1. "Früher war es Breslau"

    Eine Ausstellung erinnert an die Vertriebenen in Rehburg

    Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    REHBURG (jan). Eine Ausstellung erinnert im Rehburger Heimatmuseum an die Vertriebenen, die vor 70 Jahren in der kleinen Stadt ankamen. Eröffnet wird sie am Sonntag, 16. Oktober, 15 Uhr.

    Einen winzigen Koffer bringt Rosie Finkelmann mit ins Heimatmuseum. "Mit dem ist mein Vater geflohen", erzählt sie. Kaum mehr als ein Spielzeug scheint der Koffer zu sein – aber viel konnten diejenigen, die 1946 aus Schlesien und anderswo vertrieben wurden, schließlich auch nicht mitnehmen. Als sie den Koffer öffnet, ist dort ein Teil seiner Geschichte noch nachvollziehbar. Seinen Namen hat ihr Vater hineingeschrieben, dazu seine Anschrift in Rehburg, das seine neue Heimat wurde – und darunter steht "früher Breslau". Der Koffer ist nur ein kleiner Teil der Ausstellung, die Angelika Suer vom Rehburger Bürger- und Heimatverein zusammengestellt hat und die noch weiter wachsen soll. Vor rund drei Jahren hatte sie die Idee, die Erinnerungen an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Rehburg zu sammeln aus der Zeit, als die Bevölkerung der kleinen Stadt durch die Vertriebenen nahezu auf das Doppelte anwuchs. Zwei Zahlen verdeutlichen, um was es geht: 1947 hatte Rehburg 1.603 Einwohner und 1.494 Flüchtlinge. Viele dieser Flüchtlinge blieben im Ort, etliche von ihnen leben noch heute dort. Wie auch deren Nachkommen. Mit vielen dieser Menschen hat Suer sich unterhalten. Die Namen von 130 Familien hat sie nachvollzogen. Woher diese Familien kommen, wollte sie wissen. Und in welchen Häusern des Ortes sie zunächst gelebt haben. Kaum ein Haus in Rehburg, in dem keine Flüchtlinge einquartiert wurden. Die Gespräche gingen jedoch weit über das Woher und Wohin hinaus. Wie haben die Menschen in ihrer ursprünglichen Heimat gelebt? Woran erinnern sie sich von der Flucht? Wie war das Leben anfangs in Rehburg? Viele Teile der Geschichten ähneln sich, jede für sich ist jedoch eine ganz eigene. Der Schwerpunkt beim Start der Ausstellung wird auf jenem Woher und Wohin liegen – und darauf, über die Erfahrungen und Erlebnisse zu sprechen. Dazu will Suer für jeden Sonntag im Oktober, 15 bis 18 Uhr, Vertriebene ins Heimatmuseum holen und zu Gesprächen bei Kaffee und Kuchen einladen. Zum Start am 16. Oktober wird unter anderem mit Annchen Heymer eine Loccumerin in der Runde sitzen. Sie hat vor wenigen Tagen ein Buch mit ihren Kindheitserinnerungen an "Pommern und anderswo" veröffentlicht. Ende Oktober beginnt im Heimatmuseum die Winterpause. Eine Pause soll es aber nicht für Angelika Suer sein, denn zur nächsten Saison, die Mitte März 2017 beginnt, will sie die Ausstellung erweitern. Dann sollen auch einzelne Schicksale vorgestellt werden. Von den sonntäglichen Gesprächen im Oktober erhofft sie sich noch weitere Impulse für diese Arbeit.Foto: jan

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an