1. Um die Ecke geschaut – Sandra Walschek

    Interessiert es denn keine Sau? / Dramarischer Preisverfall wird befürchtet

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    BSE, Dioxin-Eier, Pferdelasagne: Wenn es um des Menschen Liebstes geht, dem Verzehr von Fleisch und anderen tierischen Produkten, dann ist das Geschrei bei der ersten Informationswelle noch groß. Es folgt das "Aus dem Verkehr ziehen" und der Endverbraucher steigt ein paar Wochen auf Fertigpizza "Margherita" um - ist ja zum Glück nur Analogkäse drauf - und spart sich erst mal die Bulette. Doch wenn die erste Hysterie etwas abgeklungen ist, spielt der Leierkasten "Man kann ja bald gar nichts mehr essen", um alles unverändert zu lassen und auf ein Neues das abgepackte Billigfleisch zu braten. Der Mensch lebt gern Verdrängung. Aktuell ist es die afrikanische Schweinepest, die Deutschland von den wichtigen Dingen des Lebens abhält. Veterinäre, Unternehmer und Politiker lassen nun allerorts den Stift fallen und schnappen sich sinngemäß die Flinte. Hunderttausende Wildschweine in Deutschland sind nun im Fokus aller. Der Deutsche Bauernverband fordert beispielsweise "den Wildschweinbestand jetzt konsequent und nachhaltig zu verringern". Da Kontrolle und Sicherheit des Menschen Zweitliebstes ist, wird nun dort angesetzt. Die wirklich gefährlichen Schlepper der Seuche kann niemand mit einer noch so scharfen Flinte in den Griff kriegen: Menschen, die aus den mit Schweinepest befallenen Ländern kommen und Wurst- und Fleischwaren im Kofferraum haben oder die ihren Müll dort liegen lassen, wo die Wildschweine vorbeischauen. Wir erinnern uns - des Menschen Erstliebstes. Bevor die deutschen Schweinehalter also Verluste im geschätzten Wert von zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr machen (Quelle Deutscher Bauernverband), soll im Rundumschlag die gesamte Wildschweinpopulation ausgerottet werden. Denn wie der Bauernverband weiter schreibt: "Bereits das Auftreten im Wildschweinbestand würde bedeuten, dass kein Schweinefleisch mehr in Drittländer exportiert werden kann. Dies würde zu einem dramatischen Preisverfall im deutschen Schweinemarkt führen." Jürgen von der Lippe würde wohl fragen: Geld oder Liebe? Mir persönlich macht dieses Verhalten Angst - aus dem Wald in die Gaskammer ist es nicht weit, wenn eine Gesellschaft sich immer mehr von der Natur entfernt in dem Glauben, dass sie wisse, wie unser Lebensraum funktioniert. Wann merken wir wohl, dass wir eben nicht Allwissend sind und die Natur unaufhaltsam dafür sorgt, das Leben auf der Erde in Balance zu halten? Massentierhaltung gibt es nämlich nicht erst seit gestern.

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