BAD NENNDORF (jl). Die Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt, wie jüdische Einwohner Erlangens in den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 verhaftet und im Hof des Rathauses zusammengetrieben werden. Auf einem anderen Foto brennt die Synagoge in Essen. Bilder von Zwangsarbeitern, von bewachten jüdischen Geschäften, eindringliche Porträts. Aber auch Abzüge, die das einst florierende Leben der Jüdischen Gemeinde verkörpern: Volkshochschullehrer, die an der Havel akrobatisch posieren. Ein Knabe in der Vorlehre, die jüdische Kinder auf handwerkliche Berufe vorbereitet. Seit Sonnabend zeigt auf Initiative von "Bad Nenndorf ist bunt" die Wanderausstellung "Der Gelbe Stern" das Leben und Leiden der Juden in Deutschland von 1900 bis 1945. "Die Erinnerung darf nicht enden", sagte Bündnisvorsitzender Jürgen Uebel bei der Vernissage im Sparkassen-Foyer, "sondern muss auch zukünftige Generationen mahnen". Zumal der Antisemitismus durch "alternative Fakten" und hetzende "Nazis im deutschen Bundestag" zunehme. "Wohin das führen kann, zeigt die Ausstellung eindringlich", so Uebel. Dass das Gedenken jeder Generation neu angepasst werden müsse, ergänzte Kantor Elia Schwarz. Er sagte: "Das Gedenkklima verändert sich gerade und zwar an vielen Fronten." Der zeitliche Abstand zur Judenverfolgung durch das totalitäre NS-Regime werde immer größer, Zeitzeugen fehlten zunehmend. Von den Hintergründen der Ausstellung erzählte Jochen Schmidt von der Friedensbibliothek der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Es ging darum, die Leidensgeschichte der einfachen Menschen darzustellen. "Wir haben Alltagsbilder gesucht, das war nicht einfach, aber unbedingt notwendig", so Schmidt. Denn durch viele Köpfe geistere das Bild vom "reichen Juden". Dabei habe das nur auf einen Bruchteil der Juden zugetroffen. Die meisten hatten gar keinen Fotoapparat, um familiäres Leben festhalten zu können. Bevor die Besucher die Bilder und Texte auf insgesamt 23 Metern Stellwand entdecken konnten, sang Kantor Schwarz aus dem Psalm 34 "Wer ist der Mensch, der das Leben liebt". Violinistin Lyubow Zitser rahmte die Vernissage mit jüdischen Volksliedern. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 23. Februar. Foto: jl
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"Die Erinnerung darf nicht enden"
Ausstellung über Leidensgeschichte der Juden in Deutschland auf eröffnet / 23 Meter Stellwand
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