1. Zwei, die zusammengehören

    Iris Witt seit zehn Jahren im Detmolder Sommertheater

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    Detmold (kh). Die Fassade gibt einem Haus sein Gesicht heißt es. Eine Aussage, für die das Detmolder Sommertheater Beispiel par excellence ist. Erhält dieses Gebäude doch aufgrund der eigenwilligen Farbgebung ein besonders markantes Aussehen. Noch viel mehr aber als der augenfällige rosarote Anstrich in Kombination mit der gläsernen Front des Anbaus ist es Iris Witt, die dem Haus ein unverwechselbares Gesicht gibt. Ja, mehr noch – sie verleiht ihm Persönlichkeit. Denn Iris Witt und das Sommertheater, das sind zwei Namen, die zusammengehören. Die man kennt. Einer ohne den anderen ist kaum vorstellbar. Und das seit mittlerweile einem Jahrzehnt.

    Die gute Seele des Musen­tempels an der Neustadt Während aus dem Saal Klavierklänge herüberwehen, im Foyer gewerkelt wird und immer wieder das Telefon klingelt oder irgendjemand kurz den Kopf zur Tür hereinsteckt, um eine Auskunft einzuholen, erzählt Iris Witt lebhaft von den zurückliegenden zehn Jahren. Wie sie das Theater und das Theater sie weiterentwickelt und begleitet hat. 2006 war es, als Witt ihr Büro in dem kleinen Musentempel an der Neustadt bezog. "Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Veranstaltungen" lautete die Stellenbeschreibung. "Das war einmal", resümiert sie. Längst ist ihr Schreibtisch zur Schaltzentrale geworden, zu jenem organisatorischen Dreh- und Angelpunkt, an dem alle Aufgaben, Personen, betriebswirtschaftlichen Abläufe und verwaltungstechnischen Vorgänge koordiniert werden. Langeweile ist hier ein Fremdwort. Zum Däumchendrehen bleibt erst recht keine Zeit. Denn Aufgaben hat Iris Witt wahrlich viele. Was nicht zuletzt daran liegt, dass das Detmolder Sommertheater ein Haus mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten ist. Auch wenn es den Begriff "Theater" im Namen führt – was sich hinter der eigenwillig getünchten Fassade verbirgt, ist weitaus mehr als eine Stätte, in der Theater gespielt wird. Und das schon gar nicht nur im Sommer. Genauso kontrastreich wie das Nebeneinander aus aufwändig renovierter historischer Bausubstanz und technisch modern ausgestatteten Räumlichkeiten präsentieren sich auch die Nutzungsmöglichkeiten: "Hier ist Platz für großes Theater und kleine Kunst. Für Familienfeiern und Firmenfeste. Für Seminare, Präsentationen und Workshops. Empfänge, Hausmessen, Ausstellungen", zählt Witt auf. Viel Arbeit, die ihren Reiz hat Dass da kein Müßiggang aufkommt, versteht sich von selbst. Und entsprechend beeindruckend liest sich der Aufgabenkatalog, den Iris Witt zu bewältigen hat. Die Erstellung von Tages-, Wochen- und Monatsplänen und die Begleitung laufender Projekte gehört ebenso dazu wie die Betreuung von Besuchern und der Mitglieder des Sommertheatervereins sowie die Zusammenarbeit mit Institutionen, Schulen und Kindergärten oder der Kontakt zu Künstlern und Veranstaltern. Witt nimmt an der Spielplangestaltung teil, in der langfristig die künstlerische Linie des Theaters festgelegt wird, tüftelt an Marketing- und Sponsorenkonzepten und ist zudem stets auf der Suche nach Angeboten, mit dem das Haus jenseits der ausgetretenen Kulturpfade lebendiges Theater von und für Menschen bieten kann. Viel Arbeit ist das. Viel Verantwortung. Zumal der Service, den Witt und das Sommertheaterteam