1. Zwischen florierendem Tourismus und bedrohlicher Konkurrenz

    Dehoga-Kreisverband blickt zurück und voraus / Langjährige Mitglieder geehrt / Gastgewerbe ist größter Direktprofiteur

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    LANDKREIS (jl). Dorfgemeinschaftshäuser, Bringdienste und Fast Food, Rauchverbot, Backvereine - Das alles mache der Gastronomie zu schaffen. Damit fand Klaus Pittack senior, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes, deutliche Worte bei der Hauptversammlung im Grandhotel Esplanade in Bad Nenndorf. Einen Schritt weiter ging sein Sohn, der von einer Bedrohung sprach. Als Beispiel nannte er das "Haus der gemeinsamen Zeiten", das gerade in Rehren mit einer 500.000-Euro-Förderung geplant wird. "Würde den jeweils ansässigen Wirten eine Investitionszulage von 50.000 Euro gezahlt, wären das nur zehn Prozent der Steuergelder", so Klaus Pittack junior. Das würde Arbeitsplätze erhalten und steuerpflichtige Umsätze generieren. Den Vorschlag habe er an Verwaltungschef Mike Schmidt und den Bundestagsabgeordneten Maik Beermann weitergeleitet. Denn Gaststätten seien Kulturgut und trügen erheblich zur Attraktivität eines Ortes bei. Den Verlust spüre der Bürger täglich, wenn er den Bäcker, Schlachter und "Tante Emma Laden" vermisse. Die 19-prozentige Mehrwertsteuer auf Speisen im Gastrobereich sei ein weiteres Problem. Die Schwierigkeiten spiegeln sich auch in dem Unternehmerverband wider. "Wir haben leider ein paar verloren", kommentierte Pittack den derzeitigen Mitgliederbestand von 97. Vor allem im ländlichen Gebiet hätten einige Gastronomen aufgehört. Als Herausforderungen der Zukunft kristallisierten sich eine geforderte Novellierung des Arbeitszeitgesetzes sowie die Digitalisierung im Gastgewerbe heraus. Dabei geht es den Gastronomen vor allem um schnelles Internet. Pittack junior bemängelte etwa, dass im ländlichen Raum bei Weitem nicht die Bandbreiten wie in Ballungszentren zur Verfügung stehen: "Als Tagungshotel benötigen wir die aber." Eine Lösung, zu der Matthias Petersen vom örtlichen Vodafone-Serviceshop referierte, könne schon heute der entsprechende Kabelanschluss sein. Der sorge zuverlässig für rasend schnelles Internet. Ein Problem bleibt die Gema. Der Verein -"die Mafia ist ein Weisenknabe dagegen", wie sich Pittack ärgerte - beauftrage mittlerweile private Dienstleister, die ihre Drückerkolonnen mit Gema-Logo auf Reise schickten: "Wir empfehlen direkt zum Ausgang zu zeigen." Applaus gab es für die von Rolf Parno initiierten Schaumburger Wildwochen. 23 Betriebe haben laut Pittack an der letzten Aktion, die jedes Jahr besser werde, teilgenommen. Sehr gut angenommen werde auch die Azubi-Kampagne. "Das ist ein großer Erfolg", lobte Pittack. In diesem Jahr ist die Rundfahrt durch Schaumburgs Schulen am 14. und 15. März geplant. "Wir brauchen die verschiedensten Aktionen, um junge Leute zu überzeugen, dass es attraktive Berufe in der Gastronomie gibt", hieß es aus den Reihen der Versammlung. Eine nicht nur für 2016 durchweg positive Bilanz bei den Übernachtungszahlen attestierte Olaf Boegner von der Schaumburger Landschaft dem hiesigen Landkreis. "Summa summarum haben wir derzeit ein leichtes Plus", sagte der Tourismusmarketingleiter über die 2017-Zahlen, die bis Oktober vorliegen. 596.151 Menschen übernachteten demnach in der Region. Dabei ließen sie gemeinsam mit den Tagesausflüglern 223,8 Millionen Euro vor Ort. Größter Direktprofiteur vom Tourismus ist das Gastgewerbe mit 94,1 Millionen Euro. Geehrt für ihre langjährige Mitgliedschaft in dem Unternehmerverband wurden Pittack, Rolf Parno und Joachim Paulig für 40 Jahre, Karl-Wilhelm Stramer für 20 Jahre und Gudrun Parno sowie Stephan Kehlenbeck für zehn Jahre. Foto: jl

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