Oerlinghausen (kd). "Unsere Schüler haben jetzt völlig neue Möglichkeiten zu lernen", schwärmte Stefan Sudholt, Leiter des Niklas-Luhmann-Gymnasiums. Denn der Musikunterricht findet nun im Informatikraum statt. Mit Spendengeld konnte die Schule Keyboards anschaffen, die mit vorhandenen Computern verbunden sind. Zwei Jahre tüftelten die Musiklehrer Matthias Günther und Alfons Haselhorst, bis die technische Lösung feststand. Sie statteten die 16 Rechner im Informatikraum mit professioneller Musiksoftware aus und schlossen die neuen Keyboards an. Jeder Arbeitsplatz ist für jeweils zwei Personen geeignet, es können sich also bis zu 32 Schülerinnen und Schüler gleichzeitig beschäftigen. Die Musik wird per Kopfhörer übertragen; dieser "Audio-Router" wurde eigens von einer Paderborner Firma erstellt. Eine solches Modell "Keyboards und Computer" gebe es bislang noch nicht, erklärten die beiden Musiklehrer. Damit werde der Musikunterricht wesentlich handlungsorientierter als bisher, sagte Haselhorst. "Zum Beispiel können wir theoretische Begriffe wie Dreiklänge nicht nur mit Tafel und Kreide erklären, sondern die Schüler erleben sie jetzt unmittelbar, weil sie selber spielen." Mehr noch: Am Computer können die Schüler sogar zu Komponisten werden. Alle Eingaben werden gleich gesichert, die Software macht die Noten auf dem Bildschirm sichtbar, das Keyboard gibt sie wider. "Auf diese Weise wird die Kreativität gefördert", sagte der Musiklehrer. "Denn es sind auch eigene Kompositionen viel leichter möglich, selbst wenn dabei nur ein kleines Jingle entsteht", sagte der Musiklehrer. Doch auch für die Analyse komplexer Arrangements eignen sich die neuen Arbeitsplätze. Die Rechner bieten eine große Klangvielfalt. Das neue Angebot ist für Schüler aller Jahrgangsstufen geeignet. "Sie lernen den Umgang mit professionellem Equipment und erweitern ihre theoretischen und praktischen Kompetenzen – und das nicht nur im Fach Musik", erläuterte Alfons Haselhorst. Er ist sicher, dass sich die Schüler mehr als bisher für den Musikunterricht begeistern werden. Der neuartige Musikunterricht wurde nur möglich, weil der Förderverein der Schule und der Lions Club Oerlinghausen tief in die Tasche griffen. Insgesamt 14.000 Euro spendeten sie für die Keyboards und neue Möbel. Anja Brinkmann, die Vorsitzende des Fördervereins, zeigte sich überzeugt, dass der Musikunterricht nicht nur Spaß machen, sondern auch nachhaltig wirken werde. "Wenn man die Zusammenhänge begriffen hat, bleiben die Inhalte lange im Gedächtnis", sagte sie. Der Lions Club engagiert sich schon seit 20 Jahren am Oerlinghauser Gymnasium, sagte Präsident Stefan Brinkmann. Der Club fördere gezielt die musische Bildung von Jugendlichen. Wenn man die Musik durch EDV begreifen lerne, sei dies richtungweisend und sehr unterstützenswert.
-
Musikunterricht mit Computern
Niklas-Luhmann-Gymnasium geht neue Wege, um Theorie und Praxis zu vermitteln
Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum
