Detmold (ab). Sprache und Heimat sind hoch aktuelle Themen. Die 10. Auflage der "Dorfgeschichten" im LWL-Freilichtmuseum greift sie auf. Schauspielerin Maria Schrader liest am 9. und 10. November in der Museumsgaststätte "Im Weißen Ross" aus dem Buch "Der Russe ist einer, der Birken liebt". Auch für Schulklassen wird es wieder eine Lesung geben.
Das Buch ist der Debütroman von Olga Grjasnowa. Die junge Autorin wurde 1984 in Baku geboren. Für "Der Russe ist einer, der Birken liebt" hat sie zahlreiche Preise bekommen, unter anderem den Anna-Seghers-Preis. Das Leben ihrer Protagonistin Mascha weist einige Parallelen zu ihrer eigenen Biographie auf. Auch Grjasnowa kam in den 1990er Jahren als jüdischer Kontingentflüchtling nach Deutschland. Mascha ist jung und eigenwillig. Sie ist Aserbaischanerin, Jüdin und – wenn nötig – auch Türkin und Französin. Sie studiert und möchte Dolmetscherin bei der UNO werden. Der Tod ihres Freundes Elias wirft sie völlig aus der Bahn. Israel wird für sie einerseits zur Zuflucht. Aber hier wird sie auch konfrontiert mit ihrer eigenen Geschichte, der Kindheit in Armenien und der Flucht nach Deutschland. Die Autorin habe eine "rotzfreche Art zu schreiben", meint Sarah Sarah Bloch vom Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe, das die Veranstaltung gemeinsam mit dem Freilichtmuseum organisiert. Die Geschichte sei mitreißend und schnell, wirkt jung und frisch und bewegt sich ausgewogen im Spannungsfeld zwischen Tragik und Komik. Mit Maria Schrader sei die Lesung erneut hochkarätig besetzt, betont Ute Schäfer, neue Chefin des Literaturbüros OWL. "Wir haben eine Schauspielerin, die einen Text liest, der Parallelen zu ihren Rollen aufweist", ergänzt Sarah Bloch. In "Aimée & Jaguar" spielte Maria Schrader eine lesbische Jüdin im Nationalsozialismus. 2014 spielte sie in dem Film "24h Jerusalem" mit. Als Regisseurin hat sie das Leben des jüdischen Schriftstellers Stefan Zweig verfilmt. Es ist die bereits 10. Auflage des Formats "Dorfgeschichten" und auch beim "kleinen Jubiläum" setze man "ein kulturelles Glanzlicht im Herbst", sagt Ute Schäfer. Zu Beginn der Reihe drehten sich die Texte meist um das dörfliche jüdische Leben. Literarisch sei man nun "weit in der Gegenwart angekommen", ergänzt Museumsdirektor Professor Jan Carstensen. Der Eintritt sei auch in diesem Jahr erschwinglich. Man wolle niemanden von vornherein ausschließen, so Carstensen. Dafür brauche es Sponsoren. Und das ist erneut die Sparkasse Paderborn-Detmold. "Wir sind glücklich über diese Kooperation" erklärt Vorstandsmitglied Arnd Paas. Denn es sei gar nicht so einfach, im Zeitalter moderner Medien Zugänge zu Literatur zu schaffen. Zu den "Dorfgeschichten" gibt es auch weitere Lesung für Schulklassen ab der Jahrgangsstufe 10. Sie findet am 10. November um 11.30 Uhr statt. Infos und Karten dazu bekommen Schulen unter der Rufnummer (05231) 30 80 20. Vorverkauf hat begonnen Die Abendlesungen am Mittwoch und Donnerstag, 9. und 10. November, beginnen jeweils um 19.30 Uhr. Eintrittskarten der Kategorie A kosten 15 Euro, Kategorie B kostet 10 Euro. Die Plätze sind nummeriert und werden in der Reihenfolge der Bestellung vergeben. Erhältlich sind sie beim Literaturbüro OWL unter der Rufnummer (05231) 30 80 210, unter "www.literaturbuero-owl.de" sowie bis zum 30. Oktober zu den Öffnungszeiten an der Kasse des Freilichtmuseums Detmold. Zu den Abendlesungen wird ein Pendelbus zwischen 18.45 und 19.15 Uhr die Besucher vom Haupteingang aus ins Paderborner Dorf fahren.
