1. Noch geben die Handwerker den Ton an

    Umfangreiche Sanierung und Modernisierung des "roten Rathauses"

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    Lügde (afk). Seit März haben Handwerker das Regiment im Lügder Rathaus übernommen. Eine Komplettsanierung und Modernisierung des Verwaltungsgebäudes aus den 60er Jahren war dringend erforderlich geworden. Sowohl energetisch als auch von der Barrierefreiheit war Handlungsbedarf geboten. Das Land Nordrhein-Westfalen sah das auch so und sagte eine 70 Prozent-Förderung der zuschussfähigen Kosten zu. Während des laufenden Betriebes wurde seither gebaut – Mitte November, so der Bauzeitenplan, soll das Projekt abgeschlossen sein.

    Keine Frage: Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freuen sich nach mehr als einem halben Jahr Staub und Lärm endlich wieder auf ruhigere Zeiten. Und die sind nicht mehr allzu fern. "Wir werden nach derzeitigem Stand den Plan einhalten", ist der stellvertretende Bauamtsleiter Gregor Günnewich optimistisch. Bereits von außen ist erkennbar, dass sich das Rathaus erneuert: Ein neues Dach hat es gegeben, das Lügde-spezifische Türmchen auf der Spitze ist zwar "Schmuck am Bau", aber es hatte Fans. Und die sorgen mit privaten Spenden dafür, dass das Erkennungszeichen des Lügder Rathauses auch nach dem Umbau wieder aufgesetzt werden konnte. Dass das Rathaus derzeit noch Baustelle ist, darauf deutet noch ein Bauzaun hin, der das Verwaltungsgebäude von drei Seiten umgibt. Das Baugerüst ist entfernt, nachdem die Maler die Außenarbeiten bis auf Nachbesserungen abgeschlossen haben. Die Fassade hat sich schon gewandelt, denn anstelle des tristen grauen Anstrichs durchziehen nun Längssteifen in Rottönen die Wände des Funktionsbaus und verleihen ihm eine zeitgemäße Optik. Damit passt sich das Rathaus in das Ensemble der Fachwerkgeprägten Rundumbebauung am Marktplatz ein. Der Volksmund hat schon reagiert und kurzerhand "das rote Rathaus" daraus kreiert. Wer derzeit das Foyer betritt taucht allerdings dort noch in eine Baustellen-Atmosphäre pur ein: herunterhängende Kabel an aus den Wänden und der Decke, geöffnete Deckenverkleidungen in jedem Stockwerk, pappbelegte Fußböden – es ist nicht zu übersehen, dass hier noch einiges zu tun ist. In den letzten Tagen war es nochmal richtig laut geworden, als für den Brandschutz noch Löcher durch die bestehenden Decken gebohrt werden mussten. Günnewich verspricht: "Das war der letzte große Eingriff in die Bausubstanz." Im neuen, hellen Fahrstuhl rechts von der Eingangstür fährt man vom Erdgeschoss geräuschlos in die erste und zweite Etage. Das Dachgeschoss, in dem das Archiv und die IT-Technik untergebracht sind, bleibt für die Öffentlichkeit unzugänglich und ist per Lift nur mit einem Spezialschlüssel erreichbar. In der ersten Etage residiert nach einigen Umzügen seit Kurzem wieder Bürgermeister Heinz Reker in seinem angestammten Büro. Geblieben sind in seinem Dienstzimmer die seit Stadtdirektoren- und Bürgermeister-Generationen eingebaute Holzschrankwand und wie in allen Diensträumen auch das Mobiliar. Aber alle Räume haben einen frischen Anstrich und neue blaue Fußböden und Türen bekommen. Ganz im Vordergrund der energetischen Sanierung stand der Einbau einer völlig neuen effektiven und umweltfreundlichen Pelletheizung. Die vor 20 Jahren erneuerten Fenster konnten bleiben, aber kleinere effiziente Heizkörper lösten Vorgänger ab, die noch – wie früher üblich – in Nischen unter den Fenstern angebracht waren. Verschwunden sind auch die breiten Fensterbretter. Dazu wurde eine moderne LED-Beleuchtung installiert, die nun energiesparend für Helligkeit sorgt. Die Verkabelung für die Elektrik im gesamten Rathaus ist ausgetauscht worden wie auch die Telefonanlage mit den Rechneranschlüssen. "Das ist ein Teil der energetischen Sanierung, die wir wie auch die Barrierefreiheit zu 70 Prozent vom Land bezuschusst bekommen haben", erklärt Gregor Günnewich. Die Gesamtkosten für die Baumaßnahme hatte der Rat auf 1,65 Millionen Euro gedeckelt. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren die letzten Monate nicht unbedingt ein Traumarbeitsplatz. "Wir hatten uns entschieden, die Baumaßnahmen bei laufendem Betrieb durchzuführen", erinnert Reker. "Uns allen war klar, dass das nicht ohne Einschränkungen und Belastungen mit Staub und Lärm und Umzügen innerhalb des Hauses von statten gehen würde. Aber alle haben das akzeptiert, weil sie vom Ergebnis überzeugt waren.""Das war aber auch schon sportlich, was wir da leisten mussten", schmunzelt Günnewich und bezieht das u.a. auf die Zeit, als im Rathaus keine Toiletten zur Verfügung standen und die Belegschaft über die Straße ins benachbarte Hotel "Stadt Lügde" ausweichen musste. Inzwischen sind die Toiletten im Rathaus fertig. Möglich wurde das Bauen bei laufendem Betrieb auch dadurch, dass zunächst externe Büros von der Arbeitsagentur, von Stadtmarketing und der Polizei in die Nachbarschaft in die Vordere Straße 13 ausgelagert werden konnten. Die Politik weicht derzeit mit ihren Sitzungen in die Mensa des Schulzentrums aus. Günnewich: "Dadurch bekamen wir für unsere Büros Manövrierspielraum." Zunächst war der rechte Gebäudeteil mit dem Fahrstuhleinbau in Angriff genommen worden, derzeit ist der linke Abschnitt mit dem Plenarbereich dran. So "genoss" die Finanzverwaltung wochenlang im Sitzungssaal mal Großraumbüro-Atmosphäre, ist aber jetzt wieder in renovierte Räume zurückgekehrt. Auch das Bauamt wechselte zwischenzeitlich vom 2. OG ins Erdgeschoss, ist aber jetzt wieder am angestammten Platz. Zurzeit residiert das Bürgerbüro in den Räumen von Stadtmarketing. Die Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro und mit den Baufirmen habe reibungslos funktioniert, bestätigt Gregor Günnewich. "Wir haben bislang nur positive Rückmeldungen von unseren Kollegen und Besuchern bekommen. Reker: "Die meisten zeigten Verständnis und meinten, die Rathaussanierung sei längst an der Zeit gewesen." Auch wenn derzeit noch die Handwerker die Szenerie im Rathaus bestimmen – das Ende der neunmonatigen Bauzeit ist absehbar. Reker: "Die letzte Ratssitzung dieses Jahres soll wieder in unserem Ratssaal stattfinden."

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