Oerlinghausen/Detmold (kd). Welch eine Pracht! Kräftiges Gelb, Rot und sogar Gold dominieren die Bilder von Karin Stengel. Mit dem Titel "Zeitfragmente" zeigt die Oerlinghauser Malerin gegenwärtig eine Auswahl im Sommertheater Detmold (Neustadt 24).
Es seien die Kompositionen Georg Friedrich Händels gewesen, berichtete die Künstlerin, "die irgendwann nach Bearbeitung verlangten". In den Bildern spiegelt sich jetzt die Opulenz der barocken Musik. Vor den blau getönten Wänden im Foyer des Sommertheaters wirken die Farben noch heftiger. Für ihre Empfindungen beim Hören der musikalischen Töne fand Karin Stengel eine Entsprechung aus Blutrot, tiefem Blau und glänzendem Gold. Es handelt sich um Messing, sogenanntes Schlagmetall. "Um die gewaltige Fülle und glanzvolle Pracht dieser Musik auszudrücken, war auch eine ganz andere Arbeitsweise erforderlich", berichtete die Künstlerin. Das Schlagmetall trug sie hauchdünn auf, zum Teil sind die Collagen komplett mit dem Messing unterlegt. Dann legte sie lasierende Farben auf, schliff oder kratzte sie wieder ab, legte erneut goldene Blättchen auf und malte noch einmal. Das Gold weckt unweigerlich Assoziationen an Reichtum, Macht, Verschwendung, Dekadenz, aber auch an Unvergänglichkeit und Ewigkeit. Auch Menschen sind auf den Bildern zu erkennen, sie tauchen jedoch nur als Silhouetten auf. Es scheint, als beträten sie Boote oder als stünden sie auf der Bühne eines Theaters. Es könnte sich auch um versunkene Städte handeln, die niemals existierten, oder alte Kulturen, von denen nur Bruchstücke sichtbar sind, sinniert Karin Stengel. Von der Farbenpracht zeigte sich auch Iris Witt vom Sommertheater überwältigt. Sie fühlte sich jedoch weniger an Händel erinnert als vielmehr an einen anderen Komponisten, sagte sie in ihren einführenden Worten. "Ein Werk wie ‚Das Fest‘ verbindet sich für mich mit der Musik Richard Wagners." Bei diesem leuchtenden Bild mit mehreren Figuren im Vordergrund dränge sich eine Assoziation an den "Ring" geradezu auf. Doch letztlich müssten die Betrachter ihre eigenen Eindrücke gewinnen. Dies entspricht auch der Absicht von Karin Stengel. "Es bleiben offene Fragen, Freiräume für Gedanken, Interpretationen und Deutungen", erklärte sie. Als akustisches Pendant trug Sören Malik von der Musikhochschule auf der Marimba ein Menuett aus Händels "Feuerwerksmusik" vor. Die Ausstellung ist bis zum 8. Oktober 2016 von Montag bis Freitag zwischen 9 und 13 Uhr, im Regelfall auch am Nachmittag sowie eine Stunde vor Beginn der Veranstaltungen geöffnet.