Veranstaltern, Kulturschaffenden und Besuchern bieten wollen, mehr sein soll als ein umfangreiches Angebot an Dienstleistungen. "Bei uns ist eine professionelle Rundumbetreuung und flexible Organisation mit Hingabe zum Detail sicher", verdeutlicht Iris Witt, die es schätzt, Teil eines kleinen Teams zu sein, "in dem sich keiner zu schade ist, da mitanzupacken, wo es gerade nötig ist." Dass "die Chefin"– wie sie augenzwinkernd-anerkennend von "Stammgästen" genannt wird – dann auch mal an der Garderobe aushilft oder eine Rolle Toilettenpapier nachlegt, ist klare Sache. Umsichtig und mit einem Lächeln sorgt sie dafür, dass alles rund läuft. Oft gilt es, die Nerven zu behalten und einfallsreich zu sein. 08/15-Lösungen funktionieren nicht immer, man muss um die Ecke denken. "Aber geht nicht – gibt’s nicht", sagt Witt. Ihre Maxime: Flexibel sein. Und gelassen bleiben im kreativ-chaotischen Kosmos des Theaters. Dank ihres Einfühlungsvermögens und ihres Organisationstalents weiß sie, dass es oft die Kleinigkeiten sind, die eine erfolgreiche Veranstaltung ausmachen. Und es ist wohl diese stille Fürsorge, die hohe Einsatzbereitschaft, ihr "Händchen für Menschen" und der Respekt vor der Arbeit all derjenigen, denen sie tagein, tagaus begegnet, aufgrund derer ihr Achtung und Wertschätzung entgegengebracht werden. Mit Idealismus und Liebe zum Job und zu den Menschen Keiner von Witts Arbeitstagen sieht aus wie der andere. Das macht ihre Tätigkeit spannend, aber mitunter auch zu einem Kraftakt. Nicht selten ist das tägliche Pensum sehr fordernd. Wenn dann noch Wochenenddienste dazu kommen, geht man schnell auf dem Zahnfleisch. "Es braucht viel Liebe zum Tun und eine gehörige Portion Idealismus für diesen Job", stellt sie fest. Und schiebt hinterher: "Ich musste lernen, auch mal abzuschalten ..." Nachdenklich wird ihr Blick, wenn sie auf die ihre Arbeit über all die Jahre begleitenden pekuniären Gratwanderungen zu sprechen kommt. Nicht anders als andere eigenständige Theater steht auch das Detmolder Sommertheater andauernd auf dem finanziellen Prüfstand. Denn Kunst kostet Geld. Hinter dieser Binsenweisheit verbirgt sich oft ein Balanceakt, bei dem sich die Theater-Crew als wahre Trapezkünstler beweisen muss. Immer wieder galt und gilt es, mit Rückgrat und Diplomatie finanzielle Engpässe, strukturelle Hürden und kulturpolitische Debatten zu bewältigen. In solchen Zeiten kann es bisweilen sein, dass Witt der Gang an ihren Arbeitsplatz schwer fällt, sie zur Zweiflerin wird, sich und die Kollegen als einsame Kämpfer auf weiter Flur sieht. Trotzdem krempelt sie dann jeden Morgen wieder symbolisch die Ärmel hoch –überzeugt von dem, was sie tut und was sie anderen antragen will. Und so ist und bleibt es: Iris Witt ist es auch nach zehn Jahren nicht müde, weiter Impulse zu geben für den Austausch zwischen Kunst, Wirtschaft und Gesellschaft. Raum zu schaffen für den interdisziplinären Dialog. Mit der ihr eigenen liebenswürdigen Art, dazu beizutragen, das Sommertheater zu einem lebendigen Forum für vielfältige Begegnungen und Erfahrungen zu machen, in dem sich Wissen, Denken und Kreativität mit Lebensfreude und Inspiration verbinden. Und wenn sie sich am Ende des Gesprächs zurücklehnt, die Arme zu einer alles umfassenden Geste ausbreitet und aus vollem Herzen erklärt: "Ich liebe dieses Haus!", ist alles gesagt.

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