1. Meisterchor übte sich im Farbenspiel

    Canto allegro präsentierte sein Sommerkonzert

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    Bad Pyrmont/Lügde (afk). Das war schon ein mutiger Schritt: Bei der Suche nach außergewöhnlichen Auftrittsorten (2014 gastierte man schon mal in einem Autohaus) kehrte der Meisterchor NRW "canto allegro" aus Lügde für sein Sommerkonzert diesmal in der Mensa des Schulzentrums in der Nachbarstadt Bad Pyrmont ein. "Wir haben viele Fans hier. Das wissen wir von unseren früheren Konzerten", war Vorsitzender Markus Tappe optimistisch und sollte Recht behalten: Fast einhundert Besucher ließen sich vom völlig neu aufgelegten Programm "Colours – Farben" anlocken.

    Und Farben spielten zunächst mal optisch eine große Rolle. Nicht nur, dass der "Canto" sein Erscheinungsbild in schwarzer Grundkleidung mit Accessoires nun in Türkis aufhübschte - an die Rückwand des kargen Funktionsraums Mensa wurden Farbspiele projiziert und bildeten so auch den Einstieg und Hintergrund in ein anspruchsvolles Programm, das sich der auf 17 Sängerinnen und vier Sänger angewachsene Lügder Chor vorgenommen hatte. Erfreulich ist, dass es schon einige neue junge Gesichter sind, die sich dem Ensemble angeschlossen und auch gleich die Herausforderung eines solchen Konzerts angenommen haben. Das Thema "Colours – Farben" lässt jede Menge Spielraum zu musikalischer aber auch philosophischer Interpretation. Die Farben des Regenbogens, gleichzeitig auch Symbol der homosexuellen Bewegung (Tappe: "Wir wollen auch ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung setzen."), bildeten die Basis für dieses Konzert, das sich bei der Liedauswahl in einem Crossover bewegte, das von Joseph von Eichendorff über Cindy Lauper bis zu Herbert Grönemeyer und einem Shanty reichte. Der Chor hatte sich damit einiges vorgenommen, geriet dabei jedoch offenkundig mehrfach auch an seine derzeitigen Grenzen. Hier wird Chorleiterin Sandra Lücke noch einige Arbeit haben, um das experimentierfreudige Ensemble in der neuen Besetzung wieder auf Meisterchor-Niveau zu bringen. Ob es geschickt war, bei der auch stimmlich unterschiedlich starken Besetzung der Stimmlagen ohne Mikrofonunterstützung zu operieren, mag dahingestellt bleiben. Dieses Konzert war bei aller Kritik bemerkenswert anspruchsvoll und von dem Gedanken beseelt, Chorgesang nicht zuletzt durch choreografierte Bewegungen auf der Bühne auch mal abseits von den üblichen Pfaden zu präsentieren. Mit dem "Colours – Farben"-Konzert hatte die Chorleiterin die Messlatte wieder ein Stückchen höher gelegt mit dem von ihr vorab formulierten Ziel, den Chor gesanglich und in seinem Auftreten weiter zu entwickeln. Schon jetzt wurde deutlich, dass die Sängerinnen und Sänger bereit sind, diese Herausforderungen anzunehmen, auch wenn das diesmal nicht gleich zu hundert Prozent glückte. Die Präzision und die stimmlichen Möglichkeiten haben sich auch durch die Zugänge vom NRW-Meisterchor "Chorios" aus Dörentrup gesteigert und lassen durchaus mehr erwarten. Während Sandra Lückes eigene Solopartien in der Akustik des voll besetzen Raumes nicht so zum Tragen kamen, überzeugte einmal mehr die grandiose Sopranistin Christine Dramburg mit ihrer kraftvollen Stimme beim "La vie en rose", mit dem Edith Piaf die Welt verzauberte und "Over the rainbow" aus "Der Zauberer von Oz" (1939), das mit Judy Garland bekannt wurde. Neue Gesichter gab es auch bei der musikalischen Begleitung des Programms durch Peter Behmer aus Lippstadt am Klavier und die junge Pianistin Lara Lücke vom Humboldt-Gymnasium, die sich mit zwei Stücken einbrachte. Britta Waltemathe –Marx mit dem "Blue Moon" am Klavier und Markus Tappe an der Gitarre gaben weitere Soloeinlagen. Die ursprüngliche Absicht, den Chor des Gymnasiums mit einzubinden, scheiterte letztlich daran, dass die Sommerferien eine ausreichende gemeinsame Vorbereitung nicht zuließen. "Aber wir werden weiter an einem gemeinsamen Auftritt arbeiten", versprach Markus Tappe. Das Gymnasium war dann aber dennoch mit drei Schülerinnen vertreten, die ein "MashUp –Best of 2015" präsentierten. Man darf gespannt sein, wie sich der Meisterchor aus Lügde sich weiter entwickelt. Allein schon der Ehrgeiz, sich auf neue Wege zu begeben ist aller Ehren wert. Das Farbenspektrum des Regenbogens ist weit und das lässt sich auch hoffnungsvoll auf die Möglichkeiten des "Canto allegro"übertragen. Das Konzert bot erfolgversprechende Ansätze!

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