1. "Hallo Welt - Hier singt Rapunzel!"

    Eine Geschichte über Toleranz, Freiheit und Sehnsucht: Das Christian Berg-Musical begeistert im Ratssaal

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    BÜCKEBURG (wa). Egal ob dick oder dünn, homo oder hetero, Einhorn oder Pilz: Ist doch alles vollkommen egal, so lange alle zusammenhalten: Letztes Wochenende gastierte Kindermusical-Schreiber Christian Berg wieder in Bückeburg. Mit dabei hatte er seine Fassung von "Rapunzel" (gespielt von Alexandra Kurzeja). Die alten Zöpfe aus Grimms Märchen hatte er höchstpersönlich neu geschnitten. Trotzdem war der eine wichtige Zopf natürlich noch lang genug, um den etwas moppeligen Prinzen Elias in ihr Reich zu ziehen - und so nahm die wundervolle Geschichte um Toleranz und Freiheit ihren Lauf. "Rapunzel, Rapunzel lass dein Haar herunter...". Na wie ging die Geschichte noch mal? Ein einfaches Bauernpaar wird von der Zauberin Gothel (gespielt von Petter Bjällö) in die Mangel genommen, weil es zuvor einfach die leckeren Rapunzeln aus dem Garten stahl. So wolle sie den Dieben also nur verzeihen, wenn sie denn dafür ihr Erstgeborenes bekomme. Ein Berg-Musical wäre kein Berg-Musical, wenn nicht der Macher selbst ins Kostüm steigen würde: Als Rumpelröschen, der gute Fee - ja, der Fee, es gibt ja schließlich nicht nur "be-feete" Frauen, schlüpfte der Musicalschreiber in ein grandioses Kostüm bestehend aus feuerroter pannesamt Leggings, rosa Tütü, rosa-metallic Bomberjacke, beroster pinkfarbener Badekappe und dazu passenden Feenflügeln. Mit dem Wünsche erfüllen ist es zwar nicht immer eine runde Sache, aber gemeinsame Magie hatte schlussendlich doppelte Kraft - aber dazu später mehr. "Hallo Welt, hier bin ich" singt Rapunzel, gefangen in ihrem Turm. Zauberin Gothel, eher Helikoptermama als naturliebende Hexe, erklärt: Die Welt ist böse. Nicht gemacht für so ein zartes Wesen wie es Rapunzel ist, und so fristet das junge Mädchen im Turm und wartet sehnsuchtsvoll auf den Tag ihrer Freiheit. An anderer Stelle lässt sich Prinz Elias von einer Fliegenpilzessin ("Ich wär so gern Cinderella") und einem pummeligen Regenbogen-Einhorn erklären, dass Lebewesen vielfältig sind, und das dicke Prinzen genauso cool sind wie dünne - sie klettern halt nur nicht ständig auf hohe Bäume. Dafür aber an Rapunzels langem Zopf hinauf. Prinz Elias - ohne Schimmel dafür mit Einhorn und ganz verzückt von Rapunzel - lässt nun bei der Eingekerkerten die Hoffnung auf ein neues Leben in Freiheit wachsen. Währenddessen singt sich die echte Mutter Rapunzels (Ute Geske) mit kraftvoller Stimme den Schmerz von der Seele. Gänsehautfeeling im Publikum. Im richtigen Moment kommt der gute Fee Rumpelröschen um die Ecke. Nicht lange dauert es, da treffen Prinz Elias und die wahre Mutter Rapunzels im Wald aufeinander. Was für ein Glück - gemeinsam mit Rapunzel, dem Einhorn und Rumpelröschen schaffen sie es, Zauberin Gothel in eine Ente zu verwandeln. Vorbei der Zauber - eine freie Rapunzel und eine Mutter, die ihr Kind zurückbekommt, ein glücklicher Prinz und eine Fliegenpilzessin, die nun Cinderella ist. Christian Berg schafft es auf mitfühlende und dennoch amüsant-staubtrockene Art gesellschaftliche Klischees auseinanderzunehmen, sie kindgerecht aufzubereiten und dabei nicht im Kitsch zu versinken. So bot er wie immer eine humorvolle und dennoch tiefgründige Unterhaltung für die ganze Familie. Als einziger Gastspielort außerhalb Hamburgs ist Bückeburg auch im nächsten Jahr wieder gebucht -so wurde es lauthals gefordert und sofort eingesackt. Ist doch Ehrensache. Übrigens: Im September macht Christian Berg auf seiner Lesereise auch in Bückeburg Station. Im Gepäck hat er sein Buch "Rumpelröschen"- denn so einen Fee, mit Fliegermütze und knallbunten Klamotten hat das Märchenreich noch nicht gesehen. Mit viel Mut und ganz ohne Zauber zieht er aus, um seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und fliegt ins größte Abenteuer seines Lebens. Zwischen den sieben Bergen und tiefblauen Tälern begegnet Rumpelröschen nicht nur Aschenputtel, Pinocchio und einem pummeligen Einhorn. Er landet mitten im Märchen von Hänsel und Gretel und stellt einmal mehr unter Beweis, dass ein gutes Herz Großes bewegen kann. Nähere Infos gibt es auf www.ideen-falter.de . Foto: wa

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