1. Traditionsunternehmen schließt

    Wolfgang und Christel Benner geben Schuhfachgeschäft auf

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    Horn-Bad Meinberg (ab). Eine Ära geht zu Ende: Wolfgang und Christel Benner schließen ihr Schuhfachgeschäft an der Mittelstraße – das letzte seiner Art in der Stadt.

    "Ich hätte gerne noch weiter gemacht", sagt Inhaber Wolfgang Benner. Doch das lohne sich einfach nicht mehr. Die wirtschaftliche Situation in Horn sei schwierig. Große Filialgeschäfte auf der grünen Wiese und vor allem der Internethandel machten den Fachgeschäften das Leben schwer. Der "Einkaufen als Erlebnis" mit umfangreicher Beratung und weiteren Serviceangeboten sei für kleine Geschäfte schwerer umzusetzen. Viele Kunden möchten heutzutage beispielsweise schon online schauen können, ob ein bestimmtes Paar Schuhe in ihrer Größe im Laden vorhanden ist, bevor sie sich auf den Weg dorthin machten. Dazu brauche es aber entsprechende Technik und ein großes Lager. Beides ist zu teuer, meint Wolfgang Benner. Nun hat er sich entschieden, das Geschäft aufzugeben und früher in den Ruhestand zu wechseln. Leicht ist ihm und seiner Frau die Entscheidung nicht gefallen; das merkt man. Bereits vor ein paar Jahren mussten die beiden Kinderschuhe aus dem Sortiment nehmen. "Das ist uns leid abgegangen", sagt Christel Benner. Es habe immer besonderen Spaß gemacht, Familien mit Kindern zu beraten, sagt die gelernte Erzieherin. Kurz vor Ostern, wenn Halbschuhe gekauft wurden und dann wieder im Mai, wenn Sandalen gefragt sind, hätten sie wochenlang "nur noch auf der Erde gelegen und Kinderfüße vermessen", erinnern sich die Benners schmunzelnd. Zwischen 1977 und 2000 gehörte auch die medizinische Fußpflege zum Serviceangebot. Außerdem nahm Wolfgang Benner auf Wunsch kleinere Reparaturen an Lederschuhen vor oder weitete sie mit der sogenannten Hammerzehenzange – wenn der Schuh mal buchstäblich gedrückt hat. Mit der Schließung des Ladens endet eine lange Tradition. 1924 eröffnete Friedrich Benner in Schieder seine Schuhmacherei. Während des Krieges ruhte der Betrieb, 1948 wurde er wiedereröffnet. 1960 übernahm Sohn Friedel mit seiner Frau Margot den Betrieb. 1973 erhielten sie das Angebot, das alteingesessene Schuhgeschäft Busch in Horn-Bad Meinberg zu übernehmen. "Wir waren die ersten Fremden, die hier ein traditionelles Geschäft übernommen haben", sagt Wolfgang Benner. 1974 stieg er hier als Geschäftsführer mit ein. Auch seine Schwester Ingelore (mit heutigem Nachnamen Glasbergen) arbeitete bis 1980 im Laden mit. Seine Lehre zum Einzelhandelskaufmann hatte er zwischen 1969 und 1972 im Detmolder Schuhhaus Lange gemacht, anschließend verpflichtete er sich bis 1974 bei der Bundeswehr. 1980 übergab ihm sein Vater offiziell den Laden in Horn und führte selber das Geschäft in Schieder weiter. 1985 starb Friedel Benner mit nur 53 Jahren; seine Frau Margot leitete nun an alleine das Geschäft in Schieder – bis 2002 aufgrund zu geringer Nachfrage dieser Laden geschlossen wurde. Eine wichtige Veränderung folgte 1995. Nach langen und zähen Verhandlungen kauften die Benners das Haus, in dem sie seit 1975 wohnten und arbeiteten. Nach großem Umbau und Modernisierung feierten sie Mitte 1996 Neueröffnung – nun unter dem Namen "Schuhhaus Benner". Margot Benner, für die das Schuhgeschäft eine Berufung ist, ist mit heute 84 Jahren noch immer eine Stütze, hilft aus, wenn sie gebraucht wird. Zwei Jahre lang hat sich Wolfgang Benner vergeblich um einen geeigneten Nachfolger für sein Geschäft bemüht. Die beiden Töchter Inga und Jessica hatten sich früh beruflich anders orientiert und wollten nicht in die Fußstapfen der Eltern treten. Der Ausverkauf beginnt am kommenden Donnerstag, 22. September. Letzter Verkaufstag ist der 6. November (Kläschen-Sonntag). Nn gilt es für die Benners, Pläne für den Ruhestand zu schmieden. Verreisen wollen sie auf jeden Fall regelmäßiger. Wolfgang Benners Traum wäre es, Italien zu durchqueren: "Von Bozen bis zur Stiefelspitze". Hier kommt dann wohl doch noch mal der Schuhverkäufer in ihm durch!

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