1. Ausschuss fordert von KVN Umkehr

    Ratspolitiker für Rücknahme der Neuordnung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes

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    WUNSTORF (tau). Mit einem Appell an die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) hat der Sozialausschuss am vergangenen Dienstag noch einmal deutlich gemacht, was er von der Neuordnung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes hält. Nämlich nichts. Die stellvertretende Geschäftsführerin der KVN-Bezirksstelle Nicole Löhr hatte im Ausschuss einen schweren Stand. Die dargelegten Gründe für die Umstrukturierung überzeugten die Mitglieder nicht. Es fehle vor allem ein angemessener Interessenausgleich. Zu einseitig sei nach den Wünschen der Ärzte hier ein neues Modell ohne Zwang durchgesetzt worden.

    Seit dem 1. Juli teilen sich die vier Städte Wunstorf, Neustadt, Seelze und Garbsen den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Das entspricht einem viel größeren Gebiet als vorher. Bislang gab es in jeder Kommune einen Arzt in Bereitschaft, der bei normalen Erkrankungen außerhalb der üblichen Sprechzeiten des Hausarztes kontaktiert werden konnte. Nach der neuen Regelung sind es jetzt anderthalb Mediziner für das gesamte Gebiet und ab Mitternacht gar nur ein Bereitschaftsarzt. Deren Dienste dürfen aber nur jene Patienten in Anspruch nehmen, denen ein Besuch in der neu eingerichteten Bereitschaftsambulanz (Portalpraxis) am Neustädter Krankenhaus nicht zuzumuten ist. Wie soll das funktionieren, fragten die Ausschussmitglieder. "Mehrere Einsätze in der Nacht, zum Beispiel von Idensen nach Letter und ins Mühlenburger Land, sind kaum möglich", sagt Kirsten Riedel (SPD). Nicole Löhr verwies auf die niedrigen Fallzahlen und ein damit verbundenes Vermittlungsproblem. Die KVN könne den niedergelassenen Ärzten nicht plausibel begründen, warum sie Sonderdienste zu leisten haben, obwohl der Bedarf an medizinischer Versorgung gering ist. Die neue Regelung sei daher eine Entlastung für die Ärzte und ziele vor allem auf eine Sicherung der Versorgung im ländlichen Raum, so Löhr. Sie bat darum, dem neuen System eine Chance zur Entwicklung zu geben. Die Rechnung laut KVN ist einfach. Weniger Sonderdienste gleich mehr Ärzte in der Region. Der Ausschuss widersprach der simplen Logik und sieht vor allem die Interessen der Patienten kaum berücksichtigt. "Weitere Wege und neue Unsicherheiten sind mit der Reform geschaffen worden, eine klare Verschlechterung für die Menschen", findet Christiane Schweer (CDU). Die Betroffenen würden in Zukunft vermutlich vermehrt auf die Notrufnummer 112 ausweichen.

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