Schieder/Siekholz (la/lig). Einen Meilen- oder auch Postmeilenstein aus der Zeit der Postkutschen wurde jetzt entdeckt, gereinigt, frei gelegt und in Siekholz an der L 948, gegenüber Siekholzer Straße 4, neu gesetzt.
Der Heimat- und Verkehrsverein Siekholz in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Schieder und der mobilen Rentnertruppe Siekholz haben den historische Stein vom jahrelangen, im Wald zugewachsenen Gestrüpp, befreit und wieder zugänglich gemacht. Heute erstrahlt der Stein durch die Unterstützung eines Steinmetzes, in seinen ursprünglichen Farben und der neuen Beschriftung "Schieder und Kamerun". Zum geschichtlichen Hintergrund: Der Ausbau der Chausseestraßen in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts war ein großer Fortschritt auf dem Gebiet des Landverkehrs, wo preußische Landstraßen für den Post- und Warenverkehr mit Schotter befestigt wurden. Fürstin Pauline zu Lippe veranlasste dann ebenfalls den Ausbau wichtiger Verbindungsstraßen, wie zum Beispiel Schieder nach Barntrup. Die dann befestigten Straßen wurden auch als Kunststraßen bezeichnet. Dieser Ausbau war oft ein Notstandsprogramm in den damals oft sich wiederholenden Hungerkrisen. Finanziert wurde der Ausbau mit dem sogenannten Chausseegeld, das in Lippe erst 1896 aufgehoben wurde. Für die Kontrolle und Vermessung wurden Meilensteine um die 1870 Jahre in verschiedenen Größen gesetzt. Es gab 8 Fuß (2,44m) hohe, oder wie der jetzt aufgefundene ¼ Meilensteine, die nur 3 Fuß (0,92m) hoch sind. Die Vermessung der Setzpunkte ging oft von einem Zentrum aus, in Lippe war es der Fürstensitz Detmold. Die Steine dienten den Fuhr- oder Postunternehmern damals auch zur Berechnung der Beförderungszeiten und Entgelte. Die früheren Meilensteine, ersetzt um die 1970er Jahre, sind also auch die Vorläufer der heutigen Kilometersteine oder Stationszeichen. Diese letzten noch vorhandenen Zeugen aus der Postkutschenzeit gilt es zu bewahren.
