1. Liebe und Leidenschaften

    Mit seinen sanften Liedern begeisterte Samuel Harfst das Publikum

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    Oerlinghausen (kd). Ein Kirchenraum als Konzerthalle? Popmusik, wo sonst Andachten abgehalten werden? Dem soeben gegründeten Verein "Kultur.Kirche" in Oerlinghausen ist dieses Experiment durchaus gelungen. Das erste Konzert mit dem Liedermacher Samuel Harfst in der vollbesetzten katholischen Kirche St. Michael fand viel Zustimmung.

    Zwischen Altar und Taufbecken haben drei Musiker ihre Instrumente und Mikrofone aufgebaut. Nur wenige rote und blaue Lichtquellen stehen verteilt im abgedunkelten Kirchenraum, Kunstnebel umgibt die Szene. Behutsam, fast scheu betritt das Trio das Podium. Diese zurückhaltende Art spiegelt sich auch in den Liedern. Das erste Stück könnte programmatisch sein: "Es gibt schon so viele Lieder über Liebe. Ich hoffe, es ist noch Platz für eins", heißt es darin. Vom Kükenchor in Wetzlar zum erfolgreichen Künstler – die musikalische Entwicklung des dreißigjährigen Samuel Harfst ist beachtlich. Bereits als Kind entdeckte er seine Liebe zur Musik. Später trat er jahrelang als Straßenmusiker mit selbst getexteten und komponierten Liedern auf. Sie handeln von Gefühlen und Sehnsüchten, von Nähe und Ferne im menschlichen Miteinander. "Du bist das Ziel meiner Reise, was will ich mehr", singt Harfst mit sanfter, unaufdringlicher Stimme. In "Kleine Sehenswürdigkeit" erklärt er: "Ich will dich nicht besitzen, könnte ich auch nicht, einfach nur bestaunen". Es sind eingängige Melodien und vornehmlich leise Töne, die die Anwesenden zum Mitsingen und Mitklatschen animieren. So einfühlsam wie seine Texte, so zart behandelt Harfst auch seine akustische Gitarre. Selbst wenn er zum elektrischen Instrument greift, klingt es nie aufdringlich. Harfst vermittelt den Eindruck, es seien seine ganz persönlichen Empfindungen, für die er einen musikalischen Ausdruck gefunden hat. Zugleich könnten diese Erfahrungen und Gedanken aber auch Allgemeingut sein. Denn wer hätte nicht schon Ähnliches gedacht wie "Ja ich weiß, das Leben ist schön, noch schöner wäre es, wenn wir uns wiedersehn." Harfst versteht es, gewöhnliche menschliche Regungen mit Bedeutung aufzuladen. Im Übrigen hat er auch eine Botschaft mitgebracht. Es sind wiederum keine lauten Parolen, sondern eher dezente Hinweise auf seine christliche Überzeugung. "Auch wenn du nicht mehr glaubst, tut der Herr doch Wunder, Tag für Tag", singt er zum Beispiel. Texte wie dieser sollen kleine Anstöße geben, zum Nachdenken anregen. Die Kompositionen greifen diese Stimmung auf. Der sanfte Gitarrensound steht eindeutig im Vordergrund. Auch eher vorsichtig berührt der jüngere Bruder Joshua Harfst seine Percussions, Dirk Menger hält sich an den Keyboards ebenfalls dezent im Hintergrund, lässt jedoch eine hohe Musikalität erkennen. Ein besonderer Höhepunkt ist das von Joshua Harfst solo vorgetragene Coverversion eines "Radiohead"-Titels. Das Publikum dankte es ihm mit einem Riesenapplaus. Zum Abschluss geben die drei Hessen ihre Zurückhaltung dann doch noch auf. Wie könnte es auch anders sein? Ein solch enthusiastisches Stück "Mit dir kommt die Sonne" muss einfach schnell und mit vollem Herzen vorgetragen werden.

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