Kreis Lippe . Über 10.000 Menschen warten auf ein Spenderorgan, um zu überleben. Doch es sind bei weitem nicht ausreichend Spenderorgane für eine dringend notwendige Transplantation vorhanden. Dabei ist es einfach, sich für oder gegen eine Spende zu entscheiden. Auf Leserfragen rund ums Thema antworteten Beate Gray und Tanja Rögner vom Info-Telefon der Deutschen Stiftung Organtransplantation und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. ? Wie kann ich sicher sein, dass ich wirklich tot bin, bevor mir Organe entnommen werden. Laut Transplantationsgesetz müssen in Deutschland zwei unabhängige Ärzte den Hirntod - also den vollständigen und irreversiblen Ausfall des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstammes - nachweisen und protokollieren. Dafür werden klinische Tests durchgeführt, mit denen man die Hirnstammreflexe, die Durchblutung des Gehirns und die selbstständige Atmung überprüft. Diese Tests darf weder der Intensivmediziner noch der Transplantationsmediziner übernehmen, damit es nicht zum Interessenskonflikt kommt. ? Ich hatte Darmkrebs. Könnte ich trotzdem Organe spenden. Ja, denn ob Organe entnommen werden können, entscheidet sich erst im Falle eines Hirntodes. Es ist jedoch sinnvoll, schwere Erkrankungen - und wann sie auftraten - auf dem Ausweis zu vermerken. Fünf Jahre nach einer Krebserkrankung wäre zum Beispiel eine Spende wieder möglich. ? Meine Schwester braucht dringend eine Lebertransplantation. Ihr Gesundheitszustand wird immer schlechter. Könnte man nicht früher transplantieren? Dann würde sie die OP doch auch besser überstehen. Sicher wäre eine frühere Transplantation günstiger als aufgrund des oft schon schlechten Allgemeinzustandes der Patienten. Aber da die Zahl der benötigten Organe weit höher ist als die der gespendeten, bekommen die Patienten leider erst bei einer weit fortgeschrittenen Lebererkrankung ein Organ zugewiesen. ? Ich habe mich für eine Organspende entschieden. Da meine Tochter das aber total ablehnt, befürchte ich, dass sie im Falle meines Hirntods gegen meinen Willen entscheidet. Ist Ihr Einverständnis schriftlich dokumentiert, hat Ihr Wille Vorrang. Das können Sie beispielsweise mit einem Organspendeausweis oder auch in Ihrer Patientenverfügung festhalten. Die Organentnahme ist dann rechtlich zulässig, auch ohne Zustimmung der Angehörigen. Die Angehörigen müssen allerdings über den Schritt informiert werden. ? Für mich macht Organspende Sinn. Woher bekomme ich einen Spenderausweis Sie können den Organspende-Ausweis beim Infotelefon Organspende unter 0800/90 40 400 oder bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anfordern. Man kann ihn aber auch in Apotheken erhalten. Viele Krankenkassen, Krankenversicherungen, Krankenhäuser und auch Arztpraxen halten die Ausweise ebenfalls vor. Außerdem kann er über www.organspende-info.de heruntergeladen werden. Der Ausweis ist immer kostenlos. ? Mein Bekannter sagt, man kann als Organspender sogar mehrere Menschenleben retten. Stimmt das denn im Durchschnitt hilft ein Organspender drei Menschen, da in der Regel drei Organe entnommen werden können. ? Unser Sohn will unbedingt einen eigenen Organspendeausweis ausfüllen. Dabei ist er noch nicht mal 18 Jahre alt. Haben wir als Eltern da nicht ein Wörtchen mitzureden Ja, laut Transplantationsgesetz können Minderjährige ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende ab dem 16. Lebensjahr und ihren Widerspruch ab dem 14. Lebensjahr erklären. Eine Einwilligung der Eltern ist nicht notwendig. ? Welche Organe kann man denn überhaupt spenden Nach dem Hirntod können folgende Organe und Gewebe entnommen und übertragen werden: Niere, Herz, Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm und Teile der Haut sowie die Hornhaut der Augen, Herzklappen, Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen. ? Prinzipiell würde ich meine Organe spenden. Nur das Herz nicht. Kann man das als Spender festlegen Ja, Sie können in Ihrem Spenderausweis festlegen, welche Organe oder Gewebe Sie spenden würden und welche nicht. Begründen müssen Sie das nicht. ? Gibt es für die Organspende Geld? Oder werden wenigstens die Bestattungskosten bezahlt Weder noch, denn das Transplantationsgesetz schreibt vor, dass die Spende ausschließlich auf einer freien, humanitären Entscheidung beruhen soll. ? Muss man zum Arzt, bevor man den Spenderausweis ausfüllt Nein, eine Untersuchung ist nicht notwendig und wäre zu diesem Zeitpunkt auch nicht sinnvoll, da sich der gesundheitliche Zustand eines Menschen fortwährend ändern kann.
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