1. "Einen Alibi-Kandidaten haben wir nicht nötig"

    CDU-Vorsitzender hebt gute Zusammenarbeit mit Landrat Farr hervor / Entscheidung zum Verzicht auf Landratskandidaten

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    LANDKREIS (bb). Auf Nachfrage hat der Kreisvorsitzenden der CDU-Schaumburg Klaus-Dieter Drewes noch einmal die Entscheidung der Christdemokraten begründet, auf einen eigenen Kandidaten für die Wahl zum Landrat zu verzichten. "Einen Alibi-Kandidaten, das haben wir nicht nötig", betonte Drewes. Sicherlich würden die Schaumburger Christdemokraten über Vertreter in ihren Reihen verfügen, welche die Fachkompetenz für die Position an der Spitze der Landkreisverwaltung mitbringen würden, hielt Drewes fest. Eine Kandidatur müsse dann aber auch in die jeweilige Lebenssituation des potentiellen Bewerbers passen, führte Drewes aus. Natürlich hätte auch die Möglichkeit bestanden, einen Kandidaten von außerhalb ins Rennen zu schicken. Aber die CDU sei überzeugt, dass die Schaumburger sich einen Schaumburger als Landrat wünschen. Und einen Kandidaten zu nominieren, der keine realistische Erfolgschance habe, nur um aus Prinzip eine Kontra-Position einzunehmen, habe die CDU bewusst ausgeschlossen. Ganz entscheidendes Argument sei außerdem die bisher ausgeübte Kooperation mit dem amtierenden Landrat Jörg Farr. Dieser und sein Verwaltungsteam würden sehr konstruktiv und wertschätzend mit der CDU-Fraktion im Kreistag zusammenarbeiten. Dies sei nahezu ideal, die Christdemokraten würden die menschlichen und fachlichen Kompetenzen Farrs, Mitglied der SPD, zu schätzen wissen. Hinzu komme die nicht in einer formellen Koalition erfolgende, aber sachbezogene Zusammenarbeit mit der SPD-Fraktion im Kreistag. Mache es diese sachorientierte Position nicht schwierig, das eigene Profil zu schärfen? Drewes verneinte dies und verwies auf den deutlichen Unterschied der kommunalpolitischen Ebene zur Bundes- und Landespolitik. Für die Landkreise seien die politischen Rahmenbedingungen im hohen Maß durch die übergeordneten Ebenen vorgegeben, etwa im Bereich der Finanzausstattung oder der Aufgabenzuteilung. Entsprechend seien die Handlungsspielräume vergleichsweise begrenzt. Für die Kommunalpolitiker gelte es, unter diesen Bedingungen für die von ihnen vertretenen Bürger die bestmöglichen Lösungen herauszuholen. Die gelinge am besten durch eine sachpolitische Orientierung. Oft sei eine parteiübergreifende Zusammenarbeit nötig, um etwas für den Landkreis zu erreichen. Gerade bei den großen Projekten habe sich die Zusammenarbeit mit der SPD bewährt. Klinikneubau, B65-Ausbau und ähnliches sei nur in langdauernden Prozessen zu verwirklichen gewesen, hieran habe die CDU entscheidend mitgewirkt. Was nicht heiße, dass sich die Partei nicht in einzelnen Punkten auch anders als die SPD positioniere. Insgesamt gelinge es auf diesem Weg, wichtige Linien der CDU einzubringen. "Was nützt mir eine Politik, die vieles fordert, aber letztlich nichts davon umsetzen kann", erteilte Drewes einem grundsätzlichen Konfrontationskurs eine Absage. Er sei sich si cher, dass eine solche lösungsorientierte auf die Sachfragen konzentrierte Politik auch vom Wähler anerkannt werde. Die Entscheidung zum Verzicht auf einen CDU-Landratskandidaten und Unterstützung Farrs sei als Ergebnis einer ausführlichen, sehr sachlichen Diskussion gefasst worden, in welche die Vorsitzenden der Stadt-, Samtgemeinde- und Ortsverbände sowie der Kreisvorstand gleichermaßen eingebunden worden seien. Sie sei mit großer Mehrheit gefallen. Farr werde voraussichtlich die Möglichkeit erhalten, seine Ziele auf einem Kreisparteitag der CDU zu formulieren. Gänzlich ungewohnt sei eine Konstellation wie in Schaumburg zudem nicht. Im benachbarten Wunstorf sei CDU-Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt 2014 beispielsweise ohne Gegenkandidaten in die Wahl gegangen und finde im Stadtrat eine breite Unterstützung über die verschiedenen Gruppen hinweg. Zu einer Normalität werde der Verzicht der Schaumburger CDU auf einen Landratskandidaten allerdings nicht werden, so Drewes.Foto: archiv bb

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