozialleistungen angewiesen sind. Der soziale Wohnungsbau wurde in den letzten Jahren stark vernachlässigt und das bekommen wir jetzt zu spüren. Dadurch steigen auch die Zahlen der aufgenommenen und leider auch abgewiesenen Frauen", erklärt sie entrüstet. Zusätzlich gäbe es in Niedersachsen kein Ampelsystem - also ein System, das genau anzeigt, in welchem Frauenhaus noch Frauen mit oder ohne Kinder aufgenommen werden können. Das erschwere die Situation zusätzlich. "Besonders von der Region Hannover bekommen wir immer wieder sehr deutlich mit, wie misslich die Lage in den dortigen Frauenhäusern ist. In Großstädten erweist sich der Platzmangel natürlich als ein besonderes Problem", schlussfolgert Weide. Auch Frauen, die nicht aus dem Landkreis kommen sondern beispielweise aus Minden, Nienburg oder gar aus dem Bundesgebiet, werden - teilweise auch aus Sicherheitsgründen - in Schaumburg aufgenommen. Der Weg ins Frauenhaus führt zumeist über die öffentliche Telefonnummer, über die Polizei oder das bundesweite Hilfetelefon. "Mein persönliches Anliegen ist es ja, dass sich die Frauen interkulturell öffnen und dabei vielleicht sogar Parallelen zwischen ihren Nationalitäten feststellen können. Und das gelingt in unserem Frauenhaus gut. Es herrscht einfach ein tolles Gemeinschaftsgefühl, das über alle Nationalitäten hinaus geht", so Weide. Doch was letztendlich aus den Frauen wird, die abgewiesen werden, wissen selbst die Frauenhäuser oftmals nicht. Das Frauenhaus Schaumburg bietet Frauen und deren Kindern Schutz, die von körperlicher, seelischer oder sexueller Gewalt betroffen oder bedroht sind. Dabei steht es jederzeit für alle volljährigen Frauen offen, ungeachtet ihrer Nationalität, Religion, finanziellen Situation oder sexuellen Orientierung. Die Frauen erhalten Unterstützung und Beratung, eine Erstversorgung und die finanzielle Sicherung werden sichergestellt und auch gemeinsame Besuche im JobCenter stehen auf der Liste. Dabei können Frauen und Kinder solange im Haus leben, wie es notwendig ist. Foto: fotolia

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