Lemgo (nr). Bunte Kimonos und kunstvolle Papierlaternen sind auch am Engelbert-Kaempfer-Gymnasium (EKG) mit dem japanischen Sprach- und Kulturangebot ein seltener Anblick. Der Grund für das japanische Flair? Die Schule trägt einen großen Namen, Engelbert-Kaempfer war nicht nur Lemgos berühmtester Bürger, sondern auch Arzt, Wissenschaftler, Entdecker und Japanforscher. Letzteres erklärt das Programm des musisch-künstlerischen Abends unter dem Motto "Von Lemgo nach Japan" und ließ das Forum der Schule in der vergangenen Woche aus allen Nähten platzen.
"Heute feiern wir Engelbert Kaempfer und sein Leben, seine Reise, seine Erkenntnisse und Entdeckungen", so die Idee, die die Schüler des EKGs musikalisch und künstlerisch ganz wunderbar umgesetzt haben. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Reise Kaempfers nach Asien und speziell nach Japan zwischen 1683 und seiner Rückkehr 1694 nach Lemgo. Mit kurzweiligen Erzählungen über die unterschiedlichen Reiseziele und viel Musik haben die Schüler Bilder des eines Mannes in die Köpfe der Zuhörer projiziert, der Zeit seines Lebens geforscht, entdeckt und berichtet hat. So ließen sie musikalisch und erzählerisch die Reise 1683 in Stockholm beginnen, erzählten von seiner Begegnung mit dem späteren Zaren Peter dem Großen, Kaempfers Reise nach Isfahan, der prächtigen Residenzstadt des persischen Schahs, bis zu seiner Ankunft in der Hafenstadt Nagasaki in Japan. Marius Golla verkörperte dabei den Forschungsreisenden, der kleinere Einträge seines Reisetagebuchs vortrug, von seinen Eindrücken im antiken Persepolis berichtete und der sehr lebendig von seiner Begegnung mit dem Shogun, den Kaempfer als "Kaiser" bezeichnet, zu erzählen wusste. Zwei Jahre später verließ Engelbert Kaempfer Japan und kehrte 1694 nach Lemgo zurück, wo er sich auf dem Steinhof in Lieme niederließ und bis zu seinem Tod am 15. November 1716 lebte. Untermalt wurde die Reise von musikalischen Beiträgen an Klavier und Geige, dem Unterstufenchor und dem Vokalensemble der Mittel- und Oberstufe, sowie durch das Blockflötenensemble unter der Leitung von Sabine Golla. Spannend gestaltet waren auch die Stellwände im hinteren Teil des Foyers. Bilder und Texte zu der langen Reise Kaempfers gaben ein Stück weit wieder, was der Gelehrte in seinem Werk "Amoenitates Exoticae" niedergeschrieben hatte. Kaempfers Werk über Japan diente in den 150 Jahren nach seinem Tod, Wissenschaftlern als Grundlage für ihre Studien in den verschiedensten Fachgebieten, wie etwa der Pharmazie, der Botanik oder der Landeskunde. "Dabei war es ganz wunderbar, dass die Schule vor nicht allzu langer Zeit von Kaempfer-Forscher Karl-Rochus Kintscher eine Ausgabe der "Amoenitates" geschenkt bekommen hat", erzählte Sandra Kahla, Lehrerin am EKG. "Die Bilder sind Motiven der Kaempferschen Stiche nachempfunden, die Tagebucheintragungen ein Stück weit fiktiv – der künstlerischen Freiheit wegen." Gemeinsam mit interessanten Fakten und der Darstellung der Reiseroute Kaempfers, bildeten sie gemeinsam mit der Dekoration einen schönen Rahmen für das bunte Programm auf der Bühne. Die ersten Vorbereitungen zu der Veranstaltung hatten bereits Anfang des Jahres unter der Leitung der beiden Lehrkräfte Sandra Kahla (künstlerische Leitung) und Bozena Wilks (musikalische Leitung) begonnen, denn die Schule fühlt sich ihrem großen Namen verpflichtet. Seit 1938 trägt das Gymnasium am Rampendal 63 den Namen Engelbert Kaempfers. Die Initiative dazu geht auf Karl Meier zurück, der als Lehrer und Heimatforscher 1937 eine umfassende Biografie Engelbert Kaempfers herausgegeben und sich Zeit seines Lebens mit dessen Leben und Werk beschäftigt hatte.
