1. Eindrückliche Erzählungen

    Ruth Gröne hat Verfolgung durch Nationalsozialisten überlebt

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    BAD NENNDORF (tr). Am Donnerstag machte eine Nachricht die Runde: In Chemnitz beschmieren Unbekannte die Bäckerei des Kurden Kaya Yavuz mit SS-Runen, Hakenkreuzen und Schriftzügen. Der Mann erfährt viel Zuspruch und Solidarität aus der Bevölkerung vor Ort - sagt gegenüber Spiegel Online aber auch: Wenn eine Partei wie die AfD weiter erstarke, "dann müssen wir alle gehen, alle Ausländer. Ich habe Angst." Ungefähr zur gleichen Zeit, zu der der Artikel erscheint, sitzt Ruth Gröne im Saal des Parkhotels Bad Nenndorf. Sie sagt ebenfalls: "Wir hatten furchtbare Angst." Gröne wurde im Jahr 1933 geboren und stammt aus einer Familie, die christliche und jüdische Religion nebeneinander lebt. In den dreißiger Jahren wurde dies unter den Nationalsozialisten massiv zum Nachteil und Verfolgungsgrund - mit der Reichspogromnacht, die Gröne mit ihrer Aussage beschreibt, als vorläufigem Höhepunkt. Grönes Vater hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seinen Arbeitsplatz verloren. Und nach den Plünderungen und Verwüstungen, von denen die Familie dank des christlichen Glaubens der Mutter noch zum größten Teil verschont blieb, "war alles vollkommen anders", wie Gröne sagt. Sie konnte nicht normal eingeschult werden, vorherige Freunde wandten sich von ihr ab. Die Familie verlor ihre Wohnung und musste in Judenhäusern unter widrigsten Bedingungen auf wenigen zugewiesenen Quadratmetern leben. Ruth Gröne und ihre Mutter schafften es, allen Herausforderungen zu trotzen. Ihre Großeltern dagegen starben nach ihrer Deportation im Ghetto Riga, ihr Vater Erich Kleeberg wurde im Polizeisondergefängnis der Gestapo in Ahlem eingesperrt und später deportiert. Dabei sah Gröne ihn zum letzten Mal - er starb 1945 im KZ Sandbostel an Typhus. "Für mich war wichtig zu hören, dass er trotz allem menschlich geblieben ist", sagte sie. Heute ist Ruth Gröne eine der aktivsten Zeitzeuginnen Hannovers. Bis heute lebt sie in der Nähe der Schicksalsorte ihrer Familiengeschichte in Hannover und empfindet es als ihre Lebensaufgabe, an die Opfer der Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus zu erinnern. 1994 wurde in Ahlem ein Mahnmal für ein dortiges Konzentrationslager errichtet, 2014 die Gedenkstätte Ahlem der Region Hannover, beide Projekte wurden über Jahrzehnte von Ruth Gröne vorangetrieben. 2013 wurde sie für ihre Arbeit an der Erinnerungskultur mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Seit 2014 ist sie Trägerin der Ehrennadel der Region Hannover. Foto: tr

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