Lemgo (pro). Mit ihrem Semesterauftakt wagte die Volkshochschule Detmold-Lemgo einen mutigen Schritt: Zur Eröffnung in der Aula des Marianne-Weber-Gymnasiums verkündete die große Leinwand das Thema "Wut – Angst – Vorurteile: Menschenfeindlichkeit und Rechtspopulismus hier und in Europa". Nicht gerade leichte Kost, wie Professor Dr. Andreas Zick, Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld und Referent des Abends, gleich zu Anfang feststellte. Nichtsdestotrotz hatten sich über 200 Interessierte eingefunden, um sich mit der Entstehung von Vorurteilen und Stereotypen auseinander zu setzen.
Stolz auf die Gewinnung des hochkarätigen Gastredners zeigte sich Hochschulrektorin Dr. Birgit Meyer-Ehlert in ihrer Ansprache und freute sich, dass so viele Bürger der Einladung der VHS Detmold-Lemgo gefolgt waren. Das Grußwort Dr. Reiner Austermanns betonte dessen persönliche Haltung als "Wutbürger", dem zunehmend gesellschaftlich tolerierter Rassismus aufstößt. "Dass ihr Bürgermeister heute Abend zugegen ist, spricht schon für Lemgo als ‚gute‘ Stadt", griff Andreas Zick die Aussage des Ratsherrn sogleich auf. "Ich komme aus Städten wie Bautzen, und nicht selten fehlt die Kommunalpolitik bei Veranstaltungen wie diesen." Dabei sei es von essentieller Bedeutung, die Verbindung zwischen Bürgern und Politik zu pflegen, um Radikalisierung vorzubeugen. Zur Unterstützung präsentierte Zick verschiedene Schaubilder und Diagramme, die beispielsweise den Weg zur Definition von Identität und Gruppenzugehörigkeit umrissen. "Wer nicht gehört wird, geht in die Opposition, sucht den legalen Protest." Entscheidend sei die Gliederung der Gesellschaft in die Systeme "Ich-Wir" und "Die (Anderen)" in der rechtspopulistischen Rhetorik. Seine Ausführungen bezeichnete er stets als "Theorien, keine Wahrheiten". Andreas Zick, der seit vielen Jahren zur Erhebung und Analyse der so genannten Mercatorstudie seines Fachbereichs beiträgt, präsentierte weiterhin auffällige Ergebnisse in den Bereichen Willkommenskultur, Vielfalt und Wertvorstellungen: "Durchweg liegen die Werte von 2013/14 unter denen von 2011 – was schade ist." Konkret bedeutet dies einen sinkenden Rückhalt für die heterogene Gesellschaft. Im Kontrast dazu stehen die Zahlen im Feld der sogenannten erwünschten Antworten, wie persönliche Toleranz, Akzeptanz, und Unvoreingenommenheit gegenüber Fremden. Diese seien "immer positiv, da öffentlich anerkannt." Zwar sei gegenwärtig die Flüchtlingsarbeit auf Platz eins der ausgeübten Ehrenamte noch vor sportliches Engagement gerückt – laut Zick steht Deutschland in den nächsten Jahren allerdings noch eine wachsende Herausforderung aus der rassistisch-rechtspopulistischen Richtung bevor. Bezogen auf den Anlass seines Vortrags stellte Andreas Zick abschließend fest: "Bildung macht handlungsfähig", und lobte die Institution Volkshochschule als Ort des Austauschs.
