Bad Salzuflen (dib). Mit der Zusage der Volkshochschule, die dortigen Räume nutzen zu dürfen, und einem Startkapital von 500 D-Mark begann - lange vor der Gründung des heutigen Vereins arbeit-wohnen-bildung e.V. am 11. September 1986 - der Werdegang von der Beratungsstelle für Arbeitslose zu einem zertifizierten Weiterbildungsinstitut. In der VHS wurden zunächst nur Beratungen durchgeführt, die so gut ankamen, dass die Räume bald zu klein wurden. Deshalb stellte die Stadt das ehemalige Gemeindehaus in Ehrsen-Breden zur Verfügung. Eines der ersten größeren Projekte war der "Gebrauchtmöbel- und Gerätedienst", für das das Arbeitsamt vier ABM-Stellen genehmigte. Bei der Gründung des heutigen Vereins arbeit-wohnen-bildung am 11. September 1986 wurde Alfred Mantay zum Vorsitzenden gewählt. Am vergangenen Wochenende hat der awb das 30jährige Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. "30 Jahre arbeit-wohnen-bildung, das bedeutet 30 Jahre Chancen schenken für Menschen in Lippe", betonte die stellvertretende Landrätin Kerstin Vieregge in ihrer Laudatio. "Sie zeigen mit ihrer täglichen Arbeit, dass ein humanes Miteinander in Lippe gelebt wird. In drei Jahrzehnten haben sie und ihr Verein es geschafft, sich in einem breiten Spektrum zu positionieren und Menschen in vielen Teilbereichen die Möglichkeit gegeben, sich auszuprobieren, Stärken und Schwächen auszuloten und wieder auf die Beine zu kommen."
Beim awb steht der Mensch, der Hilfe braucht, um sich wieder einzugliedern oder wieder eine Perspektive zu haben, im Mittelpunkt. Deshalb leistet der Verein seit 30 Jahren in verschiedenen Projekten Hilfe zur Selbsthilfe, sei es in der Maler- und Fahrradwerkstatt, in der Repair-Werkstatt oder in der Tischlerei. Damit ist er in der Kurstadt zu einer wichtigen Institution geworden, die nicht nur Großprojekte wie den Bau der historischen Ruderboote für den Kurparksee auf Initiative des damaligen Leiters des Arbeitsamtes Ernst-Wilhelm an Huef erfolgreich abgeschlossen hat, sondern in seinen Räumen auch einen sozialen Mittagstisch für Bedürftige anbietet und es als eine der gegenwärtigen wichtigsten Aufgaben ansieht, Flüchtlingen durch Sprachkurse eine bessere Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen. Für Bad Salzuflens stellvertretende Bürgermeisterin Beate Hoffmann-Hildebrand bedeuten 30 Jahre awb auch "30 Jahre Dienst am Menschen, um die sich sonst niemand gekümmert hätte. 30 Jahre Einsatz und Kampf, um ins Schlingern geratenen Lebensläufen wieder ein Ziel zu geben." Aber auch: "30 Jahre Anträge stellen, sich mit Ämtern auseinanderzusetzen, Spenden zu sammeln, Rückschläge hinzunehmen, und immer wieder aufzustehen und weiterzumachen." Damit leistet der awb einen nicht zu unterschätzenden Dienst am Menschen, ist Helfer, Anleiter, Ratgeber und manchmal auch die letzte Chance für Menschen, deren Lebensweg aus den Fugen geraten ist.
