1. Relevanz von Licht, Schatten und Zeit

    Beeindruckende Doppelausstellung von Diana Sprenger und Simon Schubert

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    Lemgo-Brake (nr). Beide scheinen auf eine vielschichtige Weise Grenzgänger zu sein; bewegen sich in Zwischenwelten von dem was ist, was sein könnte und dem, was man als Realität ansieht. Simon Schubert bespielt mit seiner Ausstellung "Bei Lichte betrachtet" das Erdgeschoss der Städtischen Galerie Eichenmüllerhaus, während Diana Sprenger ihre Arbeiten zum Thema "Schwarz ist roter als Gelb" im Obergeschoss ausstellt. Die Arbeiten beider Künstler sind in sich ambivalent; laden ein zum Näherkommen, zum intensiven Betrachten und ziehen gleichsam eine unsichtbare Grenze zu dem, was sich noch im Rahmen des erlaubten Betrachtens bewegt.

    Beide Künstler verbindet, dass sie ihrer Kunst Unwägbarkeiten wie Licht, Schatten und Zeit an die Hand geben. Dabei sind es keineswegs Zufälligkeiten, die ihre Arbeit bestimmen. Ihre Werke beschreiben einen Weg; einen konstruktiven, schöpferischen und kreativen Pfad, den es zu entdecken lohnt. "Ich behaupte, innerhalb des Werkes selbst ist das Ergebnis die Realität", beschreibt Diana Sprenger. "Ständig bleibt zu hinterfragen, wie das eigene Gedächtnis unsere Wahrnehmung beeinflusst, interpretiert und selektiert." Ihre Arbeiten wirken auf den ersten, vagen Blick monochrom, ihre gemalten Portraits schemenhaft, diffus und verborgen. Gleichsam locken sie zum näheren Betrachten, bei dem man erstaunt erkennt, dass ihre Malerei aus zartesten Farbnuancen erwächst. Ihre Ei-Temperafarben kommen nicht aus der Tube; als Bindemittel wählt sie reines Lavendelöl; nutzt Kreide, Kohle, Bleistift oder Tinte und erweckt so etwas, wie Illusion oder den Traum von etwas Dagewesenem. Vielleicht auch, weil die Portraits mehr wie eine Erinnerung wirken, als ein Stück Realität. "Ich verliere mich nicht in Details", sagt sie mit einem Blick zur Seite auf ihre starke Sehschwäche. Es ist der erste Eindruck ihrer Arbeiten, der Worte wie "Schatten", "Dunkelheit" oder "Endlichkeit" in den Raum wirft. Auch nur eine subjektive Realität, die verschwimmt, betrachtet man die Arbeiten intensiver. Dann nämlich tauchen Licht und das Gefühl für die Relevanz von Zeit auf. Auch Simon Schubert arbeitet mit Licht und Zeit – auf einer anderen Ebene, mit einer anderen Wahrnehmung. So wie bei seinen Papierfaltungen: nur durch die Faltung des Papiers und unter Zuhilfenahme des einfallenden Lichtes entstehen so komplexe architektonische Raumsituationen wie barocke Räume oder Treppenhäuser. Wie genau er exakte Rundbögen oder geschwungene Linien durch Faltungen erreicht bleibt sein Geheimnis. Auch seine Graphitarbeiten, überwiegend brennende Häuser im Dunkel, entstehen im Zusammenspiel von Licht und Schatten. Bilder, die zeitlos sind und deren weiße Flammen gleichsam anziehend und abstoßend wirken. Ein Effekt, den der Betrachter noch intensiver bei der "Liegenden" erfährt. Eine weibliche Figur, die sanft gebogen tief zu schlafen scheint. Der Körper ist unter einer unglaublich langen, schwarzen Haarpracht vollkommen verborgen, in seiner exponierten Lage aber gleichsam verletzlich. Sich nähern oder Abstand wahren? Im besten Fall kann der Betrachter selber entscheiden. Zu sehen ist die Doppelausstellung in der Städtischen Galerie Eichenmüllerhaus, Braker Mitte 39 noch bis zum 23. Oktober jeweils Donnerstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

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