Lemgo (rto). Der Bauhof an der Herforder Straße, auf dem ehemaligen Grundstück der Gärtnerei Wattenberg, soll nicht gebaut werden. Das war die einfache und kurze Erklärung von Bürgermeister Dr. Reiner Austermann auf einer zeitlich frühen Pressekonferenz am Mittwochmorgen. Grund, so das Stadtoberhaupt, sei das Ergebnis der europaweit ausgeschriebenen Arbeiten für den neuen Bauhof. Die habe ergeben, dass ein neuer Bauhof bei zirka 8,8 Millionen Euro liegen werde. "Deshalb werden wir dem Rat und den Fraktionen empfehlen, den Bauhof nicht zu bauen. Die Kosten liegen damit weit über den von uns vorgesehen 6 Millionen Euro", so Kämmerer Dirk Tolkemitt.
Sowohl er als auch Bürgermeister Dr. Reiner Austermann machten bei der Nachricht einen eher entspannten, möglicherweise nicht unzufriedenen Eindruck. Ganz im Gegenteil zu Gerhard Reineke. Der für den Bauhof zuständige Mitarbeiter, der ebenfalls zu der Pressekonferenz gekommen war, saß stumm an der Seite der Verwaltungsspitze. Von ihm war während der gesamten Zeit nichts zum Thema zu hören. Mit der Firma Möller, die ursprünglich das Gelände des alten Bauhofes zur Erweiterung erwerben wollte, sei man übereingekommen, den Vertrag rückabzuwickeln, so dass der Bauhof zunächst da bleibt wo er ist, so der Bürgermeister. "Die Geschäftsleitung hat nach Gesprächen mit uns erklärt, man werde jetzt auf dem vorhandenen Gelände umstrukturieren", so Dr. Austermann. Beide, der Bürgermeister und sein 1. Beigeordneter, wurden nicht müde zu erklären, dass es nun gelte, ein Sanierungskonzept für den Bauhof zu entwickeln. "Wir handeln eben wie hanseatische Kaufleute. Wenn das Investment nicht zu stemmen ist, müssen wir es bremsen und nach neuen, bezahlbaren Wegen suchen", unterstrich Dirk Tolkemitt. Bürgermeister Dr. Austermann bedauerte vor allem die viele Arbeit, die man sich im Vorfeld gemacht habe. Auf die Frage ob es denn andere Pläne für das Grundstück gäbe oder möglicherweise im Vorfeld schon andere Vorstellungen bestanden hätten, sagte das Stadtoberhaupt wörtlich: "Wir haben keine Sorgen, das Wattenbergsche Grundstück zu verkaufen." Jürgen Wattenberg zeigt sich auf Nachfrage von Lippe aktuell mehr als überrascht und wie er sagte "maßlos enttäuscht”. Er war zunächst sprachlos, äußerte sich dann aber so: "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich sicher nicht verkauft. Ich verstehe jetzt den ganzen Druck nicht der dahintersteckte. Ich hätte das Geschäft gut noch ein paar Jahre weiter betreiben können."
