1. 30 Meter Drehleiter für Lügde

    Feuerwehr bekommt ein neues Einsatzfahrzeug

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    Lügde (afk). Der Fuhrpark der Lügder Feuerwehr wird sich schon bald auf 19 Fahrzeuge vergrößern. Voraussichtlich Ende Oktober wird im Feuerwehrgerätehaus unter den Klippen in der Kernstadt eine eigene Kraftfahrdrehleiter stationiert. Gesetzliche Veränderungen haben es erforderlich gemacht, dass nun auch Lügde neben seinen Nachbarstädten Bad Pyrmont, Blomberg und Barntrup ein solches Spezialeinsatzfahrzeug anschaffen musste. Allerding gelang es den Verantwortlichen, mit einem Gebrauchtfahrzeug die Anschaffungskosten für die Stadt deutlich zu minimieren. Der Rat hat der Beschaffung zugestimmt.

    Seit 1998 war es im Brandschutzbedarfsplan der Stadt Lügde festgeschrieben, dass bei Großbränden oder Spezialeinsätzen bislang die Drehleiter aus der Nachbarstadt Bad Pyrmont zur Hilfeleistung nach Lügde anrücken sollte. "Die Anforderung der Leiter ist in den letzten Jahren immer häufiger erfolgt", bestätigt Stadtbrandmeister Wolfgang Kornegger und stellt zudem fest: "Zuletzt hatten sich die Eintreffzeiten der Drehleiter aus Bad Pyrmont aus den verschiedensten Gründen verlängert." Die Situation verschärfte sich für Lügde unter anderem dadurch, dass es Veränderungen im Baurecht bei der Sicherstellung des zweiten Rettungsweges und durch das neue Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz (BHKG NRW) gegeben hat. Danach ist der Einsatz der bislang verwendeten Steckleitern, die bis ins 2. Obergeschoss (zirka 8 Meter Höhe) reichen, aus Sicherheitsgründen untersagt worden. Die Bezirksregierung in Arnsberg forderte auf der Grundlage des neuen Gesetzes nun dazu auf, dass die Gemeinde, in der sich höhere Gebäude befinden, selbst auch eine eigene Kraftfahrdrehleiter vorhalten muss. "Fremdfahrzeuge wie bei uns aus Bad Pyrmont dürfen im Brandschutzbedarfsplan von Lügde nicht mehr als Fahrzeuge der Kommune gewertet werden. Wir mussten handeln", so der Feuerwehrchef der Großgemeinde. "Wir haben zahlreiche höhere Gebäude mit drei und mehr Stockwerken unter anderem am Asternweg und am Schildweg. Dazu kommen die engen Straßen und Gassen in der Altstadt, die mit den großen Einsatzfahrzeugen auch nur schwerlich odr gar nicht zu befahren sind." Als sich diese Verpflichtung zur Fahrzeuganschaffung anbahnte reagierte das Stadtkommando sofort und ließ vorsorglich schon 500.000 Euro im Haushalt 2018 für eine Drehleiter vorsehen. Parallel dachte man noch über Alternativen wie u.a. einen im Vergleich zur Drehleiter kleineren Hubrettungswagen nach - ein Gedanke, der aber sehr schnell wieder verworfen werden musste. Ein solches Fahrzeug erfüllt die Sicherheitsvorgaben jedoch nicht und so blieb nur eine "große" Lösung, die richtig ins Geld hätte gehen können. Dass das nicht dazu gekommen ist, war einem Zufall zu verdanken: Beim Besuch einer Spezialfahrzeug-Messe beim Hersteller Magirus in Ulm schauten sich Verantwortungsträger der Feuerwehr vor allem nach Fahrzeugen um, die das Anforderungsprofil für Einsätze in Lügde erfüllen könnten. "Da wurde uns unter anderem eine Drehleiter vorgeführt, die exakt auf unsere Bedürfnisse passte", berichtet Kornegger. Dabei handelt es sich um ein 20 Jahre altes grundüberholtes Einsatzfahrzeug mit einem Tachostand von 16.000 Kilometern und rund 1.100 Betriebsstunden. Bislang war es auf dem Flughafen in Frankfurt stationiert und befindet sich nach eingehender Begutachtung in einem sehr guten Zustand. Durch seinen Achsabstand ist es sehr wendig und mit 2,40 Metern nicht so breit wie andere Rettungsfahrzeuge. Damit ist es bestens geeignet für die engen Altstadtstraßen. Dazu verfügt die Drehleiter über einen bis auf 30 Meter ausfahrbaren Gelenkarm und einem Stülpkorb an der Spitze, mit dem auch Aktionen in abgelegenen Bereichen durchgeführt werden können. Die erforderlichen Wartungen der hochtechnischen Drehleiter mit vielen Hydraulikteilen ist finanziell aus dem feststehenden Feuerwehretat zu bestreiten. Die Lügder Feuerwehr rechnet damit, dass die Drehleiter weitere zwölf bis 15 Jahre einsatzbereit sein kann. "Erfreulicherweise liegt das Modell im Preis ganz deutlich unter unserem bisherigen Planungsansatz", betont der Stadtbrandmeister. Nach einer Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses im August wurde aus der Politik grünes Licht für den Ankauf gegeben. Der Lügder Rat bestätigte das jetzt noch mal in seiner letzten Sitzung. Zurzeit wird die Drehleiter vom Hersteller für seinen Umzug nach Lügde vorbereitet. Durch die vergleichsweise niedrige Höhe von 3,10 Metern und seiner Länge von zehn Metern passt sie ohne bauliche Veränderungen vornehmen zu müssen in das Feuerwehrgerätehaus unter den Klippen. "Wir rechnen damit, dass wir am 20./21. Oktober das Fahrzeug hierher überführen können", erwartet der Stadtbrandmeister. Drei Einsatzkräfte gehören zur Besatzung des Fahrzeugs, von denen mindestens einer ausgebildeter Drehleitermaschinist sein muss. Die Feuerwehr Lügde wird sechs Mann zur Schulung nach Ulm schicken. Dort werden sie auf Kosten des Herstellers in die Bedienung dieses Rettungsgerätes eingewiesen, so dass es dann nach seiner Überführung gleich einsatzbereit sein wird. Kornegger: "Zudem haben wir Kontakte zu einem Ausbilder, der in Paderborn berufsmäßig Drehleitermaschinisten ausbildet und familiäre Kontakte nach Lügde hat. Er hat uns zugesagt, weitere Kräfte auf der Drehleiter zu schulen. Wir werden voraussichtlich zehn bis 15 Mann für diese Aufgabe vorsehen."

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