1. Heimat im Dorf der Tiere

    Das Freilichtmuseum trennt sich von seinen Schweinen

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    Oerlinghausen (kd). Sieben Monate lang belebten zwei weibliche Schweine das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen. Mit dem Ende der Saison kamen sie jetzt in andere Hände. Die beiden Exemplare der Düppeler Weideschweine gleichen einer Rasse, die seit mehr als drei Jahrzehnten als ausgestorben gilt.

    "Es ist für uns elementar zu vermitteln, welche Bedeutung die Schweine einst hatten", sagte Museumsleiter Karl Banghard. Bereits in der Vorgeschichte waren Schweine beliebte Haustiere, die einen großen wirtschaftlichen Stellenwert besaßen. Sie wurden aber nicht im Stall, sondern im Freiland und dabei vorwiegend im Wald gehalten. "Im Frühmittelalter wurde ein Wald danach bewertet, wie viele Schweine hineingetrieben werden können. Holz hatte damals weniger Bedeutung", sagte Banghard. Weideschweine waren sehr robust, genügsam und fettreich. Optisch glichen sie dem Wildschwein: länglicher Schädel, stehende Ohren, lange Beine, schlanker Körper, kräftige Behaarung, Rückenkamm, gerader Schwanz. In den 1970er Jahren wurde die Zucht des Deutschen Weideschweines aufgrund von zunehmender Unwirtschaftlichkeit eingestellt. Die Rasse starb aus. Im Museumsdorf Berlin-Düppel wurden dann jedoch Rückzüchtungen durchgeführt. Die sogenannten Düppeler Weideschweine ähneln ihren ausgestorbenen Artgenossen. "Wenn man das Skelett mit ausgegrabenen Knochen aus vergangenen Jahrhunderten vergleichen würde, ergäbe sich so gut wie kein Unterschied", sagte Banghard. In Albanien, Mazedonien und Bulgarien werden noch einige wenige Exemplare des früheren Weideschweins gehalten. Im Verbund mit internationalen Kollegen würde Museumsleiter Banghard diese Bestände gern zur Zucht verwenden, doch die behördlichen Auflagen bilden derzeit noch eine unüberwindliche Hürde. Für die beiden Oerlinghauser Museumsschweine fand sich ein dankbarer Abnehmer, der Verein "Tiere im Dorf" aus Dörentrup. Seit 18 Jahren halten die Vereinsmitglieder alte und vom Aussterben bedrohte Haustierrassen auf privaten Bauernhöfen. "Unser Ziel ist es, die Genreserve retten", sagte der Vorsitzende Rudolf Diekmeier. "Man erhält alte Gebäude und Gemälde, warum nicht auch alte Tierrassen?" Auf dem Hof von Hartmut Pieper finden die beiden Schweine eines ist schwarz-weiß gefleckt und eines braungrau – jetzt eine neue Heimat. Sie sollen auch künftig draußen gehalten werden. Besucher können die aufgeweckten Tiere dann ebenso beobachten wie Wildschweine, die bei Pieper untergekommen sind. Langfristig strebt der Verein an, das Erscheinungsbild des ursprünglichen Weideschweines durch Rückzüchtung wieder herzustellen. "Doch das könnte noch Jahrzehnte dauern, bis die Erbanlagen annähernd erreicht sind", schätzte der Vereinsvorsitzende Diekmeier. "In jedem Fall werden wir alles mit dem Freilichtmuseum absprechen."

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