1. Alle Register gezogen ...

    Orgelkonzert mit Dr. Wieland Meinhold in der Kirche Brake

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    Lemgo-Brake (nr). Es war ein Besuch bei der Königin der Instrumente. Die Rede ist von der Orgel, die bekanntlich so umfangreich ist, dass man Größe und Aufbau als Außenstehender nur erahnen kann. Dr. Wieland Meinhold, Thüringer Universitätsorganist Weimar, hat am vergangenen Montagabend nicht nur ein wunderbares, barockes Orgelkonzert in der evangelisch-reformierten Kirche Brake gegeben, sondern seinen Zuhörer im Vorfeld den Aufbau und die Klangfarben der Orgel erklärt.

    "Wir wollten mal hören, wie es klingt, wenn einer alle Register zieht", sagte eine Zuhörerin lachend vor dem Konzert. Gut anderthalb Stunden zuvor hatte sie gemeinsam mit rund 30 Neugierigen die Orgelführung von Dr. Wieland Meinhold mitgemacht. Da ging es um Orgelwind, Traktur, Pfeifen, Akustik, Nachhall, Register, Windwerk und Windlade, Klaviatur und Disposition oder auch die unglaublich vielen verschiedenen Klangfarben des Instrumentes, die der bekannte Organist auf lockere Art und Weise schon mit Hingabe moderierte. Er gab Beispiele verschiedenster Orgelausführungen, der verwendeten Materialien zum Aufbau, zur Entwicklung der Orgel und nutzte Fragen, um Details und Erfahrungen bei den unterschiedlichsten Ausführungen weiterzugeben. Der zweite Teil des Abends war dem ungeheuren Klangspektrum der Orgel gewidmet. "Virtuoses aus Italien – Barocke Orgelmusik" war ein Spaziergang durch Werke barocker Musiker, wie Girolamo Frescobaldi, Antonio Vivaldi, Guiseppe Tartini, Tommasso Albinoni, Guiseppe Torelli oder Areangelo Corelli. "Dabei können Werke des Barock nicht einmal das ganze Spektrum der Orgel widerspiegeln", so der Organist. "Die Entwicklung der Orgel entsprach in dieser Zeit noch nicht dem heutigen Stand." Was er dann allerdings irgendwo zwischen Lebendigkeit, Leichtigkeit, Temperament aber auch Schwermut im Kirchenschiff zu Gehör brachte, ließ die Zuhörer irgendwo zwischen Ehrfurcht, Innehalten, Ergriffenheit und Begeisterung zurück. Vielleicht auch, weil jeder das Konzert auf eine ganz eigene Weise erfahren konnte: fast direkt am Spieltisch, um Hände und Füße des Organisten mit Leichtigkeit über Tasten und Traktur fliegen zu sehen; der Orgel abgewandt, um sich nur auf die Musik zu konzentrieren oder so weit von der Orgel entfernt, dass ihr Klang erst das Kirchenschiff erfüllen musste. So prägte der Organist eine zwar ungewohnte, gleichzeitig aber sehr spannende und intensive Atmosphäre, die das Publikum mitriss und begeisterte.

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