Bad Salzuflen. Es ist still. In einem Raum im Erdgeschoss sitzen sechs Personen. Alkoholiker und Angehörige von Alkoholikern. Drei Frauen und drei Männer. Niemandem sieht man das Problem an. Auf dem Tisch befinden sich Wasserflaschen. Einer eröffnet mit der Präambel der Anonymen Alkoholiker das Meeting. Danach folgt ein sogenanntes Rundgespräch.
Diese Treffen gibt es überall auf der Welt, auch in Bad Salzuflen. Sie finden hier jeden Donnerstag im Gemeindehaus der lutherischen Kirche in der Martin-Luther-Straße, von 19.30 bis 21 Uhr statt. Das Rezept der Anonymen Alkoholiker ist einfach und weltweit dasselbe: Das erste Glas stehen lassen. Nur für heute. Kampf ist Krampf! Hier ein ausführliches Statement von einem Teilnehmer aus Bad Salzuflen: "Mein Name ist Heinz und ich bin ein stolzer, trockener und zufriedener Alkoholiker. So melde ich mich oftmals im AA-Meeting, und das aus vollster Überzeugung. Nun ich behaupte das ich zwei Leben habe. Ein Leben mit Alkohol und ein Leben ohne Alkohol. Wenn ich noch einmal neu anfangen dürfte, würde ich das Leben ohne Alkohol wählen.Denn seitdem ich keinen Alkohol mehr trinke ist vieles besser geworden. Mein schlechtes Gewissen ist verschwunden, ich bin ehrlicher geworden, ich kann zu jeder Tages- und Nachtzeit Auto fahren, ich habe morgens nach dem Aufstehen keinen "Kater" mehr, ich muss mir den Alkohol nicht mehr beschaffen, die Flaschen nicht mehr verstecken, das Leergut nicht mehr entsorgen.Ja, auf diese Dinge bin ich stolz. Alkoholiker, das waren in meiner Vorstellung Menschen die mit langen, fettigen Haaren, zerrissenen Klamotten, übel riechend, betrunken auf Parkbänken liegen oder unter Brücken schlafen. Heute weiß ich, dass es Betroffene aus allen Bevölkerungsschichten und jeder Altersgruppe gibt." Die Treffen der anonymen Alkoholiker werden jeweils von jemanden aus der Gruppe geleitet. Sie laufen weltweit nach den gleichen Regeln ab. Alle sprechen sich mit Vornamen an, keiner wirft dem anderen etwas vor, jeder darf reden, keiner muss. Hier sind alle gleich. Und jeder soll seine Geschichte erzählen dürfen. Die seines Lebens, der letzten Tage, der letzten Stunden. Es sind verschiedene Geschichten von Geldproblemen, von Familienproblemen, von Freund- und Feindschaften oder von Arbeitsproblemen. Jeder der sich angesprochen fühlt ist eingeladen die Salzufler AA- oder Angehörigen- (AL-Anon) Gruppe immer donnerstags von 19.30 bis 21 Uhr kennenzulernen.