1. Es wird ein schwieriges Jahr für die Tafeln im Landkreis

    DRK-Einrichtungen sind dringender denn je auf Spenden angewiesen / Ehrenamtliche gesucht

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    LANDKREIS (ste). Ein so geringes Monateinkommen, dass es am Ende des Monats nicht mehr mehr für das Nötigste reicht, das haben 2.998 Menschen im Landkreis Schaumburg; 2016 waren es noch 3.358. Während die Zahlen in Rinteln stagnieren, gingen sie im Rest des Landkreises herunter. Der Standort in Rinteln, das fällt beim DRK auf, wird seit dem Wechsel an den Bahnhof deutlich mehr frequentiert. Doch man muss in unserem Land ja eigendlich nicht hungern, gibt es doch genügend Lebensmittel für Alle. Aber viele essbare und verwertbare Lebensmittel kommen nicht da an, wo sie benötigt werden. Im Durchschnitt spricht man von zwanzig Prozent der produzierten Lebensmittel, die unnötigerweise im Kompost oder in der grünen Tonne landen. Lebensmittel, die an anderer Stelle so dringend benötigt werden. Hier kommen die Tafeln ins Spiel. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Schere zwischen Arm und Reich zu verkleinern, die Verschwendung und den Müllberg zu verringern und ein Bindeglied zu sein zwischen Überproduktion und Unterversorgung. In der Vorweihnachtszeit sind sie immer eine häufige Adresse für Lebensmittelspenden - auch von kleineren Vereinen oder Privatpersonen, doch wie sieht es im Rest des Jahres mit Lebensmitteln für die Bedürftigen aus? Wer gehört zu den Menschen, die diese Lebsnmittelausgaben in Anspruch nehmen müssen? Und welche Lebensmittel findet man in den Auslagen der Tafel, welche nicht? DRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Hoffmann und Tafel-Koordinatorin Heidi Niemeyer geben in einem Gespräch mit dem Schaumburger Wochenblatt gerne Auskünfte über ihre Arbeit bei den Tafeln und können jetzt schon sagen, dass das Jahr schwierig wird. Die Tafeln organisieren das Verteilen überproduzierter und nicht mehr verkaufbarer Lebensmittel, die mittels Fahrern von den Lieferanten wie etwa Bäckereien, Drogerien und Supermärkte geholt werden. Nach der Vorsortierung und Aufbereitung kommen diese in die Auslagen der Tafeln. Vier Tafeln hat das Deutsche Rote Kreuz vom Kreisverband Schaumburg e.V., die in Bad Nenndorf, Stadthagen, Obernkirchen und Rinteln zu finden sind. Bei den abgeholten Lebensmitteln handelt es sich häufig um Produkte kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums, Backwaren vom Vortag und verwertbares Obst und Gemüse. Doch was sich im ersten Moment gut anhört, entspricht dann doch nicht der tatsächlichen Situationen. Der Wettbewerb im Lebensmittelhandel zieht immer stärker an und die verderblichen Lebensmittel werden bereits nachmittags im Preis herabgesetzt, so dass nicht mehr viel für die Tafeln bleibt. "Obst und Gemüse gehören zu den Lebensmitteln, von denen eigentlich immer zu wenig vorrätig ist", so die Koordinatorin. Auch das Brot wird immer knapper. Eine große hiesige Bäckerei backt zweimal in der Woche extra für die Tafeln. Ab März stellen sie ihre Produktion ein und so fallen an diesen beiden Tagen je eine halbe Tonne Backwaren (umgerechnet etwa 500 Brote plus Brötchen) für die Tafeln weg. Auch sind es die kleinen "Besonderheiten", wie unter anderem Fischkonserven, die sich die Organisatoren für ihre Tafelkunden mal wünschen würden. Da kommen wir zu den Menschen, die die Tafelausgabe in Anspruch nehmen müssen. Menschen die Sozialhilfe empfangen, Alleinerziehende und kinderreiche Familien, Arbeitslose, Menschen die trotz Arbeit über ein geringes Einkommen verfügen, Bedürftige allgemein - wie auch Flüchtlinge und Rentner mit geringem Einkommen. Die Tafelkunden werden, wenn sie ihre Bedürfigkeit nachgewiesen haben, tabellarisch erfasst und können zweimal in der Woche Lebensmittel beziehen. Gegen eine Spende von zwei Euro für Erwachsene und einem Euro pro Kind (maximal aber sieben Euro bei Großfamilien) erhalten die Kunden das drei- bis vierfache an Wert in Lebensmitteln, natürlich je nachdem, was gerade vorhanden ist. Dabei versuchen die ehrenamtlichen Mitarbeiter auch auf die verschiedenen Verträglichkeiten und Geschmäcker wie Laktoseintoleranz und Vegetarier zu achten. Rausgegeben werden kann jedoch immer nur das, was auch da ist. "Und Rinteln macht mir die größten Sorgen bei den Lebensmitteln", berichtet Heidi Niemeyer, "häufig muss ich aus anderen Bereichen Lebenmittel zur Ausgabe dorthin fahren lassen". Jede Spende ist uns willkommen, so die Koordinatorin, wichtig ist nur, dass es nach den Hygienerichtlinien verpackt ist. "Da sind wir natürlich - wie auch im gastronomischen Gerwerbe - an die Richtlienen gebunden", so Hoffmann ergänzend. Auch wenn es gut gemeint ist, Buffetreste und offene Lebensmittel dürfen nicht verwertet werden. Wenn doch mal etwas in größerer Menge bei der Tafel abgegeben wird, wird dies im Lager in Stadthagen zwischengelagert. Mittwochs von 12 bis 14 Uhr ist in allen Tafeln der Tag für Rentner, Alleinerziehende mit Kleinkindern bis zum zweiten Lebensjahr und Menschen mit Behinderungen. Ansonsten findet man die Öffnungszeiten der einzelnen Tafeln an den Tafeln selbst oder auf der Hompage des DRK Keisverbandes. Einige wenige Bedürftige bekommen aufgrund von Krankheit oder Alter die Lebensmittel nach Hause geliefert. Auf die Frage, was sich die Koordinatorin in der Ausgabe für ihre Kunden wünscht, kommen ganz einfache Dinge wie Schulzubehör für die Kinder, vom Bleistift bis zur Schultüte, und mehr frisches Obst und Gemüse, das auch mal ein paar Tage liegen kann. Besonders verärgert ist Heidi Niemeyer, wenn Kunden eine zu hohe Erwartungshaltung haben und ihre eigene Unzufriedenheit an den ehrenamtlichen Mitarbeitern auslassen. Ans Herz gehen der Koordinatorin besonders die Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben und am Ende reicht es nicht für die einfachsten Dinge im Leben. Für die Tafeln an sich würde sich Heidi Niemeyer durch deutlich mehr Informationsfluss den Abbau von Hemmschwellen in beide Richtungen wünschen. Sowohl, dass sich die Menschen, die die Unterstützung brauchen, trauen, sich an die Tafel zu wenden, als auch, dass mehr bereit sind, vielleicht etwas vom eigenen Überfluss abzugeben. Als Projekte plant sie eine Tauschbörse für Kinderbedarf, von der Kleidung bis zum Spielzeug. Gesucht werden auch immer ehrenamtliche Helfer und Helferinnen, gerne als Fahrer für Sondertouren, aber auch in der Ausgabe und an der Kasse. Foto: ste

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