Lemgo (nr). 2.500 Bücher sollen es gewesen sein, die im Laufe der Kaempferschen Familiengeschichte zusammengetragen worden sind. Selbst im Vergleich zu Bibliotheken anderer Gelehrter aus der Region eine stattliche Anzahl von Titeln. Zum 300. Todestag Engelbert Kaempfers hat die Kooperation zwischen der Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft und Stadtarchiv Lemgo eine Ausstellung erarbeitet, die am Freitag, 30. September um 18 Uhr mit einer Lesung aus Kaempfers Werken im großen Rathaussaal eröffnet wird. Titel: "Kaempfers Bibliothek – eine Rekonstruktion".
Um es vorweg zu nehmen – die Bibliothek als physischer, zusammenhängender Bestand existiert heute nicht mehr. Die Bibliothek des Gelehrten, Forschungsreisenden und Mediziners kann nur virtuell und nachträglich rekonstruiert werden. Stadtarchivar Marcel Oeben erklärte in einem Pressegespräch, wie die umfangreiche Bibliothek rekonstruiert wird, wenngleich sie mit Sicherheit unvollständig bleibt: "Mithilfe eines Versteigerungskataloges von 1773, der sich im Bestand des Stadtarchivs befindet, Bücherlisten aus Erbauseinandersetzungen nach dem Tode Engelbert Kaempfers, die im Landesarchiv NRW (Abteilung OWL in Detmold) lagern und zahllosen Briefen Kaempfers, die sich im Besitz der "British Library" in London befinden, konnten zahllose Titel belegt werden." Dass es weder möglich sei, die Originale, die Kaempfer zu seinen Lebzeiten in den Händen gehalten hatte zu finden, noch so alte Schätze für eine Ausstellung nach Lemgo zu holen, sei verständlich. Letztendlich ginge es vorrangig darum, Erklärungsversuche zu unternehmen, die das Denken, das Arbeiten, die Recherche und die Akribie des Lemgoer Gelehrten zu erklären vermögen. "Da geht es darum, wie Kaempfer an seine Informationen gekommen ist, seinen Wissenshorizont zu erkennen und nachvollziehen zu können, auf welche Art und Weise er fremde Texte in seine Arbeiten aufgenommen hat, wie zum Beispiel beim Übernehmen von ganzen Textpassagen, Verweisen oder Zitaten", erklärte Marcel Oeben. "Darüber hinaus wollen wir erklären, was genau eine Gelehrtenbibliothek ist und was genau daran so interessant ist." So sei das Thema zwar durchaus sperrig, aber so aufbereitet, dass das komplexe Leben Kaempfers aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werde könne. So sei Kaempfer als Arzt, Gelehrter und Asienforscher immer empirisch tätig gewesen. Sich auf Aussagen anderer zu verlassen war für ihn verpönt, stattdessen wahrte er immer eine kritische Distanz zu niedergeschriebenen Aussagen. "Gerade in seinen Briefen können wir sehr genau rekonstruieren, wie gezielt seine Nachfragen nach ganz bestimmten Titeln oder Textpassagen waren", erklärte Dr. Gerhard Kuebart, Vorsitzender der Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft und Kurator der Ausstellung. Die gesammelten Werke der Kaempferschen Bibliothek, die überwiegend in lateinischer Sprache abgefasst waren, waren nicht nur Errungenschaften von Kaempfer selbst. Den eigentlichen Grundstein der Sammlung hatte sein Vater, Magister Johann Kemper und seines Zeichens erster Pfarrer an St. Nicolai gelegt. Und auch nach dem Tode Engelbert Kaempfers wuchs die Bibliothek, die erst 1773 versteigert wurde. Erst 2012 kam mit neuen Archivfunden noch mehr Licht ins Dunkel der Kaempferschen Vergangenheit. So ging ein Teil der Titel an Neffen und Schwager Kaempfers über, während Manuskripte, Karten, japanische Bücher und Kuriositäten nach England verkauft wurden. Die Ausstellungseröffnung findet am 30. September um 18 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses statt. Joachim Ruczynski aus dem Landestheater Detmold wird aus den Werken Kaempfers lesen. Die Ausstellung kann vom 30. September bis zum 2. Dezember zu den Öffnungszeiten des Stadtarchivs besichtigt werden. Öffentliche Führungen finden am 5. Oktober um 18 Uhr und am 30 Oktober um 15 Uhr statt. Gruppenführungen sind jederzeit buchbar. Begleitend zur Ausstellung finden jeweils in der VHS am 20. Oktober um 19 Uhr ein Vortrag zum Thema "Büchersammlungen als Fernrohre" und am 22. November ebenfalls um 19 Uhr "Viel Streit um Engelbert-Kaempfer –über Prozesse nach seinem Tod" statt.
