1. Eine Tablette gegen Habgier

    Verwaltungschef eines Krankenhauses in der Ukraine zu Besuch in Lippe

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    Oerlinghausen/Kreis Lippe. Die Wiederverwendung von medizinische Hilfsmitteln und Geräten hat sich der Verein "Help up mit Herz und Hand" zur Aufgabe gemacht. Sie werden dorthin transportiert, wo sie dringend benötigt werden. Schon seit zehn Jahren bringt eine Gruppe von Helpupern gut erhaltene Gehhilfen, Rollstühle und Rollatoren und vieles mehr zu sozialen Einrichtungen in Siebenbürgen in Rumänien. Jetzt bahnt sich auch eine Zusammenarbeit mit einem Krankenhaus in der Ukraine an.

    Als Jewgeny Sladkow (36) Verwaltungsdirektor des Unfallkrankenhauses in Saproshje wurde, musste der studierte Jurist völlig neue Wege beschreiten. Denn eine vergleichbare Stelle gab es noch in keinem Krankenhaus in der Ukraine. Seine Aufgaben Beschaffung von Material, Personalangelegenheiten, juristische Fragen und Außenkontakte hatten bis dahin die Ärzte erledigt. Dabei ist es eine wahre Kunst, den Betrieb des Unfallkrankenhauses mit 820 Betten und 1.500 Mitarbeitern aufrecht zu halten. Jedes Jahr werden 6.000 Operationen durchgeführt und 40.000 Patienten ambulant und stationär versorgt. "Die Spezialisten und das Wissen haben wir, aber die Technik ist veraltet", berichtet Sladkow. Er hält sich gegenwärtig auf Einladung des Vereins "Help up mit Herz und Hand" zu einem Informationsbesuch in Ostwestfalen-Lippe auf. "Die medizinische Ausstattung erfordert sehr große Anstrengungen", räumt der jugendlich wirkende Verwaltungsdirektor ein. "Ohne Spenden aus dem Ausland geht es nicht." Verwendet werden zum Beispiel gebrauchte, aber funktionstüchtige Untersuchungsgeräte und chirurgische Werkzeuge. "Irgendwie kommen wir aber zurecht", sagt Sladkow. Dazu trägt auch die Mennonitische Freikirche Bielefeld bei. Seit vielen Jahren unterstützt sie das Krankenhaus. Gemeindemitglied Peter Block, der in Leopoldshöhe-Asemissen wohnt, nutzte die Kontakte zum Verein "Help up mit Herz und Hand", um größere Sachspenden zu erhalten. So konnten bereits 32 ausgemusterte Patientenbetten und Nachtschränke aus der Universitätsklinik Münster sowie fabrikneue Matratzen nach Saproshje transportiert werden. Im April gingen eine chirurgische Praxis, Ultraschallgeräte und Unterarmstützen auf die Reise in die östliche Ukraine. Im Mai machten sich Block und drei Mitglieder des Vereins "Help up mit Herz und Hand" per Flugzeug auf den Weg, um die Verhältnisse in der Stadt mit 760.000 Einwohnern kennenzulernen. Jewgeny Sladkow hatte den Gästen eine Tour vorbereitet, die auch Besuche in anderen Krankenhäusern, Kindergärten und Kinderheimen umfasste. "Wir haben einen umfassenden Eindruck gewinnen können", sagt der Vereinsvorsitzende Martin Elbracht, "da lag eine Gegeneinladung nahe." In mehreren Krankenhäusern konnte der Gast aus der Ukraine Fachgespräche führen. Im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld wurde er vom Kaufmännischen Direktor Jörg Buchloh empfangen. Im Klinikum Bielefeld Mitte tauschte er sich mit dem Leiter des Instituts für Diagnostische Radiologie, Prof. Dr. Hans-Björn Gehl, aus. Mit welchen Erwartungen ist Jewgeny Sladkow gekommen? "In unserer Heimat haben wir ein Sprichwort", sagt er mit ironischem Unterton. "Es lautet: Geben Sie mir eine Tablette gegen Habgier, am besten die größte." Vor allem die Informationen über Geräte für Computertomographie seien sehr wertvoll gewesen, sagt Sladkow. Außerdem erhielt er vom Bielefelder Sanitätshaus Rosenhäger die Zusage, gebrauchte Betten für die Intensivpflege zu spenden. Rosenhäger-Geschäftsführer und Vereinsvorsitzender Martin Elbracht: "Wir haben ja selbst gesehen, wie groß der Bedarf in der Ukraine ist. Wir werden uns jetzt verstärkt auch hier engagieren." Die Pflegebetten werden die Vereinsmitglieder aber nicht wie bisher selbst transportieren. "Der Aufwand mit den Zollformalitäten ist recht hoch und als Berufstätige fehlt uns die Zeit", sagt Elbracht. "Für die 2.400 Kilometer nach Saproshje werden wir eine Spedition beauftragen."

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