1. Mein Herz gehört einfach dem Jazz

    Interview mit der dänischen Sängerin Malene Kjærgård

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    Detmold (rk). Malene Kjærgård bezauberte im letzten Jahr die Zuhörer im Sommertheater mit ihrer makellosen und ausdrucksstarken Stimme. Nun hat die dänische Sängerin ihr neues Album vorgelegt: "Heres to the Ladies" ist eine Hommage an die Frauen, die ihr in ihrem Leben begegnet sind – die ihr Leben geprägt haben. Die Lieder, die sie entweder selbst geschrieben oder arrangiert hat, präsentiert sie am Mittwoch, 9. November, ab 19.30 Uhr dem Detmolder Publikum im Sommertheater, Neustadt 24. Begleitet wird sie dabei von Calle Brickmann am Klavier, Morten Ankarfeldt am Kontrabass und Espen Laub am Schlagzeug. Für Lippe aktuell plauderte die sympathische Sängerin aus ihrem privaten Leben und ihrem musikalischen Werdegang. ? Wie sind Sie als Kind zur Musik gekommen? Wer oder was hat Sie dafür sensibilisiert? Malene Kjærgård: Meine Großmutter war Opernsängerin. Sie liebte es, wenn ich neben ihr am Klavier saß. Dann übte sie mit mir verschiedene Lieder ein. So lange, bis sie mit meiner gesanglichen Leistung zufrieden war. Und zufrieden gab sie sich - sehr zu meinem kindlichen Leidwesen - mit absoluter Perfektion. Mit dreizehn Jahren durfte ich an einem langfristig angelegten Seminar für besonders talentierte Schüler unserer örtlichen Musikschule teilnehmen. Das waren meine ersten Schritte in die Welt der Musik. Ich hatte schon damals das Gefühl, die Musik würde nach mir rufen. Und diesem Ruf bin ich mit Enthusiasmus gefolgt. ? Wann haben Sie Ihre Vorliebe für den Jazz entdeckt? M.K.: Ich war ungefähr zwölf Jahre alt. Eigentlich fing alles mit einem Lehrer an, der unbedingt wollte, dass wir Jazz und Bossa Nova in der Schulband spielten. Ganz ehrlich, am Anfang mochte ich den traditionellen Jazz gar nicht. Über den bluesigen und poppigen Jazz habe ich mich behutsam zum Bebop vorgetastet. Es hat tatsächlich ein paar Jahre gedauert, bis sich mein Herz für die verschiedenen Stilrichtungen des Jazz öffnete. Jetzt bin ich offen für alle Arten des Jazz und das meiste berührt und bewegt mich. ? Welche Interpreten dieses Genres berühren Sie am meisten? M.K.: Meine Lieblinge sind vor allem die großen Damen des Jazz: Anita Oday, Ella Fitzgerald, Betty Carter, Nancy Wilson und einige andere. ? Hätten Sie Spaß daran, einmal eine andere Musikrichtung auszuprobieren? Klassik, Oper, Musical oder Pop? M.K.: Ich erwähnte ja bereits, dass mein musikalischer Werdegang mit Klassik begonnen hat. Während meiner Ausbildung beim Kopenhagener Complete Vocal Institute – hier lernte ich auch meine Freundin Ulrike Wahren kennen - musste ich ebenfalls "klassisch" singen. Und natürlich habe ich auch schon Songs aus Musicals, Rock, Pop, Rhythm n Blues, Gospel gesungen, aber mein Herz gehört einfach dem Jazz. ? Auf der Bühne wirkt Malene Kjærgård so freundlich, bescheiden und liebenswert. Kann sie auch mal so richtig aus der Haut fahren? M.K. (lachend): Natürlich habe ich so meine unterschiedlichen Stimmungen, wie jeder Mensch. Aber die negativen zeige ich wirklich nur dann, wenn ich verletzt bin, wenn ich weder Dank noch Wertschätzung für das bekomme, was ich für andere mache, oder wenn ich wirklich müde oder gestresst bin. Aber eigentlich mag ich diese Art von persönlicher Dramatik überhaupt nicht. Deshalb liebe ich die Gesellschaft von liebenswerten, freundlichen, netten Menschen. Und es macht mich sehr glücklich, dass ich genau diese Eigenschaften auf der Bühne vermitteln kann. ? Sie sind ein Familienmensch. Ist es schwierig, Familie und Bühne so miteinander zu verbinden, dass beides nicht zu kurz kommt? M.K.: Ganz einfach, mein Mann Tobias begleitet mich. Als Musiker komplettiert er oft das Malene-Kjærgård-Trio. Als wir uns vor elf Jahren kennenlernten, haben wir zunächst entschieden nicht gemeinsam zu musizieren. Leider hatten wir dadurch wenig Zeit füreinander. Erst nachdem ich meine erste CD "Happy Feet" aufgenommen habe, habe ich ihn mit ins Boot geholt. ? Sie sind vor einigen Monaten Mutter geworden. Bringen Sie Ihren Sohn Otto mit nach Detmold? M.K.: Nein, Tobias und ich haben ihn im Oktober mitgenommen auf eine zweiwöchige Konzertreise nach Japan. Jetzt braucht er erst einmal wieder seine häusliche Umgebung und ich lasse ihn in der Obhut seines Vaters. Das bedeutet natürlich, dass Tobias ebenfalls nicht mit mir auf der Bühne des Sommertheaters stehen wird. Für seinen musikalischen Part haben wir aber schon einen ausgezeichneten Ersatz gefunden. ? Singen Sie auch bei der Hausarbeit oder unter der Dusche? M.K.: Um ehrlich zu sein: Nein! Dagegen habe ich die Angewohnheit, beim Fahrradfahren zu singen. Seit mein Sohn auf der Welt ist, habe ich nicht mehr so oft Zeit zum Radfahren. Daher singe ich, wenn ich mit ihm spazieren gehe. Leute, die uns begegnen, schauen zunächst verwundert. Dann freuen sie sich und lächeln uns an. Das sind für mich berührende Momente ... ? Was verbindet Sie mit Ulrike Wahren, die Sie im vergangenen Jahr dem lippischen Publikum im Sommertheater vorgestellt hat? M.K.: Wie ich schon erwähnte, habe ich sie vor einigen Jahren bei einem Seminar in Kopenhagen kennengelernt. Seitdem schätze ich sie als Mensch und als Sängerin sehr. Das Konzept ihrer Reihe "Ulrike Wahren macht bekannt" ist großartig und ich bin dankbar, dass sie dabei unter anderem von Lippe aktuell unterstützt wird. Denn ich finde es wichtig, für alle Musikrichtungen offen zu sein. Die meisten Menschen neigen dazu, immer dasselbe zu hören. Dabei gibt es gerade in der Musik so viel Neues zu entdecken.

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