Lage (nr). Was passiert, wenn Frau mit bester Freundin entscheidet, einfach mal für eine Nacht die Männer zu tauschen, um wieder das gewisse Etwas ins Sexleben zu bringen, die Männer damit kurzerhand überrumpelt werden und zu allem Überfluss der Spross der Familie mit ins Spiel gerät? Kurz gesagt: das Chaos könnte nicht schöner sein. Die Premiere der Boulevardkomödie "Partnertausch" von Frank Pinkus, die das Ensemble von "LabüVision" im Bürgerhaus aufgetischt hat, war spritzig, witzig und ließ kein Auge trocken.
Britta (Isabelle Konradt) liebt Gespräche über Sex; ganz besonders, wenn es um Bernd (Reinald Rohlfs-Blume), den Mann ihrer Freundin Ines (Sandra Wemhörner) geht. Ihr Mann Klaus (Lars Bücherl) seines Zeichens hypersensibler Tierarzt, hat immer dann nicht viel mit Sex am Hut, wenn er ein Tier hat einschläfern müssen – also praktisch nie. Also lenkt Britta mehr oder minder geschickt, die Gespräche immer wieder in Richtung Partnertausch, bis Ines Gefallen an der Idee findet. Als dann auch noch Bernds Exfrau, eine Psychologin (Elke Mellies) auftaucht und beide Frauen in ihrer Absicht bestärkt, werden die Pläne konkret. Als Spross Paul samt Freundin außer Haus schlafen will, sollen die freien Zimmer bei Bernd und Ines zum Liebesnest werden. Rollenklischees mal verkehrt herum. Klar, dass die Schauspieler das Publikum auf ihrer Seite haben, wenn sie ihre Rollen selber ein wenig auf die Schippe nehmen. So glänzt Lars Büker in seiner Rolle als leicht neurotischer, hochsensibler Tierarzt; Reinald Rohlfs-Blume mimt den erfolgreichen, aber langsam in die Jahre kommenden Orthopäden; Sandra Wemhörner spielt die eher zurückhaltende und frustrierte Grundschullehrerin und Isabelle Konradt wirbelt als Zündschnur der Partnertauschidee über die Bühne. Ein bisschen extra Würze kommt dann noch zusätzlich mit Lukas Hollmichel in der Rolle von "Junior" Paul, der als Raumausstatter hingebungsvoll jeglicher Art von Putzanfällen frönt, Lisa Wiegand, die seine genervte Freundin spielt und schließlich Elke Mellies, die die stets gutgelaunte Exfrau mit dem Hang zum Voyeurismus verkörpert. Zu viele Rollen? Mitnichten. Das Stück ist wunderbar klar strukturiert und inszeniert, dass nun wirklich gar nichts im Unklaren bleibt. Die Rollen scheinen den Amateurschauspielern auf den Leib geschrieben zu sein. Britta sucht "so kleine Ausstiegstage mit einem anderen Kerl, bevor man bis zum Lebensende denselben Pudding im Bett hat", Ines ist da simpler gestrickt, zieht aber gerne mit. Sohnemann Paul muss sich damit abfinden, dass seine Freundin Marie ihn mit der Note 5,5 von 10 abspeist und Klaus sieht ständig irgendwelche Schildkröten- oder Meerschweinchenaugen vor sich, die ihn so vertrauensvoll ansehen, bevor er sie einschläfern muss, was wiederum verhindert, dass es im Bett klappt. Die Premiere – eigentlich die Weltpremiere im lippischen Lage – hat die Erwartungen des Publikums jedenfalls bestens erfüllt. Lachen ist Pflicht; Lachtränen auch, vor allem dann, wenn es richtig turbulent wird und die Frauen ihre Männer in leicht schräge Outfits stecken, um erotische Gefühle aufkeimen zu lassen, Sohnemann Paul sich beim unerwarteten Nach-Hause-Kommen in die scheinbar falschen Zimmer verirrt und die Ex sich wegen eines Wasserrohrbruchs zuhause im Wohnzimmer von Bernd und Ines einnistet. Zeitgleich natürlich. Leichte Muse, frisch serviert und toll gespielt. Ausverkauft war das Bürgerhaus auch noch, also alles wie gehabt: Erfolg auf der ganzen Linie.
