1. Dirndl, Krachlederne, Ohrwürmer

    Blasorchester Lügde feierte Oktoberfest-Frühschoppen

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    Lügde (afk). Während in München sich die Oktoberfestzeit dem Ende zugeneigt hat, ging es in Lügde am Sonntagmorgen bei einem Oktoberfest-Frühschoppen, organisiert vom Blasorchester, richtig rund. Zum zweiten Mal hat das Orchester zu einer derartigen Veranstaltung eingeladen – und diesmal übertraf der Besuch bei weitem die Erwartungen. Bis auf den letzten Platz war das Schützenhaus schon gleich von Beginn an besetzt, als diese feucht-fröhlich Sause mit viel Musik loslegte.

    Vermutlich war es auch dem darauffolgenden Feiertag zu verdanken, dass sich so viele Gäste ins Schützenhaus aufmachten, darunter auch zahlreiche Besucher aus Bad Pyrmont und der Umgebung und auch erstaunlich viel junges Publikum. "Als ich hier ankam, traute ich meinen Augen kaum. Da standen die Leute schon an, um ins Schützenhaus eingelassen zu werden", freute sich der Blasorchester-Leiter Jörn Diekmann. "Wir haben deshalb auf das sonst übliche Einspielen verzichtet und gleich losgelegt." Und auch das Publikum war vom Start weg in bester Feierstimmung und stieg voll ein. Groß vorbereiten müssen hatte sich das Blasorchester für diesen Auftritt kaum, denn was da an Musik gefragt ist, haben die Musikerinnen und Musiker in ihrem ständigen Repertoire. Allein die Kleidung der meisten Musikanten machte aber deutlich, dass es sich nicht um ein normales Konzert handelte. Und auch die Besucher zeigten bei dieser Gelegenheit mal wieder, welche folkloristischen Schätzchen so in ihren Kleiderschränken schlummern. Dirndl bei den Damen, manches karierte oder schlicht weiße Hemd unter der langen oder drei Viertel langen Lederhose waren untrügliche Zeichen dafür, dass man sich an diesem Tag stimmungsmäßig in alpenländische Regionen begeben wollte. Nun, musikalisch war dann auch alles dabei, was man schlichtweg als Ohrwürmer bezeichnen kann, angefangen von Volksmusik über Schlager bis zu Folklore aus Oberkrain oder Märschen. Mit einer flotten Moderation verband Jörn Diekmann die einzelnen Musikblöcke und musste eigentlich gar nicht zu Mitschunkeln oder Mitsingen auffordern – die Titel waren durchweg Gassenhauer und das Publikum hatte die alle text- und melodiesicher drauf. Gut, nicht alles, was da gespielt und gesungen wurde, war aus den Regionen südlich des Weißwurst-Äquators. Da mischten sich auch mal Lieder von der See oder auch aus dem rheinischen Karneval darunter. Aber das sah niemand so richtig eng – die Stimmung im Saal zeigte: das kam an! Als Gesangtrio bewährten sich dabei die bisher eher als Instrumentalisten und Dirigent bekannten Kerstin Krantz, Dirk Hecker und Jörn Diekmann, die ein ums andere Mal die Sangeslust anheizten. Völlig aus dem Häuschen gerieten die Besucher, als Bettina Oelmann und Thomas Reker gemeinsam an ihren zwei Xylophonen in rasendem Tempo das bekannte effektvolle Musikstück "Zirkus Renz-Galopp" umsetzten. Ein absolutes Highlight, mit dem das Blasorchester derzeit aufwarten kann und ein Kompliment an diese beiden Musiker! Zwischendurch durfte man sich dann auch stärken. Die Küche konnte zuhause kalt bleiben, denn das Orchester hatte auch für die kulinarische Versorgung passend zum Schwerpunktthema "Oktoberfest" Spezialitäten auffahren lassen. Natürlich im Mittelpunkt: die mit Petersilie und Zitrone abgeschmeckte Weißwurst. Nur "a Preiß" gibt sich zu erkennen, wenn er diese Spezialität dann mit Messer und Gabel, eingetunkt in den süßen Senf, verzehrt, statt sie zu saugen, zu zutzeln, wie man es in Bayern zu tun pflegt. Auf jeden Fall gehörte auch in Lügde ein Brezel dazu. Zum erforderlichen Ölen der Stimmbänder und zum Runterspülen der bajuwarischen Spezialitäten gab’s stilecht natürlich das originale Oktoberfestbier vom Fass, sehr häufig auch in der alkoholfreien Variante genossen. Freiwillige fleißige Helferinnen sorgten dafür, dass alles gut an die Tische kam. Das Publikum bewies ebenso wie auch die unverwüstlichen Musiker Kondition. Es zeigte sich, wie großzügig der Begriff "Frühschoppen" zeitlich doch ausgedehnt werden kann. Am Ende waren alle hoch zufrieden mit dieser zweiten Auflage des Oktoberfestes in dieser etwas anderen Form und zu ungewöhnlicher Zeit. Bei der Premiere 2015 war das bereits eine gelungene Veranstaltung und nach dem großen Erfolg in diesem Jahr dürfte einer weiteren Wiederholung 2017 kaum etwas entgegenstehen.

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